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Schartz, S: Elfenzeit 20: Der Atem der Unsterblichkeit

Schartz, S: Elfenzeit 20: Der Atem der Unsterblichkeit

Titel: Schartz, S: Elfenzeit 20: Der Atem der Unsterblichkeit
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Prolog
Im Antwortzauber
    Draußen im Land lagerten die Heere und bereiteten sich auf den Ansturm der feindlichen Truppen vor. Der sterbende Baum ruhte; er hatte sich tief in sich selbst zurückgezogen, um auf die letzte Auseinandersetzung zu warten und Kräfte zu sammeln. Auch seine Bewohner verhielten sich ungewöhnlich ruhig, trotz des jungen Tages.
    Die Stille lastete am schwersten im leeren Raum zwischen den beiden Wesen, die wenige Schritt voreinander standen. Die Vögel saßen reglos im Geäst und wagten keinen Pieps. Selbst das Tageslicht schien am Fensterrahmen zu zögern, bevor es sich schwach schimmernd hereinwagte.
    »
Du
warst es?«, wiederholte Rian fassungslos. Sie konnte es einfach nicht glauben, musste es noch einmal hören. »Du hast den Bann über meine Jungfräulichkeit gelegt?«
    »Das sagte ich bereits«, antwortete der Getreue.
    »Aber … warum?«
    »Um dich zu schützen, Rhiannon.«
    Wenn das die Wahrheit war, hätte sie noch eine weitere Frage in ihren Antwortzauber legen müssen. Wieso gerade
er?
Aber sie wusste, dass sie darauf keine Auskunft erhalten würde.
    »Du hast eine seltsame Art, jemanden zu schützen«, stieß sie hervor. »Hast du vergessen, dass du mich in Paris beinahe krankenhausreif geschlagen hast?«
    »Du hast mich in die Weichteile getreten«, erwiderte er. »Das schätze ich nicht besonders. Und ich bin kein angenehmer oder umgänglicher Mann, selbst wenn ich jemanden schütze.«
    Sie rieb sich die Nasenwurzel mit dem Zeigefinger. »Hast … hast du mich deswegen von Tara fortgebracht?«
    »Ja. Deine Lebenskraft wurde dir dort genommen. Du musst nun hierbleiben, wo deine Wurzeln sind. Es ist wichtig, für uns alle.«
    »Und welche Wahrheiten gibt es noch?«, fragte die Prinzessin.
    »Du wirst es bald erfahren, Rhiannon. Nur ein wenig Geduld. Ich muss nun weiter.«
    Das konnte sie sehen. Der Getreue war ihr in seiner Geistergestalt erschienen, die nun leicht zu flackern begann. Rians Antwortzauber hatte den Verhüllten hergezwungen, aber seinem Körper den Zutritt nicht erlaubt. Er durfte lediglich antworten, sonst nichts.
    »Ja, und ich weiß auch, wohin«, sagte sie. »Aber freu dich nicht zu früh! Nadja und die anderen sind dir auf den Fersen. Sie werden dich finden, wo du auch bist, und deine finsteren Pläne vereiteln!«
    »Eben deswegen muss ich weiter. Endlich hatte ich euch alle versammelt und dort, wo ihr hingehört – und schon macht ihr euch wieder aus dem Staub. Euch zu hüten ist schlimmer als einen Sack Flöhe! Und ich weiß, wovon ich rede.« Er deutete auf den Eingang zum Raum nebenan. »Sorge gut für Talamh. Behalte ihn stets in deiner Nähe. Ich hole den Rest deiner törichten Familie zurück, und dann beenden wir das.«
    Ihr schauderte es. »Was hast du vor?«
    »Was getan werden muss. Gehorche, Rhiannon, und niemandem wird etwas geschehen.«
    Ein eiskalter Hauch umwehte Rian, dann war sie allein. Schwermütig ging sie zum Fenster und sah hinaus. Kein Vogel sang mehr draußen.

1 Wodka, Tee und Zucker
    Manche Leute sagen, man habe den nördlichsten Punkt der Welt erreicht, wenn der aus der Pfeife ausgestoßene Rauch gefriert. Wenn Land und Meer nur noch Eis sind, voneinander ununterscheidbar.
    Dort oder zumindest fast dort – kalt genug war es jedenfalls dafür –, stand eine Siedlung, die sich verfroren gegen die arktischen Winde stemmte, und zwischen die windschiefen Häuser drängte sich Schutz suchend eine Bar. Die Männer, die sich in ihr aufhielten, hatten große rote Hände und grobporige Gesichter, wilde Haare und Bärte. Ihre Augen zeigten stets einen misstrauisch lauernden Ausdruck, und ihren Lippen entrangen sich nur selten Worte.
    Die Luft in der Bar war dick wie ein Vorhang und stank wie eine Gerberei. Nach Rauch, Küchenfett, nassen Pelzmänteln, die in der Nähe des Kamins hingen, und klammen Wollpullovern. Die Männer standen an der Theke oder saßen an den wenigen kleinen Tischen. Alle trugen fast dieselben schweren, dick gefütterten Stiefel, gepolsterte Hosen, Hosenträger über dicken Baumwollhemden, darüber Pullover, und Wollmützen auf dem Kopf. Sie tranken heißen und kalten Alkohol in rauen Mengen, obwohl der in dieser Höhe fast mit Gold aufgewogen wurde, aßen fermentierten Fisch und vor Fett triefende, frittierte Kartoffelstreifen. Dazwischen rauchten sie undefinierbares Kraut, entweder in der Pfeife oder selbst gerollt.
    Ein Mann saß allein an einem Tisch. Er war eindeutig der Jüngste im Raum, von langer, schmaler

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