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Trainer unter Verdacht

Trainer unter Verdacht

Titel: Trainer unter Verdacht
Autoren: Stefan Wolf
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1. Anpfiff
     
    Die Wettervorhersage kündigte
einen warmen Sommertag an. Aber niemand hatte mit so einer Hitze gerechnet. Am
Morgen verdeckten noch Wolken den Himmel, doch jetzt schien die Sonne
erbarmungslos auf die Spieler herunter, die über den Platz jagten. Tim war
total durchgeschwitzt und sein Trikot klebte an seinem Körper. Seine Kehle war
ausgetrocknet. Er hatte wahnsinnigen Durst. Trotz seiner super Kondition zeigte
er an diesem Tag starke Ermüdungserscheinungen. Seine Beine taten ihm weh und
die Hitze machte ihn schwindelig.
    »Jetzt bloß nicht
schlappmachen! Durchhalten! Nur noch wenige Minuten bis zum Abpfiff!«, dachte Tim.
Sein Team lag 2:1 gegen die Schulmannschaft vom Alfred-Schäfer-Gymnasium zurück
und war im Besitz des Balles. Tim hatte als Stürmer das eine Tor geschossen.
Da! Eine Chance für den Ausgleich! Das konnte den Sieg bedeuten, denn wenn es
hart auf hart kam, dann war Tim im Elfmeterschießen unschlagbar. Er blickte
kurz hinüber zu Erik Salk, seinem Trainer, der am Spielfeld ruhelos auf- und
abschritt. Der junge Sportlehrer unterrichtete erst seit einem Jahr an der
Internatsschule. Mit seiner Leidenschaft für den Fußball hatte er die Schüler
sofort angesteckt. Selbst Gaby, die mit dem runden Leder anfangs nichts am Hut
hatte, wurde vom Fußballfieber gepackt und Spielerin in der neu gegründeten
Mädchenmannschaft.
    Tim preschte ins gegnerische
Feld vor. Andreas Sturm, ein sehr ehrgeiziger, sportlich durchtrainierter
Mitschüler, war der zweite Stürmer in Tims Mannschaft. Sein Markenzeichen: ein
eckiger, tiefschwarzer Bürstenhaarschnitt mit einrasiertem Fußball auf dem
Hinterkopf. Im Mittelfeld spielte auch Andreas’ bester Kumpel Martin Schmuck,
ein etwas gedrungener Rotschopf, dessen Gesicht unzählige Sommersprossen
bedeckten. Die beiden fanatischen Fußballfans bewohnten zusammen im Internat
die Bude »Kicker Champs«.

    Martin dribbelte geschickt an
einem gegnerischen Abwehrspieler vorbei und schoss den Ball zu Andreas, der
frei stand. Die Abwehrspieler der anderen Mannschaft versuchten sofort Andreas
zu blockieren. Doch in solchen Momenten packte ihn der Ehrgeiz immer ganz
besonders. Man konnte ihm das jedes Mal förmlich ansehen. Dann legte sich seine
Stirn in Falten, die Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, und seine
buschigen Brauen schoben sich zusammen, sodass er aussah wie ein kampfwütiger
Pittbullterrier. Genau diesen Blick hatte er jetzt drauf.
    »Andreas, spiel den Ball zu Tim
ab!«, schrie Erik Salk aufs Feld.
    Tim stand frei. Er wartete,
dass Andreas ihn anspielte, damit er den Ball ins Tor schießen konnte. Doch
Andreas dachte nicht daran! Eigensinnig versuchte er, um den Abwehrspieler
herumzudribbeln. Für einen kurzen Augenblick schien dies sogar zu gelingen,
doch dann nahm der Verteidiger ihm den Ball ab. Wütend stapfte Andreas mit
seinem Fuß auf. Da ertönte der schrille Abpfiff. Tim warf sich enttäuscht auf
den Rasen. Die gegnerische Mannschaft brach in Jubel aus. Tims Mannschaft ging
in gedrückter Stimmung vom Platz. Damit hatte niemand gerechnet.
    Erik Salk knallte seine Mütze
wütend auf den Boden und schüttelte verständnislos den Kopf. »Bist du
wahnsinnig, Andreas? Fußball ist ein Mannschaftssport! Es gefällt mir überhaupt
nicht, dass du dein eigenes Ding abziehen willst. Wir sind ein Team und keine
Einzelkämpfer. Du hättest den Ball zu Tim abspielen müssen!«
    Andreas warf Tim einen
abschätzigen Blick zu. Tim spürte schon seit Längerem, dass der zweite Stürmer
ihn nicht leiden konnte, weil er ihn als direkten Konkurrenten sah.
    »Aber ich habe die Chance auf
ein Tor gehabt. Ich war so kurz davor...«, stammelte Andreas.
    Salk unterbrach ihn. »Du musst
noch viel lernen, was Teamgeist angeht.«
    Andreas schluckte schwer.
    »Und jetzt ab unter die Dusche.
Wir treffen uns gleich im Speisesaal.«
    Die Jungs trollten sich.
Während Tim in der Umkleide war, warteten Gaby, Klößchen und Karl draußen auf
ihn. Als Tim aus der Tür kam, rannte Pfote ihm entgegen. Sie sah in ihrem roten
Oberteil und dem gestreiften Rock heute besonders hübsch aus. Stürmisch drückte
sie Tim an sich und strich ihm durch sein noch etwas nasses Haar.
    »Du wirst von Mal zu Mal
besser. Wir haben total mit dir mitgefiebert.«
    Tim lächelte etwas verlegen.
Karl und Klößchen trotteten heran. Klößchen schnaufte wie ein Walross. Sein
kariertes, etwas zu eng gewordenes Kurzarm-Hemd war voller Schokoeisflecken.
Sein Bauch dehnte den Baumwollstoff so

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