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Xander, auf Liebe und Tod

Xander, auf Liebe und Tod

Titel: Xander, auf Liebe und Tod
Autoren: Keith R. A. DeCandido
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Heute Nacht, Teil 1
     
    Der Stress begann, als Cordelia sah, wie Xander gekleidet war.
    Er hatte das Bronze soeben betreten, als Cordy auch schon
auf ihn zustürmte. »Mein Gott, Xander, was ist denn das für ein Outfit?«
    »Das nennt man Kleidung.«
    »Nein, ich trage Kleidung - du trägst Lumpen.
Xander, hast du eigentlich die geringste Ahnung um die Bedeutung der Worte
›sich schick aufmachen‹.«
    Er schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen. »Klar. ›Sich
schick aufmachen‹ leitet sich von ›schicke Aufmachung‹ ab und definiert oberflächlich
›sich weit mehr als nötig um Kleidung sorgen, als simple zwischenmenschliche
Beziehungen es erfordern‹.«
    Cordelia wedelte mit den Armen vor ihm herum, als wollte sie ihn
davon abhalten, von einer Klippe zu springen. »Herrgott, Xander, Kleidung bestimmt,
was du für deine Umwelt darstellst. Deine Klamotten senden eine Botschaft, die
sagt: ›Ich bin cool‹ oder ›Ich bin eine Sportskanone‹ oder ›Ich bin ein
Computer-Freak‹ - oder in deinem Fall: ›Ich bin ein Verlierer ohne relevante
gesellschaftliche Bedeutung‹.«
    Von da an ging es bergab. Wenigstens bis zu dem Moment, an dem sie
sich knutschend in der Nähe der Toiletten wiederfanden.
    Später, nachdem er nach Hause gefahren war, ließ er sich mehr auf
sein Bett fallen, als dass er sich setzte. Er kümmerte sich nicht einmal darum,
Platz für sich zu schaffen, sondern brach förmlich über der schmutzigen Wäsche
zusammen, die auf den Laken ausgebreitet war.
    Er starrte zur Decke und ließ das Date Revue passieren. Alles in
allem war es wie immer verlaufen: eine Stunde Streit, eine Stunde Knutschen.
Nicht ganz das, was ich mir unter einer echten Verabredung vorgestellt habe,
dachte er. Und ganz bestimmt nicht so, wie die Verabredungen mit Buffy, die ich
mir in meiner Fantasie ausgemalt habe.
    Er drehte sich zum Nachttisch um und betrachtete das Foto neben
dem Radiowecker. Willows Mom hatte dieses Bild von Buffy, Willow und ihm in
ihrem zweiten Jahr aufgenommen. Buffys Haare waren damals länger gewesen - und
seine ebenso.
    Damals war alles einfacher gewesen, dachte er. Sie war die Jägerin
- wir waren ihr Team. Sie tötete Vampire und Dämonen, und wir halfen ihr dabei.
Angel war bloß der Rätseltyp, der dann und wann aufkreuzte, um irgendeine
kryptische Botschaft loszuwerden, und wieder verschwand. Cordelia war bloß ihr nervendes
Selbst; es gab keine Kendra, keinen Oz, keine Miss Calendar, keinen Spike und
keine Drusilla.
    Nur wir drei und Giles gegen das Böse. Die guten alten Zeiten…
    Xander sah das Foto abermals an.
    Ja, genau.
    In Wirklichkeit bestand der einzige Grund, warum er diese Tage als die guten alten Zeiten ansah, darin, dass er sich damals noch weismachen
konnte, womöglich bei Buffy landen zu können. Er erinnerte sich noch an das
erste Mal, als er sie gesehen hatte: die neue Schülerin, die zögernd die
Treppenstufen zum Schulhof heraufkam. Er war so beeindruckt von ihr gewesen,
dass er mit seinem Skateboard das Treppengeländer rammte.
    Später hatte er ihr ein Armband mit Anhänger geschenkt, auf dem
die Worte Für immer dein eingraviert waren. Er hatte sie zum Schulball
eingeladen und ihr im Kampf gegen den Meister und seine Gefolgschaft
beigestanden. Er hatte sogar einen seiner besten Freunde gepfählt, nachdem
dieser zum Vampir geworden war.
    Jesse. Sein Blick wanderte zum Schreibtisch, auf dem ein weiteres
Foto stand: Willow, Jesse, Andrea und er. Das Bild war während einer ihrer
Sportstunden im ersten Jahr entstanden, bevor Andrea fortgezogen war und Jesse
zum Blutsauger geworden war.
    Wer hätte das gedacht, Kumpel?, schoss es ihm angesichts des Fotos
durch den Kopf. Ich und Cordelia. Das hättest du mir in einer Million Jahre
nicht abgekauft. Er selbst kannte Cordelia, seit sie beide fünf Jahre gewesen
waren, und sie hatten sich vom ersten Augenblick an gehasst. Damals hatte Cordy
irgendetwas Gemeines zu Willow gesagt - er wusste nicht mal mehr, was - und er
hatte es ihr nach echter Fünfjährigen-Art heimgezahlt und ihr eine volle
Eistüte über den Kopf gekippt. Sie hatte gegreint, er bekam Ärger, und damit
war der Misston in ihre Beziehung eingekehrt.
    Vom Knutschen natürlich mal abgesehen. Allerdings hatte es zwölf
Jahre gedauert, bis es dazu gekommen war.
    Das Komische war bloß, dass während all der Zeit, in der er und
Willow voller Schadenfreude die »Wir-hassen-Cordelia« - Front bildeten - sie
hielten sogar halb reguläre Versammlungen ab -,

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