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Tentakelblut (German Edition)

Tentakelblut (German Edition)

Titel: Tentakelblut (German Edition)
Autoren: Dirk van den Boom
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1
     
    Slap erwachte und fühlte sich wohl.
    Es gab verschiedene Gefühlszustände nach einem langen Schlaf, der sich intensivem Sex angeschlossen hatte. Man wachte möglicherweise mit Muskelkater auf, was Rückschlüsse darauf zuließ, dass man Muskeln benutzt hatte, über deren Existenz man gar nicht informiert gewesen war. Wund gescheuerte Kniescheiben waren auch nicht selten. Dann war da eventuell dieses wohlige Gefühl, das einen noch für einige Momente in der Wärme verharren ließ, aber mit einem bereits so wachen Geist, dass an weiteren Schlaf nicht mehr zu denken war. Wenn man Glück hatte, war man aufgewacht, weil sich die Freundin gerade in Richtung Badezimmer begab, und der erste Anblick aus schläfrigen Augen fiel dann auf die sich langsam entfernenden Pobacken. Man konnte dann eine Hand ausstrecken oder besser noch, sich im Bett so weit rollen, bis man diese warme Stelle fand, auf der der Frauenkörper eben noch gelegen hatte.
    Für Slap war das Erwachen an diesem Morgen all dies und noch mehr. Denn als sein schläfriger Blick auf die sich entfernenden Pobacken fiel, hatte ihm noch ein kleines Gewimmel feucht glänzender Tentakel zugewunken.
    Das war einfach unbeschreiblich toll.
    Es dauerte natürlich keine Minute, bis die Fakten der Realität Einzug in Slaps Gedanken erhielten. Etwa die Tatsache, dass die Tage seines Aufenthaltes bei der Allianz gezählt waren und er bald in das heimische Sonnensystem zurückkehren musste. Zwar würde Alien-Mirinda ihn begleiten, ebenso zwei Botschafter der Allianz, aber die Tage danach würden kaum Gelegenheit bieten, die Aktivitäten der letzten Nacht fortzusetzen. Im schlimmsten Falle würde man sie voneinander trennen und er würde sie niemals wiedersehen.
    Slap richtete sich langsam auf. Der Stoff des Bettlakens und der Decke hatte offenbar sowohl die reichhaltig verteilten Körperflüssigkeiten wie auch die damit verbundenen Gerüche aufgesogen, jedenfalls fühlte sich der Stoff wie frisch gewaschen an. Er lauschte, wie Mirinda im Badezimmer eine Schalldusche nahm – Avatar oder nicht, Kunstwesen oder ›normal‹, sie achtete auf ihre Körperhygiene, und das war nichts, was Slap sonderlich missfiel –, und schaute sich in dem Quartier um, das er seit seiner Ankunft auf der Allianzstation bewohnte. Auf dem Tisch erwartete er die Reste ihres gestrigen Abendessens, doch hatte die Automatik während ihres Schlummers abgeräumt. Slap durfte sich noch auf ein gemeinsames Frühstück freuen, ehe der Ernst des Lebens wieder begann.
    Mirinda kam aus dem Badezimmer, den Körper in ein großes Tuch gehüllt. Sie sah Slap abschätzend an und schürzte die Lippen.
    »Ich erkenne bei dir die latente Bereitschaft, erneut sexuelle Aktivitäten zu initiieren«, erklärte sie auf ihre romantische Art und betrachtete seinen Penis mit einem sezierenden, wissenschaftlichen Interesse, das Slap aus unerfindlichen Gründen wahnsinnig aufgeilte. Sie konnte auch normal reden. Aber Slap gegenüber ließ sie gerne ihre artifizielle Herkunft raushängen, das gehörte ein wenig zu dem Spielchen, das sie manchmal miteinander spielten.
    »Ich muss dich leider enttäuschen. Wir haben einen Terminplan und du musst dich stärken. Ich bestelle ein Frühstück«, goss Mirinda die verbale kalte Dusche über ihn aus, die er im Stillen befürchtet hatte. Slap seufzte.
    Mirinda sah ihn forschend an.
    »Dein Bedauern scheint echt zu sein. Auch ich hätte mir eine andere Anordnung der heute vorgesehenen Ereignisse gewünscht. Es ist keinesfalls so, dass ich unsere körperliche Interaktion nicht genießen würde. Ich bin empfindsam.«
    »Und das an Stellen, die gibt es gar nicht«, ergänzte Slap grinsend und schwang seine Beine über die Bettkante.
    Mirinda schenkte ihm ein Lächeln, trat nach vorne, beugte sich etwas herunter und küsste Slap auf sehr altmodische Art auf die Stirn.
    »Deine Scherze verdecken emotionale Zustände, mit denen du dich irgendwann auseinandersetzen musst«, murmelte sie leise.
    Slap schaute sie verwirrt an, dann runzelte er die Stirn.
    »Und wie ist es mit dir?«, gab er ebenso leise zurück. »Gibt es bei dir auch solche emotionalen Zustände?«
    Mirinda sah ihn rätselhaft an. »Ich entwickle die entsprechenden psychischen Algorithmen noch. Obgleich ich auf der Basis bewährter KI-Modelle geschaffen wurde, bin ich nun im Modus freier Extrapolation und erhöhe die Komplexität schrittweise. Ich werde dir diese Frage zu gegebener Zeit beantworten.«
    Ob sie das

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