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Unnatural History

Unnatural History

Titel: Unnatural History
Autoren: Jonathan Green
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nicht vergessen, also drehte er sich nach den anderen drei Angreifern um, die allerdings stehengeblieben waren und nun davonliefen. Sie hatten schon einen zu langen Weg für die Reichweite seiner Pistole zurückgelegt und er wollte keine Munition verschwenden. Durch die Schüsse ging das Stöbern und Wühlen im Geschäft nunmehr langsamer vonstatten. Einige Plünderer standen auf dem Parkplatz und glotzten den Schützen an, aber ihre Schaulust währte nur einige Augenblicke, ehe sie ihren Beutezug fortsetzten.
    Als Gordon die Autotür aufgehen hörte, sah er nach hinten, wo Jimmy gerade langsam ausstieg. Dessen Gesichtsausdruck sagte alles über seine Verfassung aus. Er ließ den Blick über die drei leblosen Körper schweifen, die rings um den Wagen lagen. So etwas hatte er bislang nur in Filmen gesehen, eigentlich noch gar keine Leiche in seinem ganzen Leben, ausgenommen seine Großeltern einige Jahre zuvor.
    Gordon steckte die Sig wieder ein und stellte sich vor den Mann, den er zuerst erschossen hatte. Dann kniete er nieder und begann, dessen Taschen zu durchsuchen.
    »Was tust du da?«, fragte Jimmy mit angewiderter Miene.
    Ohne aufzuschauen antwortete Gordon: »Nachsehen, ob er irgendetwas brauchbares bei sich hat.«
    »Das meinst du nicht ernst, oder?«
    Gordon sah auf und blickte Jimmy ausdruckslos an. »Mein Freund, du findest dich besser damit ab, dass dies eine neue Welt ist, in der wir leben. Die Kerle besaßen vielleicht etwas, das wir gebrauchen können. Sieh du bei dem dort nach.« Er verwies in mit einer Kopfbewegung an eine der beiden anderen Leichen.
    Jimmy betrachtete den Toten neben sich und erwiderte: »Leck mich, Mann, das mach ich nicht mit.«
    Da Gordon den ersten gründlich abgeklopft hatte, stand er auf und ging zu Jimmy. »Wenn du mir nicht behilflich sein willst, tritt zur Seite.«
    Jimmy ging Gordon aus dem Weg und lief zurück zum Auto. Von dort aus beobachtete er fassungslos, wie Gordon die Toten abtastete. Der Anschlag war kaum zwei Tage her, und schon ging die Welt vor die Hunde. Er hatte die neuen Umstände noch nicht verinnerlicht, weshalb er nicht davon ausgegangen war, dass Gordon wirklich schießen und die drei umbringen würde. Die ganze Situation beunruhigte ihn zutiefst und gab ihm das Gefühl, fehl am Platz zu sein.
    Gordon stieg ins Auto und fing an, sich das Blut von den Händen an seiner Hose abzuwischen. »Bei den Typen war wenig abzugreifen. Mir ist aber eine Idee gekommen; ein Stück die Straße hinunter gibt es einen Baumarkt. Dort will ich hin, um Saatgut für unsere Gärten zu besorgen.«
    Jimmy saß still neben ihm und bewegte sich nicht.
    »Mensch, krieg dich wieder ein, wir müssen los.«
    »Ich begreife einfach nicht, warum die anderen beiden auch kaltmachen musstest. Der erste – okay, aber die zwei sind doch stehengeblieben.« Jimmy sprach in gedämpftem Ton.
    »Ich verstehe, warum du es so siehst, kann mich aber nur wiederholen: Was du da eben gesehen hast, ist erst der Anfang. Wir werden weitere Menschen auf die gleiche Weise töten müssen. Ich habe uns einen Gefallen getan, indem ich es jetzt tat – und verflucht, wer weiß, vielleicht konnte ich damit ein anderes Leben retten! Die Typen führten nichts Gutes im Schilde. Hätte ich doch bloß ein Gewehr gehabt, dann wären auch die anderen drei Mistkerle jetzt Geschichte.«
    Jimmy sah ihn von der Seite an und fragte ungläubig: »Wirklich? Die hättest du auch niedergemacht?«
    »Ja, Jimmy, das hätte ich«, bekräftigte Gordon, ohne die Antwort nur eine Sekunde lang hinauszuzögern.
    »Was hat der Krieg nur mit dir angestellt, Mann? Hast ‘nen Knacks wegbekommen, was?«
    Gordon sah nach unten, auf Jimmys zitternde Hände. Er gab es auf, sein Handeln zu rechtfertigen und begriff, dass er seinem Freund helfen musste, da dieser unter Schock stand.
    »Mensch, Kumpel, ich weiß, das ist hart für dich«, äußerte er mit sanfterer Stimme, »aber bitte vertrau mir, wenn ich dir sage, dass ich es getan habe, um uns alle und insbesondere deine Familie zu beschützen. Wenn die drei dazu gekommen wären, hätten sie dir bestimmt den Hals umgedreht.«
    Die Bilder dessen, was gerade passiert war, zogen immer und immer wieder an Jimmys geistigem Auge vorüber.
    »Lass mich fahren, ja?«
    Jimmy nickte nur und stieg aus, sodass Gordon hinüberrutschen konnte. Er drehte den Schlüssel um, während sein Freund langsam ums Auto ging und wieder einstieg. Die Fahrt zum Baumarkt verlief schweigsam, da jeder der beiden auf
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