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Schauspieler küssen anders (German Edition)

Schauspieler küssen anders (German Edition)

Titel: Schauspieler küssen anders (German Edition)
Autoren: Sandra Regnier
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Prolog
    Es tat so furchtbar weh. Alles um mich herum verschwamm und wurde dann schwarz. Ich wusste, ich hatte verloren.
    Ich hatte das verloren, was ich am meisten ersehnt und geliebt hatte. Gab es danach überhaupt noch einen Grund, weiterzuleben?
    Ich fühlte wieder das Blut aus mir strömen, spürte die Schmerzen und dann das Geschrei, das zu einem Wimmern verblasste, bis es ganz verebbte.
    Die Stille war am schlimmsten.
    Robert Faulkner war der aufsteigende Stern am Himmel von Hollywood. Seit seiner Teenager-Komödie Boy Loves Girl war er zum Idol sämtlicher Mädchen zwischen elf und dreißig geworden. Sein Erscheinen löste frenetisches Kreischen aus, seine Filme wurden Kassenhits. Poster, Figuren, T-Shirts fanden reißenden Absatz. Die Paparazzi folgten ihm auf Schritt und Tritt. Zeitungen und Klatschmagazine spekulierten über seine weiblichen Begleiter und ob seine Filmpartnerin Rachel Living nicht doch mehr als nur eine Kollegin war.
    Ich hatte nur die Überschriften überflogen, nie die kompletten Berichte gelesen. Was ging mich Robert Faulkner an? Er war einerseits unerreichbar fern, andererseits viel zu jung, um irgendwie interessant zu sein. Ich hatte die Dreißig nämlich schon überschritten.
    Ich hätte mir nie träumen lassen, einmal beim Film zu landen. Diese Glitzerwelt war für mich so weit entfernt wie der Gipfel des Mount Everest.
    Doch David überredete mich. David Garth war Regisseur und Produzent und seit vielen Jahren mein Kunde. Beim ersten Auftrag für Bilderrahmen zu einem Film kam noch die Set-Dekorateurin die Rahmen auswählen. Beim dritten Film war er höchstpersönlich erschienen.
    Wir hatten uns auf Anhieb verstanden. Er war so nett und unkompliziert. Er wollte alles über mein kleines Antiquitäten-Geschäft, meine Rahmenwerkstatt und uns selber wissen. Er hatte sich als echter Freund erwiesen, als … nun, als alles daneben ging.
    Ich bräuchte Abwechslung hatte er gesagt. Seine bisherige Ausstatterin habe keine Zeit wegen eines anderen Angebots, erklärte er und verpflichtete mich, die Ausstattung seines neuesten Films, einer Teenager-Romanze, zu übernehmen.
    Eigentlich war das Ganze eine Nummer zu groß für mich. Nicht nur der Film an sich ließ mich schon zittern, sondern auch die Namen, die dahinter standen. Ziemlich bekannt. Nicht nur in Amerika. Die Hauptdarsteller waren gut aussehende, junge Menschen mit hervorragenden Aussichten in wenigen Jahren einen Oscar zu ergattern.
    Aber David konnte sehr überzeugend sein und so kam ich zum Film.
    Das veränderte mein ganzes Leben.
    Und David hatte Recht behalten. Die Vorbereitungen, die Planungen, Requisitenbeschaffung, das alles nahm viel Zeit in Anspruch, machte mir Spaß und lenkte mich ab. Nachdem David mich eingeführt und mir erklärt hatte, wie seine vorherigen Szenenbildner gearbeitet hatten, hatte ich freie Hand. Er stellte mich ungefähr zwanzig Leuten vor, die ab sofort für die Umsetzung meiner Ideen bereit stünden und die mich offen und freundlich empfingen. David besprach zwar seine Wünsche mit mir, aber die meiste Zeit arbeitete ich selbstständig. Die Konzentration tat mir gut. Die Arbeit machte mir Spaß. Und dann wurde es ernst.
    Die Dreharbeiten begannen …

Ein Stern taucht auf
    Robert Faulkner war im Anmarsch. Der Menschenauflauf war kaum zu übersehen. Ich hätte gelogen, wenn ich behauptet hätte, ich wäre nicht neugierig auf ihn gewesen. Aber ich wollte auch nicht übereifrig wirken und mich in die Reihen der kriecherischen Schleimer stellen, die ihn überall hofierten. Oder schlimmer noch, die der kreischenden Mädchen. Immerhin war auch er nur ein Mensch. Ein ganz normaler Mensch.
    Nein, das war so nicht richtig.
    Er war Künstler. Eine andere Art Mensch. Ich war durch meine jahrelange Arbeit mit genügend dieser Spezies in Kontakt gekommen, um zu wissen, dass sie hin und wieder etwas abgedreht sein konnten. Seltsame Hüte, zerfranste Jeans, Achselshirts, die mehr Haut zeigten, als sie verdeckten, lange Haare, gepflegte Bärte aus vergangenen Jahrhunderten. Viele Künstler taten einiges, um auf sich aufmerksam zu machen.
    Der Tumult kam näher. Ich konzentrierte mich lieber wieder auf das Requisit vor mir. Der Rahmen passte perfekt zu dem Gemälde. Ich war nicht wenig stolz darauf. Und gleichzeitig packte mich die Wehmut. Das Bild würde nach dem Dreh bis auf unbestimmte Zeit in irgendeinem Keller vermodern. Viel zu schade.
    „Das sieht wunderschön aus“, sagte neben mir eine Stimme.
    Ich drehte

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