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Was wir sind und was wir sein könnten

Was wir sind und was wir sein könnten

Titel: Was wir sind und was wir sein könnten
Autoren: Gerald Hüther
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ist nicht das Geheimnis des Erfolgs, sondern das Geheimnis des Gelingens. Das Besondere an diesem Geheimnis des Gelingens besteht darin, dass man es nicht beschreiben oder erklären kann. Es muss sich, so altmodisch es klingt, offenbaren. Das heißt, dass es immer und überall da ist und wirksam wird, unabhängig von uns und unserem Zutun. Wenn es nicht so wäre, gäbe es weder unseren wundervollen Planeten noch das Leben in all seiner Vielfalt und Fülle, so wie es sich auf unserer Erde entwickelt hat. Und uns selbst mit unserem zeitlebens erkenntnisfähigen Gehirn gäbe es dann auch nicht. Das Geheimnis des Gelingens wirkt also unabhängig davon, ob wir es erkennen oder gar verstehen. Und wir können es auch nicht erzwingen, dass etwas gelingt. Deshalb ist es so ziemlich die verrückteste Idee, auf die man überhaupt kommen kann, ein Buch über etwas zu schreiben, was sich gar nicht beschreiben lässt, was sich nur mit etwas Glück – oder, um auch hier wieder ein altmodisches, aber passendes Wort zu gebrauchen, mit Gnade – dem offenbart, der offen dafür ist, es zu erspüren.
    Das kann freilich nur dann gelingen, wenn wir nicht gleich nach Antworten und fertigen Rezepten suchen. Vielleicht müssten wir uns Fragen stellen. Und das müssten Fragen sein, die uns selbst dazu bewegen, durch eigenes Nachdenken und aufgrund unserer eigenen Erfahrungen nach Antworten zu suchen. Wir müssten zudem versuchen, uns dabei nicht von unseren bisherigen Vorstellungen, sondern lieber von unserer Vorstellungskraft leiten zu lassen. Und wir sollten uns schließlich an jeder Stelle unserer Entdeckungsreise kritisch fragen, ob die Antworten, die wir gefunden haben, nicht nur durch unsere eigenen Erfahrungen, sondern auch durch die aller anderen Menschen, die wir kennen und die uns nahestehen, bestätigt werden. Ich weiß nicht, ob es gelingt, aber ich lade Sie ein, es gemeinsam mit mir zu versuchen …

1 . Wer ist »Wir«?
    Wen meinen wir eigentlich, wenn wir »Wir« sagen? Und warum gehören zu diesem »Wir« manche dazu und andere nicht? Was zeichnet diejenigen aus, denen wir uns zugehörig fühlen? Was verbindet uns mit ihnen? Was trennt uns von den anderen? Könnte sich das auch verändern? Und wenn ja, wie? Und könnten es vielleicht auch immer mehr andere Menschen werden, die wir meinen, wenn wir »Wir« sagen?
    Um der Frage nachgehen zu können, was wir sind und was wir sein könnten, brauchen wir eine Vorstellung davon, wen wir eigentlich meinen, wer dieses »Wir« ist, wer dazugehört und wer nicht. Wir müssen also eine Grenze finden, die definiert, wo unser tagtäglich so salopp dahergesagtes »Wir« beginnt und wo es aufhört.
    Wenn wir »Ich« sagen, wissen wir meist recht gut, wen wir damit meinen, wo dieses »Ich« anfängt und wo es aufhört. Im Temporallappen unseres Gehirns gibt es eine Region mit sehr komplexen neuronalen Netzwerken, in denen all die vielen Eingänge verarbeitet werden, die von den Rezeptoren unserer Körperoberfläche zum Gehirn weitergeleitet werden. Deshalb wissen wir zu jedem Zeitpunkt normalerweise sehr genau, wo unser »Ich« zu Ende ist und die Welt außerhalb des eigenen Körpers beginnt. Wir wissen das auch dann, wenn es uns nicht bewusst ist. Die eigene Körpergrenze wird uns aber wieder sofort in Erinnerung gebracht und ins Bewusstsein gerufen, wenn wir mit diesem eigenen Körper irgendwo, z.B. mit dem Kopf an einen Balken angestoßen sind. »Ich Trottel«, sagen dann die meisten Erwachsenen still vor sich hin. Die kleinen Kinder sagen noch laut »blöder Balken«, weil ihre Vorstellung vom eigenen »Ich« und seinen Grenzen noch nicht so fest im Hirn einzementiert ist. Sie wachsen ja auch noch, so dass die Netzwerke zur Registrierung der eigenen Körpergrenzen im Temporallappen manchmal nicht so schnell hinterherkommen.
    Im erwachsenen Zustand kann man diesen Lappen gelegentlich überlisten oder ausschalten, so dass man nicht mehr weiß, wo man zu Ende ist. Ausschalten ist einfacher. Dazu muss man nur eine Pille nehmen, die einen Wirkstoff enthält, beispielsweise einen Serotoninrezeptoragonisten, der diese Verarbeitungsprozesse im Temporallappen hemmt. Der hemmt zwar auch noch einiges andere im Hirn, aber manchmal hat man auf so einem LSD - oder Psilocybin-Trip offenbar ein Gefühl, als würde man nirgendwo aufhören und mit allem verbunden sein. Spezifischer und nebenwirkungsfreier lässt sich der Temporallappen hemmen, indem man sich in eine kosmische Verbundenheit

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