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YARI - MY LOVE

YARI - MY LOVE

Titel: YARI - MY LOVE
Autoren: Kay Monroe
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Kapitel
1)

    „ Du hast was gemacht?“
    Yari
funkelte seinen Vormund aus moosgrünen Augen zornig und zugleich
fassungslos an – wobei die Fassungslosigkeit gerade eben
eindeutig überwog.
    Hart
presste er seine Faust auf den Solar Plexus, um seinen Magen daran zu
hindern, dessen Inhalt augenblicklich auf den Schreibtisch seines
Onkels zu erbrechen.
    „ Wie
konntest du das tun, ohne mich zu fragen?“
    Trevor
Ponds, seines Zeichens Vormund und Manager des aufstrebenden
Jungschauspielers Yari Day, und ein Berg von einem Mann, sah seinen
Schützling mit jenem verschlagenen Ausdruck an, der Yari, wie so
oft schon, wünschen ließ, einige Zentimeter mehr vorweisen
zu können und ein paar Pfunde mehr auf den Rippen zu haben, um
seinem Onkel das gehässige Grinsen mit der Faust aus dem Gesicht
zu wischen.
    „ Nun
hab dich mal nicht so, Junge! Was regst du dich denn so auf?“
Ponds' Stimme hatte jenen eisigen Tonfall, den Yari aus seiner
Kinderzeit nur allzu gut kannte.
    Junge!
Warum nicht gleich Jüngelchen?
    Wenn
Onkel Trevor in diesem Ton mit ihm sprach, duldete er keinen
Widerspruch … und daran hatte sich bis heute nicht das
Geringste geändert.
    Yari
verfluchte die Tatsache, dass er in seiner jugendlichen Unwissenheit
seinem Vormund vor fünf Jahren zugestimmt hatte, das Management
für ihn zu übernehmen, so lange er das einundzwanzigste
Lebensjahr noch nicht vollendet hatte.
Nur noch vier Monate betete er sich vor.
    „ Es
ist nur eine Rolle wie jede andere“, unterbrach Ponds' Stimme
seine Gedanken.
    Yaris
Faust krachte mit voller Wucht auf den schweren
Mahagoni-Schreibtisch, hinter dem Trevor Ponds thronte.
    Scheiße,
tat das weh!
    „ Nein!“,
fauchte er, „es ist keine Rolle wie jede andere. Aber darum
geht es auch gar nicht. Du hast diesen Vertrag unterzeichnet, ohne
mich zu informieren. Eine Rolle für mich angenommen, ohne zu
wissen, ob ich … ob ich überhaupt in der Lage bin, sie zu
verkörpern.“
    Das
war nicht wirklich Yaris Angst. Doch was genau dahinter steckte,
würde er diesem Arschloch gewiss nicht auf die Nase binden.
Die
kurze Aufmüpfigkeit kostete ihn seine ganze Kraft. Erschöpft
ließ er sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch plumpsen und
nahm genau die Haltung an, die sein Onkel am liebsten an den Menschen
im Allgemeinen und an ihm im Besonderen sah:
    Zusammengesunken,
schmächtig, unbedeutend!
    Einige
lange schwarze Strähnen lösten sich aus Yaris
zusammengebundenen Haaren und fielen ihm ins Gesicht, als er den Kopf
kraftlos in seine Hände fallen ließ.
    Ich
kann das nicht … ich kann das einfach nicht …
    „ Jetzt
reiß dich aber mal am Riemen, Yari!“, polterte Trevor
Ponds, „du bist Schauspieler, verdammt noch mal. Und gar kein
so übler.“
Die Art und Weise wie Ponds den letzten Satz
hervor quetschte, machte das ungewohnte Kompliment zu einer Farce.
    „ Vor
was hast du denn solche Angst? Heath Ledger und Jake Gyllenhaal haben
schwule Cowboys gespielt und es hat ihrer Männlichkeit keinen
Abbruch getan. Selbst dieser Glitzervampir … wie heißt
er noch gleich …?“
„Pattinson“, murmelte
Yari geistesabwesend, „Robert Pattinson.“
„Ja,
genau“, nahm Ponds den Faden wieder auf, „der hat auch
schon mal den schwulen Salvador Dali gemimt und keiner hat ihn
deshalb auch nur eine Sekunde für wirklich schwul ...“
Ponds
unterbrach seine Rede und ließ seine Augen aufmerksam über
sein Mündel gleiten.
    Yari
fühlte den wachsamen Blick seines Onkels auf sich und hob
trotzig den Kopf.
    Jetzt
nur nicht schwach werden!
    „ Was?“
    Ponds
kniff die Augen zusammen.
    „ Du
bist doch nicht etwa eine Schwuchtel?“
    Obwohl
die Worte nur ganz leise ausgesprochen wurden, hallten sie in dem
Büro wie Donnerschläge.
    Yari
wusste, dass Trevor Ponds ein homophobes Arschloch war, der sämtliche
Schwulen und Lesben am liebsten auf den Mond schießen, wenn
nicht gar Schlimmeres tun, würde.
    Wobei

    „ Warum
hast du eine solche Rolle überhaupt für mich in Erwägung
gezogen, wo du doch alles A ndersartige so
sehr hasst?“
    „ Der
Regisseur wollte unbedingt dich“, platzte Ponds heraus.
    „ Mich?
Aber … wieso?“
    „ Was
weiß ich?“, fauchte sein Onkel, „ist mir auch egal.
Ich habe zugesagt und ich halte mein Wort, wie du weißt.“ Na
klar, von der Konventionalstrafe mal ganz abgesehen!
    Die
hektischen Flecken auf Ponds Wangen zeigten Yari, dass er mit seiner
Vermutung richtig lag.
    „ Wie
viel?“, fragte er im ruhigsten Tonfall, den er

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