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Stirb für mich: Thriller

Stirb für mich: Thriller

Titel: Stirb für mich: Thriller
Autoren: Robert Wilson
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Sauerstoff ein, klammerte sich an die Fensterkante und versuchte auszusehen wie jemand, der nicht jeden Moment kotzen musste. Sie nannte ihre Adresse: Lavender Grove. In der Nähe von London Fields.
    Der Taxifahrer sah im Licht der Laternen gelbsüchtig aus.
    »In Ordnung, Schätzchen«, sagte er, und seine Zunge zuckte zwischen grauen Lippen hervor. »Rein mit Ihnen. Ein Irrenhaus hier, was? Kommen Sie auch mit?«
    Jim schüttelte den Kopf, warf die Tür zu und winkte.
    Der Fahrer blickte in den Rückspiegel und wendete dann mitten auf der Straße. Sie schreckte zusammen, als die Zentralverriegelung mit einem Klicken zuschnappte. Die Innenbeleuchtung wurde schwächer und erlosch dann ganz. Sie ließ sich ins Dunkel des Taxis sinken, darauf konzentriert, den Kopf oben zu halten.
    Jetzt bloß nicht ohnmächtig werden. Sag ihm den Weg, dann weiß er, dass du okay bist.
    »Geradeaus, dann links in die Tavistock Street, wieder links in die Drury Lane. Weiter geradeaus … ja, immer geradeaus.«
    »Alles in Ordnung, Schätzchen, wir wissen, wohin wir fahren.«
    Sie konnte die Lippen nicht befeuchten. Lichter, die über sie hinweghuschten, ließen sie zusammenzucken. Sie hörte ihren Atem in den Ohren rauschen. So betrunken war sie noch nie gewesen. Ihr Kopf sackte zur Seite, ihre Kehle schnürte sich zu. Auf der Heckablage hockte ein nickender Hund. Komm schon, blinzeln, Luft einsaugen. Sie wurde nach links geschleudert, klickte die Gegensprechanlage an und glaubte sich sagen zu hören: »Man hat mir was in den Drink getan.« Aber die Worte fielen formlos vor ihre Füße.
    »Keine Sorge, Schätzchen«, sagte der Taxifahrer. »Alles gut.«
    Alles gut? , fragte sie sich, während ihr Gesicht in den Sitz gedrückt wurde. Sie starrte auf den Teppich. Wenn es mir gut geht, wie fühlen sich dann Kranke? Dad? Was ist, Dad?
    »Nimm nach elf in London immer ein Taxi, ein schwarzes wohlgemerkt, keins von diesen Minitaxis mit fellverkleidetem Armaturenbrett und einem Paki-Bastard am Steuer.«
    Was weißt du schon? Du bist in Mumbai. Ich bin hier im Nebel. Im Dunkel …
    Dunkel wie ein Sarg. Das einzige Licht kam von innen, von dem migräneartigen Schmerz, der ihren Schädel spaltete. Sie blinzelte zweimal, um sich die Beweglichkeit ihrer Lider und die Abwesenheit jeder Lichtquelle zu bestätigen. Sie strich über den Sitz, dasselbe gerippte Polster des Taxis, in das sie gestiegen war, aber der Wagen bewegte sich nicht. Sie konnte die Zeiger ihrer Cartier-Uhr nicht erkennen. Keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war. Sie tastete nach der Tür. In ihrem Kopf schwappte Masse hin und her. Die Tür war verriegelt. Sie tastete nach Fensterritzen, kniete sich auf den Boden und griff nach dem Schiebefenster zur Fahrerkabine. Geschlossen. Unbeweglich. Ein erstes Flattern der Panik regte sich in ihrem Brustkorb. Die andere Tür. Verriegelt. Fenster geschlossen.
    Die Augen weit aufgerissen, lauschte sie auf das kleinste Geräusch. Sie legte die Hand vor den Mund, die Finger zitterten auf ihren Lippen, ihr Atem ging im hyperventilierenden Rhythmus der Phobie. Ein plötzlicher Adrenalinstoß lichtete das Chaos in ihrem Kopf. Sie war nicht mehr betrunken. Sie kniete auf dem Boden, und ihre Oberschenkel zitterten. Sie versuchte vergeblich, die nackte Angst zu unterdrücken, die sich in ihr aufbaute, sich blitzschnell vervielfachte, rasend unkontrollierbar wurde, aus ihrer Lunge platzte, in ihren Ohren kreischte und mit einem grellen Blitz explodierte, der nichts erhellte. Sie warf sich gegen das Fenster, auf die andere Seite, trat und schlug mit allen vieren um sich und schrie so laut, dass es beinahe ihre Stimmbänder zerfetzte.
    Vier Lichtstreifen zeichneten sich in der Dunkelheit ab, die Ritzen einer Tür neben dem Taxi. Der Wagen stand offenbar in einer an ein Haus angebauten Garage. Die Tür ging auf. Licht strömte in den dunklen Innenraum und ließ sie komplett erstarren. Zwei Silhouetten. Männer mit rasierten Köpfen. Einer ging auf die andere Seite des Taxis. Sie lehnte sich aufrecht auf dem Sitz zurück, ballte die Fäuste und brachte ihre High Heels in Stellung, zog die Knie an die Brust und presste die Ellbogen gegen das Rückpolster. Ihre Lippen spannten sich über ihren spitzen weißen Zähnen. Die Gesichter vor den Fenstern waren hinter lächelnden weißen Plastikmasken verborgen, die sie schon mal irgendwo gesehen hatte und die ihr Angst machten.
    Die Zentralverriegelung klickte. Hände packten sie von beiden Seiten. Sie trat erst

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