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Wer ist der andere, Alissa

Wer ist der andere, Alissa

Titel: Wer ist der andere, Alissa
Autoren: Ginna Gray
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sollen, gleich als du anfingst, dich krank zu fühlen. Ich bin schließlich dein Mann, erinnerst du dich noch daran?"
    Sie gab einen verächtlichen Laut von sich. "Bist du das? Ich hab's schon vergessen."
    Dirk zuckte zurück, als ob sie ihn geschlagen hätte.
    Diese schneidende Bemerkung war Alissa eigentlich sehr unähnlich, aber sie fühlte sich viel zu scheußlich, um darauf zu achten, wie grantig und eklig sie Dirk gegenüber war. Ihr Rücken schmerzte. Stöhnend drehte sie sich im Bett, um eine bequemere Lage zu finden. "Wo ist Callie?" fragte sie.
    "Sie ist zurück nach Brenham gefahren, um sich um ihre eigene Familie zu kümmern."
    Alissa riss erschrocken die Augen auf. "Das Baby!" Sie versuchte sich aufzusetzen, aber Dirk drückte sie in die Kissen zurück.
    "Ganz ruhig. Ich passe schon auf dich und Faith auf."
    "Du?" Alissa gab einen krächzenden Laut von sich, der ein Lachen sein sollte. "Wie willst du denn mit Windeln und Babyflaschen und Bäuerchen fertig werden?"
    "Irgendwie schaffe ich es schon."
    "Ich musste Faith auf Babymilch umstellen. Im Kühlschrank stehen die Flaschen und ..."
    "Ich weiß. Callie hat mir alles gezeigt."
    "Faith mag das Zeug nicht", murmelte Alissa teilnahmslos. Sie konnte kaum die Augen offen halten. "Hat Bauchschmerzen. Schreit die ganze Zeit."
    "Ich weiß. Callie hat mir auch das erklärt. Wenn ich Schwierigkeiten habe, rufe ich sie an oder den Kinderarzt."
    Alissa stöhnte und drehte sich um. Dirk stand vom Stuhl auf, ging zur anderen Seite des Bettes und fing an, Alissa den Rücken zu reiben.
    "Du steckst dich an", protestierte Alissa halbherzig.
    "Ich stecke mich niemals an", behauptete er zerstreut, während er fortfuhr, ihren Rücken zu massieren.
    "Das tut gut", murmelte Alissa und war kurze Zeit später eingeschlafen.
    Sie schlief den Rest des Tages durch. Ihre Temperatur schwankte, und jedes Mal, wenn sie wieder anstieg, fühlte sie sich dem Delirium nahe. Doch Dirk ließ sich nicht unterkriegen.
    Nach dem Rat ihres Hausarztes zog er Alissa aus und badete sie im kalten Wasser, bis das Fieber sank und sie wieder in einen ruhigen Schlaf fallen konnte.
    Am Rande ihrer Wahrnehmung bekam Alissa das, was um sie herum vor sich ging, mit.
    Ihr war irgendwie bewusst, dass Dirk sie versorgte und sich um ihr Kind kümmerte.
    Wie aus der Entfernung hörte sie Faiths Schreien, wenn ihr nach jeder Flasche der Bauch wehtat, und sie versuchte dann, das Bett zu verlassen, um sich um ihr Baby zu kümmern.
    Aber sie hatte einfach nicht die Kraft dazu.
    In den frühen Morgenstunden, wenn Dirk es endlich geschafft hatte, dass das Baby ruhig in seinem Bettchen lag, legte er sich neben Alissa, damit er es nicht verschlief, wenn sie ihn brauchte.
    Am Nachmittag des dritten Tages war Alissas Fieber endlich gebrochen, und sie sank in einen tiefen Schlaf, in dem ihr erschöpfter Körper Heilung suchte.
    Irgendwann nach Mitternacht wachte sie plötzlich auf. Mehrere Minuten lang lag sie da und versuchte herauszufinden, was sie geweckt hatte. Etwas war anders als sonst, etwas, was sie auf Anhieb nicht herausfinden konnte.
    Dann wurde ihr schlagartig klar, was es war. Es war so still. Zu still.
    Sie setzte sich im Bett auf. In ihrem Unterbewusstsein hatte sie sich so sehr an Faiths nächtliches durchdringendes Schreien gewöhnt, dass die Stille ihr jetzt geradezu unheimlich war.
    Ein schwacher Schein sickerte durch die offene Tür in das Schlafzimmer. Das Licht kam aus dem Kinderzimmer, das am anderen Ende des Ganges lag. Die Leuchtziffern auf dem Wecker zeigten 2:20 an. Alissa blickte neben sich auf das Bett. Dirk war nicht da, und das Kissen war unberührt.
    Irgendetwas stimmte nicht.
    Sie kletterte aus dem Bett und zog den Morgenmantel über. Die Beine knickten unter ihr ein, und Alissa musste sich eine Minute lang am Bettpfosten festhalten. Dann bewegte sie sich langsam aus dem Raum und den Gang hinunter, während sie sich auf dem Weg zum Kinderzimmer mit den Händen an der Wand abstützte. In der weit offenen Tür blieb sie stehen.
    Der Anblick, der sich ihr bot, erwärmte ihr das Herz. Tränen stiegen ihr in die Augen, und schaute mit großer Zärtlichkeit auf ihren Mann und ihre kleine Tochter.
    Mitten im Zimmer saß Dirk im Schaukelstuhl weit zurückgelehnt, offensichtlich vom Schlaf übermannt. Sein Hemd war vorne offen, und auf seiner nackten Brust, die winzigen Fingerchen in das Brusthaar gekrallt, lag schlummernd Faith auf dem Bäuchlein, ihr Köpfchen an sein Herz geschmiegt.
    Alissas

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