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Stirb für mich: Thriller

Stirb für mich: Thriller

Titel: Stirb für mich: Thriller
Autoren: Robert Wilson
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Waffen zum Schweigen, weil Pike gesagt hat, er will keinen Lärm und keine Sauerei.«
    »›Sie‹?«, fragte Dan. »Ich dachte, Pike hätte gesagt, wir würden den Taxifahrer treffen. Er gibt uns das Mädchen, ich stelle sie ruhig, und wir fahren wieder. Geben ihm fünf Riesen sofort und die anderen fünf später.«
    »Das hat er dir gesagt«, erwiderte Skin und streifte die Handschuhe mit einem Schnappen über. » Mir hat er erklärt, dass er noch nie Geschäfte mit dem Taxifahrer gemacht hat, deshalb sollen wir vorbereitet sein, falls der andere Ideen hat.«
    »Andere Ideen?«
    »Andere Freunde, die uns das Mädchen nicht geben oder mehr Geld herausschlagen wollen. Der Taxifahrer hat Beziehungen … wenn du verstehst.«
    »Scheiße«, sagte Dan, der die ganze Sache aus dem Ruder laufen sah.
    »Jetzt nimm. Und stell dich nicht an wie eine Scheiß- Schwuchtel.«
    Dan stopfte den Stauschlauch in die Hosentasche und steckte die Pistole in die Innentasche seiner Jacke. Sie streiften die Masken über, stiegen aus und gingen an der Garage entlang zur Hintertür.
    Drei Männer saßen um einen Tisch: zwei Horror-Plastikmasken, ein voller Aschenbecher, eine Thermoskanne und zwei Plastikbecher mit miesem Kaffee. Der Taxifahrer erlaubte nicht, dass bei einem Job getrunken wurde. Dann ging immer irgendwas schief, vor allem wenn ein hübsches Mädchen im Spiel war. Er hatte den Jüngeren der beiden beobachtet, wie der ihr unter den Rock gestiert hatte, und den Älteren, der ein paar Brocken Englisch sprach, erklären lassen, dass er nichts dergleichen zulassen würde. Jetzt betrachtete er die beiden schweigend. Sie waren illegale Einwanderer. Zähe, stämmige Burschen aus Amarschderwelt-istan. Sie hatten runde rasierte Schädel, vernarbt und eingedellt, vermutlich von irgendeinem irren Unfug, den sie in der Steppe getrieben hatten, oder – wahrscheinlicher – von einem Gefängnisaufenthalt. Der Jüngere der beiden sah unkaputtbar aus – ein Wort, das er für die Hohlköpfe erfunden hatte, die den Weg vor seine Tür fanden.
    »Lange Zeit?«, sagte der, der ein bisschen Englisch sprach. Die Vorderseite seines Sweatshirts war mit Mörtel verschmiert.
    Der Taxifahrer antwortete nicht. Er sah auf die Uhr und dann zu dem Fenster mit den zugezogenen Vorhängen. Verspätung, ja.
    Der Jüngere stieß seinen Kumpel an. Der Ältere beugte sich vor und rieb Daumen und Zeigefinger unter der Nase des Taxifahrers. Der Taxifahrer leckte mit pelziger Zunge über seine Lippen, ohne dass diese dunkler wurden, und hob den Zeigefinger. Die Geste verblüffte die beiden so, dass sie eine ganze Minute in ihrem Kauderwelsch diskutierten. Der Taxifahrer lehnte sich zurück, nunmehr sicher, dass das Wort »Scheiße« minus Vokale in den ansonsten extrem verschiedenen Sprachen dasselbe sein musste. Er drückte seine gespreizten Hände nach unten, als wollte er zwei Kesselpauken beruhigen.
    »Die werden jede Sekunde hier sein, und ihr kriegt, was ihr bekommt«, sagte er und präsentierte lächelnd seine schiefen grauen Zähne. »Mehr Schotter, als ihr seit den Hochzeiten eurer Schwestern gesehen habt.«
    Die Worte fielen auf ihre vernarbten und eingedellten Köpfe wie Scherben eines zertrümmerten Sparschweins. Sie suchten die Einzelteile nach etwas Wertvollem ab und fanden nichts. Sie sprachen lange miteinander. Der Taxifahrer blickte mit routinierter Fröhlichkeit von einem zum anderen. Im Laufe der letzten zwanzig Jahre hatte er es lieben gelernt, Ausländern zuzuhören, fasziniert davon, wie jedes Volk die Worte aus sich herausholte. Araber aus der Kehle, als könnten sie an den Worten ersticken. Inder blubberten vor sich hin, als würden sie Walisisch unter Wasser sprechen. Die Chinesen zischten, jaulten und knallten wie ein Feuerwerk in geschlossenen Räumen. Diese beiden klangen wie furzende Ziegen auf einem Feld.
    »Geld«, sagte der Ältere und streckte fordernd die Hand aus.
    Draußen hielt ein Transporter. Nach ein paar Minuten wurden Türen geöffnet und wieder zugeschlagen, dann hörte man Schritte an der Seite des Hauses. Der Taxifahrer stand auf und zog die Tür hinter sich zu, als er in die Küche ging, um hinten aufzuschließen, doch sie öffnete sich wieder so weit, dass die Rücken der beiden Illegalen zu sehen waren.
    »Alles okay?«, fragte Skin, das Gesicht hinter einer Maske mit Augen- und Mundschlitzen verborgen.
    »Ihr habt euch ja Zeit gelassen«, sagte der Taxifahrer und registrierte die Gummihandschuhe.
    »Gab’s Ärger?«,

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