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Was wir sind und was wir sein könnten

Was wir sind und was wir sein könnten

Titel: Was wir sind und was wir sein könnten
Autoren: Gerald Hüther
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Einstieg
    Manchmal kann ich richtig spüren, wie gern ich lebe, und dann fange ich an zu staunen. Es gibt so vieles, worüber man nur ehrfürchtig innehalten und sich nicht genug wundern kann. Es ist ein Wunder, dass unser blauer Planet als lebendige Insel in der unvorstellbaren Weite des Weltalls überhaupt entstehen konnte. Die ungeheure Vielfalt der Lebensformen, die die Evolution des Lebendigen auf unserer Erde hervorgebracht hat, ist genauso unfassbar. Und über uns selbst und über das, was in so relativ kurzer Zeit aus uns geworden ist, kann man sich auch nur wundern. Kaum einhunderttausend Jahre ist es her, als sich die ersten Vertreter unserer Spezies auf den Weg gemacht haben. Inzwischen sind wir überall auf der Erde unterwegs, wir sind sogar auf dem Mond gewesen. Und dabei entdecken und gestalten wir nicht nur unsere äußere Welt. Wir fangen auch an, uns selbst immer besser zu verstehen. Unser Leben ist ein Erkenntnisprozess. Inzwischen sind wir erstaunlich weit vorangekommen auf diesem Weg der Erkenntnis. Niemand weiß, wohin er uns führen wird. Aber wenn wir aufhörten, ihn weiter zu gehen, wenn wir irgendwann aufhörten, Suchende zu sein, weil wir meinen, alles zu wissen und alles verstanden zu haben, dann hätten wir das größte Wunder verloren, das wir alle mit auf die Welt gebracht haben: unsere Entdeckerfreude.
    Zum Glück brauchen wir unsere Entdeckungsreise durch das Leben nicht immer wieder ganz von vorn zu beginnen. Sie beginnt auch nicht irgendwo, sondern genau in der Welt, die uns vorangegangene Generationen als Ergebnis ihrer Versuche hinterlassen haben, eine Welt zu schaffen, in der es keine Probleme mehr gibt und alles besser werden sollte. Nicht alles, was sie uns dabei vererbt haben, ist heutzutage noch hilfreich. Auf manches könnten wir gern verzichten, und viele dieser Hinterlassenschaften bereiten uns heute weitaus größere Probleme, als das unsere Vorfahren damals absehen konnten oder wollten. Aber was wäre das für ein Leben, wenn alles schon so wäre, wie wir es uns wünschen? Dann gäbe es morgen keine Überraschungen und übermorgen keine Enttäuschungen mehr. Dann brauchten wir selbst nichts mehr zu tun und es gäbe für uns nichts mehr, um das wir uns noch kümmern könnten. Dann hätten wir das andere große Wunder verloren, das wir alle mit auf die Welt gebracht haben: unsere Gestaltungslust.
    Glücklicherweise sind unsere Probleme immer noch groß genug, und verstanden haben wir noch längst nicht alles. Deshalb sind wir auch noch immer entdeckend und gestaltend unterwegs. Genauso wie alle lernfähigen Tiere. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Wir haben ein größeres Gehirn, mit dem wir uns mehr merken können. Aber was noch wichtiger ist: Wir können unsere Erfahrungen, unser Wissen und all die vielen zum Teil so schmerzvoll erworbenen Erkenntnisse darüber, worauf es im Leben ankommt, an andere Menschen, vor allem an unsere Kinder weitergeben. Von Generation zu Generation haben Menschen so ihr Wissen und Können, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten überliefert. Auch wenn dabei immer wieder vieles von diesem gemeinsam generierten und überlieferten Wissensschatz verloren gegangen ist, so hat sich dieser Schatz doch ständig erweitert. Noch nie haben Menschen so viel gewusst und so viel vermocht wie wir heute.
    Je erfolgreicher wir aber unsere Welt mit all diesem Wissen nach unseren Vorstellungen verändern, desto unausweichlicher werden auch wir selbst, wird auch unsere eigene Entwicklung von diesem Veränderungsprozess erfasst. Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte sind in so kurzer Zeit solch dramatische und globale Umwälzungen der bisherigen Lebensbedingungen ausgelöst worden wie gegenwärtig von uns. Zwangsläufig werden nun auch wir selbst uns auf eine bisher nie dagewesene Weise verändern. Das macht ein bisschen Angst, denn wir wissen ja nicht, was dabei aus uns wird.
    Dass mehr in jedem einzelnen Menschen steckt als das, was bisher aus ihm, also auch aus Ihnen oder mir, geworden ist, haben wir wohl schon immer geahnt. Sie brauchen sich ja nur kurz vorzustellen, Sie wären als kleiner Inuit am Polarkreis oder als Amazonasindianerin im tropischen Regenwald aufgewachsen. Oder meinetwegen auch hier bei uns als Kind einer arbeitslosen, alleinerziehenden Mutter oder einer wohlsituierten Akademikerfamilie. Vielleicht auch bei Eltern, die gar kein Deutsch können, womöglich sogar weder Lesen noch Schreiben gelernt haben. Überall wäre aus Ihnen

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