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Verdammt wo ist der Braeutigam

Verdammt wo ist der Braeutigam

Titel: Verdammt wo ist der Braeutigam
Autoren: Nicola Holzapfel
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anfallender Übernachtungskosten. Das läppert sich schnell auf einige hundert Euro pro Einladung, wenn das denn reicht. Wie viel Finanzkraft von ihnen erwartet wird, verrät den Gästen bereits der Blick auf die Einladung:
    Motiv: Sandstrand
    Botschaft: Kommt nach Hawaii (wahlweise Südafrika, Gomera)!
    Kleidungsstil: der legere Club-Urlauber in Flip-Flops und Seidenhemd
    Willkommenes Geschenk: Fototapete, Flugtickets, Muschel-Himmelbett
    Kosten: Flug, Unterkunft – kurz: immens
    Motiv: Jugendfoto des Paars
    Botschaft: Wisst ihr noch, wie wir früher gefeiert haben? Lassen wir es noch einmal gemeinsam krachen!
    Kleidungsstil: lässige Eleganz mit Understatement
    Willkommenes Geschenk: Hits der 90er-Jahre
    Kosten: eher immaterieller Natur in Form eines schrecklichen Katers und Rückenschmerzen nach einer Nacht im Schlafsacklager auf dem Boden
    Motiv: seidige Schleife auf 3-D-geprägtem elfenbeinfarbenen Papier mit Büttenrand
    Botschaft: Unser Glück ist zwar unermesslich, aber auf jeden Fall teuer!
    Kleidungsstil: feinstes Tuch
    Willkommenes Geschenk: unbezahlbare Nichtigkeiten vom Hochzeitstisch
    Kosten: entsprechend
    Motiv: Babybauch
    Botschaft: Wir fangen gerade erst an!
    Kleidungsstil: dem Ernst der Lage angemessen
    Willkommenes Geschenk: selber schwanger werden, alternativ: Ausbildungsvertrag für den Nachwuchs
    Kosten: Hier ist aller Voraussicht nach ein langfristiges finanzielles Engagement vonnöten.
    Motiv: keines, die Einladung kommt per SMS und Facebook
    Botschaft: Wir leben Zukunft.
    Kleidungsstil: entfällt. Die Hochzeit findet virtuell statt.
    Willkommenes Geschenk: Klick auf den »I Like«-Button im Internet
    Kosten: für Nutzer von Internet-Flatrates: keine
    Motiv: selbst gemalt
    Botschaft: So sind wir – einfach anders als die anderen.
    Kleidungsstil: Selbstgestricktes
    Willkommenes Geschenk: Hauptsache gebastelt
    Kosten: reine Frage der Überwindung und der Nerven, unter diesen Bedingungen auch als Gast ganz du selbst zu sein
    Gute Gäste – und es ist ja klar, dass alle bei einer Hochzeit Eingeladenen dazu zählen – erfüllen diese Erwartungen. Wer wird denn angesichts eines so schönen Ereignisses knausern. Hart wird es so ab einem Lebensalter von etwa Ende zwanzig, wenn auf einmal nacheinander der gesamte Freundeskreis zu Hochzeiten einlädt. Da hilft nur: Rechtzeitig selber heiraten, bevor einem auf den Hochzeiten der anderen das Geld dafür ausgeht.

Das Geschenk
WAS BRAUTPAARE WIRKLICH WOLLEN
    Seit dem 20.9.2011 weiß ich: Bei Hochzeitsgeschenken habe ich bisher alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Diese Erkenntnis brachte mir eine wissenschaftliche Studie. Francesca Gino von der Harvard-Universität in Boston und ihre Kollegin Francis Flynn von der Stanford-Universität haben Hochzeitspaare und -gäste nach ihren Geschenken befragt. So fanden sie heraus, dass sich die Brautpaare am meisten über die Präsente freuten, die sie sich ausdrücklich gewünscht hatten. Die Schenkenden dagegen waren der Ansicht, dass Überraschungen besser ankamen. »Give them what they want«, lautet daher der Rat der beiden Wissenschaftlerinnen.
    Für kreative Geister und solche, die sich dafür halten, ist das eine bittere Pille. Tun sie doch nichts lieber, als sich etwas Originelles auszudenken. Mit großem Unbehagen erinnere ich mich an die Hochzeit meiner Freundin Simone. Monate vorher begann ich mit großartigen Entwurfs- und intensiven Basteltätigkeiten. Ich entwarf ein Wissensquiz mit dem Titel »Weißt du, wen du heiratest?« inklusive einer lebensgroßen Günther-Jauch-Attrappe aus Pappe und war echt stolz darauf – bis es auf dem Gabentisch stand. Hier wirkte es auf einmal seltsam deplatziert, ein außerterrestrisches Monstrum neben exklusiv verpackten Edelpräsenten, die aussahen wie eben von der Fifth Avenue eingeflogen. Noch heute plagen mich Tagträume, in denen ich Günther Jauch inmitten feiner Geschenkverpackungen vor mir sehe, wie er den Finger hebt und traurig sagt: »Ich will nach Hause«.
    Viele Brautpaare versuchen die Originalität ihrer Gäste zu zügeln, indem sie einen Hochzeitstisch arrangieren. Ursprünglich ging es dabei darum, einen Hausstand für die Frischvermählten zusammenzustellen. Das klingt zwar langweilig, aber immerhin waren das damals nachhaltige Geschenke. Noch heute benutze ich Kopfkissen, die meine Großmutter zu ihrer Hochzeit geschenkt bekam, und die alte Nähmaschine, die meine Eltern zur Hochzeit erhielten.
    Aber die Zeiten ändern sich.

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