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Sein mit Leib und Seele - Band 01

Sein mit Leib und Seele - Band 01

Titel: Sein mit Leib und Seele - Band 01
Autoren: Olivia Dean
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1. Für uns beide …
    Während die Stationen an mir vorbeiziehen, beobachte ich das Kommen und Gehen der Fahrgäste. Die letzten Touristen sind bereits ausgestiegen und ich bin nun alleine inmitten der einheimischen Bevölkerung. Bereits vor einigen Stationen haben die Sweatshirt-Träger Männern und Frauen in schicken Anzügen und strengen Kostümen Platz gemacht. Das unkonventionelle Paris, von dem ich zu Beginn meines Studiums geträumt habe, rückt in weite Ferne. Immerhin habe ich das Glück, für mein Doktoratsstudium an der Uni angenommen worden zu sein. Und was noch viel wichtiger ist: Ich habe eine Unterkunft gefunden, egal ob diese nun in einem schicken Viertel liegt oder nicht. Monceau: Hier steige ich aus. Verdammt, ist das schick. Sehr, sehr schick. Überall zweihundert Jahre alte Gebäude mit riesigen Türen. Da sind auch der Park und die gleichnamige Straße … Hier muss es sein! Ich läute bei „Loge“ und die Portierin antwortet mir sogleich.
    „Hier ist Emma Maugham, ich habe eine Verabredung mit …“
    Sie lässt mich nicht aussprechen. Unter dumpfem Knarren öffnet sich die gigantische Tür und ich stehe der Portierin in einer Eingangshalle aus Marmor gegenüber. In ihrem akkuraten Kostüm gleicht sie einer englischen Gouvernante. Mal ehrlich, laufen in diesem Stadtteil eigentlich alle so herum? Ich werde von der feinen Dame bis zum Aufzug begleitet.
    „Sie müssen in den fünften Stock. Üblicherweise nehmen die Bewohner des Zimmers ausschließlich die Hintertreppe, die allerdings bis zum Ende der Bauarbeiten nicht benutzt werden kann. Mr. Delmonte ist daher einverstanden, in der Zwischenzeit den Aufzug mit Ihnen zu teilen.“ Sehr zuvorkommend, dieser Delmonte!“
    Ich habe meine Cousine bereits seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen und bin schon gespannt, wie sie sich verändert hat! Sie wartet vor dem Treppenaufgang auf mich und sieht ebenfalls so aus, als würde sie gerade auf eine triste Gartenparty gehen. Schnell schiebt sie mich ins Zimmer und serviert mir eine heiße Tasse Tee. Der Raum ist zwar klein, aber gut aufgeteilt und geschmackvoll dekoriert. Neben einem winzigen Bett und einem Schreibtisch vor dem Fenster gibt es auch eine Kochnische. Hinter einer Tür befinden sich eine kleine Toilette, eine Dusche und ein Waschbecken. Ich fühle mich wie in einem Puppenhaus, aber meine Cousine erklärt mir, dass dieses Zimmer bereits unglaublich luxuriös ist. Die sogenannten „Dienstmädchenzimmer“ sind bei Weitem nicht so gut ausgestattet. Normalerweise sind die Toiletten auf dem Gang, genauso wie die Dusche … Ich merke schnell, dass es mir hier gefallen wird. Außerdem brauche ich nicht viel. Ein Bett und ein Schreibtisch sollten für die klösterlichen Verhältnisse, die ich für das kommende Jahr geplant habe, völlig ausreichen. In einem Punkt hat sich Lexie jedenfalls nicht geändert, und das ist ihre Redseligkeit! In kürzester Zeit weiß ich alles über ihr Leben: Wie sie ohne einen Cent hierher gekommen ist und wie sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten hat, bis sie schließlich diesen Job als Hausangestellte bei Monsieur Delmonte gefunden hat. Als sie den Namen von „Monsieur Delmonte“ ausspricht, schwingt eine gewisse Ehrfurcht in ihrer Stimme mit, die ich von ihr gar nicht kenne. Natürlich erzählt Lexie mir auch von Jules, der bevorstehenden Hochzeit und dem Umzug in ein kleines Vorstadthäuschen … Ich gebe mir sehr große Mühe, nicht gleich die Fassung zu verlieren. Wie kann ein so pfiffiges Mädchen wie meine Cousine sich nur dazu entscheiden, ihren Job aufzugeben, um mit einem Mann zusammenzuziehen? Es ist ja nicht so, als ob ihre Arbeit besonders aufregend gewesen wäre, aber wir leben immerhin im Jahr 2012! Das übersteigt nicht nur meine Vorstellungskraft, sondern macht mich zutiefst rasend vor Wut. Da fallen mir die letzten Worte meines Vaters am Flughafen von Lansing wieder ein: „Und denke vor allem daran, dein loses Mundwerk zu zügeln, wenn du Lexie siehst! Was immer du denkst, sag nichts!“ Also setze ich, während Lexie mir in allen Einzelheiten ihre wunderbare Liebesgeschichte erzählt, ein albernes Lächeln auf. Immerhin verdanke ich dieser Geschichte mein Glück bei meiner überstürzten Anreise. Also, Lexies Liebesgeschichte und natürlich der Güte dieses famosen Monsieur Delmonte, der damit einverstanden war, dass ich das Zimmer meiner Cousine solange bewohne, bis ich mich in Paris zurechtgefunden habe. Monsieur Delmonte.

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