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Verdammt wo ist der Braeutigam

Verdammt wo ist der Braeutigam

Titel: Verdammt wo ist der Braeutigam
Autoren: Nicola Holzapfel
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Der Antrag
WENN 1000 ROTE ROSEN VOM HIMMEL FALLEN
    Es gibt die Vorstellung, die höchste Form der Liebe sei ein Heiratsantrag. Diese Ansicht ist unter Frauen recht verbreitet. (Es mag auch männliche Anhänger dieser Idee geben. Mir ist allerdings keiner bekannt.) Das erklärt, warum viele Frauen der damit verbundenen Frage »Willst du mich heiraten?« eine hohe Bedeutung beimessen.
    Nun gibt es Männer, die sind der Ansicht, dass man so einfache Sätze wie »Ich liebe dich« oder die Frage »Willst du mich heiraten?« heute nicht mehr in den Mund nehmen kann, weil sie in Büchern und Filmen schon viel zu oft gesagt wurden, und sich die Wirklichkeit nur wie eine schlechte Kopie der dadurch geweckten Illusionen anfühlen würde. (Es mag auch weibliche Anhänger dieser Idee geben. Mir ist allerdings keine bekannt.)
    Männern unterläuft bei solchen Gedankenverschlingungen jedoch ein entscheidender Fehler: Eine Frau würde diese Überlegungen niemals anstellen. Nichts und niemand ist unromantischer als eine Frau, die geheiratet werden will. Eine zur Heirat entschlossene Frau entwirft mit äußerster Kaltblütigkeit die dafür notwendigen Strategien und plant notfalls auch langfristig.
    Als meine Freundin Leonore heiraten wollte, hatte ihr Lebensgefährte Frank keine Chance. Er war dazu schon verurteilt, bevor sie sich überhaupt kennengelernt hatten. Leonore hatte in die vorhergehende Beziehung sieben Jahre »investiert«, wie sie immer betonte, ohne dass ihr Ex auch nur ansatzweise den ersehnten Antrag gemacht hätte. »Das passiert mir nicht noch einmal«, sagte sie nach dem Erstellen einer Gewinn- und Verlustrechnung dieser gescheiterten Partnerschaft. Als sie die Zeit für reif wähnte, Frank zu ehelichen und kein Antrag kam, fing sie an, ihn in der von ihr genau berechneten Dosis wie eine widerliche Made zu behandeln. Schon nach wenigen Wochen knickte er ein. Ich weiß nicht, was Leonore Frank sagte. Mir sagte sie: »Das wurde ja auch echt Zeit.« Geheiratet wurde dann ganz romantisch in Weiß und mit Kutsche.
    Das soll nicht heißen, dass es nicht auch Männer gäbe, die sich ganz von allein mächtig ins Zeug legen. Legendär ist der Heiratsantrag, den Gunter Sachs in den 60er-Jahren Brigitte Bardot machte: Er ließ 1000 rote Rosen vom Himmel herabregnen. Heutzutage gibt es das Internet, um solche Ausnahmeanträge festzuhalten. So ist nicht nur die Geliebte davon beeindruckt, sondern bestenfalls Millionen Voyeuristen, die bequem am Computer zuschauen können. Sie werden Zeuge eines wahren Wettkampfs um den originellsten und eindrucksvollsten Antrag. Zu einem der am häufigsten angesehenen Videos gehört zum Beispiel eines, das einen Mann dabei zeigt, wie er sich vor den Augen seiner Geliebten vom Dach stürzt – und dann allerdings nicht auf der Straße, sondern sicher auf einer Matte landet, auf der »Will you merry me?« steht. Noch mehr Aufmerksamkeit hat der Antrag eines Engländers erregt, der innerhalb einer Viertelstunde eine Willst-du-mich-heiraten-Show der Superlative inszenierte: Zuerst schockte er seine Freundin mit dem Auftritt einer angeblichen Geliebten. Noch während sie sich die Tränen trocknete, begannen die ersten Sanges- und Tanzeinlagen, die sich zu einem regelrechten Straßenumzug steigerten. Als seine Angebetete, nach der zehnminütigen Show vor lauter Aufregung sichtlich angeschlagen, seinen Antrag schließlich annahm, heiratete er sie noch an Ort und Stelle – auch das hatte er bereits im Vorfeld organisiert.
    Allerdings sollte das nicht zu der Fehleinschätzung verleiten, dass nach jedem originellen Antrag ein »Ja« zu erwarten ist. Auch davon zeugen Videos im Internet. Es gibt fürchterlich mitleiderregende Dokumente, die zeigen, wie Männer einen Korb bekommen, nachdem sie zuvor siegessicher um die Hand ihrer Freundin angehalten hatten. Vor allem Heiratsanträge in Sportstadien vor vielen Zuschauern scheinen bei Frauen oft Fluchtinstinkte auszulösen. Die Reaktionen der Frauen sind erstaunlich ähnlich: Zuerst überkommt sie eine Art Schockstarre, dann ist ihrem Gesichtsausdruck ein gewisser Unglaube zu entnehmen. Schließlich verzerrt sich ihre Mimik, doch bevor sie anfangen zu weinen, rennen sie davon. Ein freundlicher Mensch erbarmt sich dann der zurückgewiesenen Männer, legt tröstend einen Arm um ihre Schulter und führt sie ab – meist in die andere Richtung.
    Wenn die Frau keine Heiratsabsichten hat, kann der Antrag eben noch so liebevoll und ausgefallen sein. Er wird

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