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PR 2640 – Splitter der Superintelligenz

PR 2640 – Splitter der Superintelligenz

Titel: PR 2640 – Splitter der Superintelligenz
Autoren: Christian Montillon
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Prolog
    Der Träumer
     
    Ich male Muster in den Rauch, der aus ihren Augen strömt.
    Die Muster vergehen, der Rauch zieht durch ein Fenster ab, das es nicht geben dürfte. Dahinter herrscht Dunkelheit, nur unterbrochen von einigen leuchtenden Punkten auf dem schwarzen Tuch, das das ganze Universum bedeckt.
    Etwas nachdenklich schaue ich den letzten Schwaden nach: Sie verpuffen vor einem blauen, roten und gelben Sternenwirbel, den ich zuvor noch nicht gesehen habe. Er ist wunderbar und herrlich, doch längst nicht so schön wie die Frau, aus deren Augen eben noch der Rauch quoll.
    »Wer bist du?«
    Ich erhalte keine Antwort. Natürlich nicht, denn was ich sehe, ist nur eine Puppe. Nichts als ein künstliches, weiblich geformtes Objekt.
    Das Schweigen währt allerdings nicht lange. Plötzlich spricht die Puppe. »Ich bin die Prinzessin Arden Drabbuh. Und ich bin viel mehr als das.«
    Nun quillt der Rauch aus ihrem Mund, als würde sie von etwas verzehrt werden, von einem inneren Feuer.
    Langsam drehe ich den Kopf, doch das unmögliche Fenster existiert nicht mehr. Wie sollte es auch – in der Außenhülle eines Raumschiffs? Selbst in einem Traum kann so etwas nicht geschehen. Nicht, wenn ich darüber nachdenke.
    Denn ich bin ein Logiker.
    Einsam, zerrissen und auf einer Odyssee in die Ewigkeit, verloren zwischen den Sternen unbekannter Galaxien. Ich suche etwas, um die Leere in mir zu füllen ...
    ... doch ich kann dich nicht finden, Samburi Yura!
    Wo ist sie, die perfekte Gesandte der Kosmokraten, die mich zurückgelassen hat? Ich kann sie nicht finden, über Lichtjahrmillionen nicht!
    Stattdessen sehe ich etwas in meinen Träumen, wunderschön und doch nur ein fader Abklatsch der Frau Samburi Yura – die Puppe der Prinzessin aus dem Mahnenden Schauspiel, das mir einst den Weg ins Reich der Harmonie wies.
    Sie ist ebenso unlogisch wie das unmögliche Fenster, aber sie verschwindet nicht. Sie beugt sich zu mir, und ich spüre sogar den Atem auf meinem Gesicht, den sie nicht verströmen kann, weil sie nicht lebt.
    Mein Gesicht! Wo ist meine Maske? Ich muss sie aufsetzen, muss ...
    »In deinen Träumen brauchst du sie nicht, Alaska Saedelaere«, wispert die Puppe mir zu. »Nicht, wenn du mir gegenüberstehst.«
    »Prinzessin?« Meine Frage klingt wie ein Hauch.
    Ihr Lachen klirrt hell – Glas, das unter der hohen Stimme einer Opernsängerin fast zerbricht. Und sie wispert mir noch etwas zu; etwas, das mir endgültig klarmacht, dass ich nicht nur träume.
    Ihre Lippen nähern sich mir, eben noch künstlich, doch nun lebendig und aus Fleisch, aus warmem Fleisch und Blut. Sie küsst mich.
    Ich erwidere den Kuss.

Erster Teil: In der RHYLINE
     
    Alaska Saedelaere
     
    Sie küsste ihn, und er schreckte hoch. Der Traum zerplatzte, aber als Erstes stellte Alaska Saedelaere fest, dass er gar nicht geschlafen hatte.
    Sein Atem strich über die Innenseite der Maske und über sein mit dem neuen Cappinfragment verschmolzenes Gesicht.
    Er sah sich um. Dies war die Zentrale der RHYLINE. Eroin Blitzer stand neben ihm, der Zwergandroide, der ihm fast zu einem Freund geworden war. Nur dass Alaska Saedelaere, der Einsame, der Eigenbrötler, so leicht keine Fremden als Freunde annahm.
    Wie war er in dieses Schiff gekommen, dessen Name er offensichtlich kannte – RHYLINE? Was war zuletzt geschehen?
    Er erinnerte sich nicht daran, weil er sich nicht konzentrieren konnte. Alles verschwamm hinter den Augen der Puppe, aus denen Rauch strömte und die er immer noch vor seinem geistigen Auge sah.
    Unwillkürlich hob der Maskenträger die Hand, die Fingerspitzen tasteten über die Lippen.
    »Alraska?« Wie jedes Mal nutzte Blitzer die ein wenig verfälschte Form des Vornamens, die er – aus welchen Gründen, hatte Saedelaere nie verstanden – für die richtige hielt. »Was ist mit dir?«
    »Hast du etwas an mir bemerkt während ...« Wie lange mochte er geträumt haben? »Während der letzten Minuten?«, setzte er neu an und ergänzte leise: »Habe ich geschlafen?«
    »Geschlafen?« Die Stimme des zwergenhaften Wesens blieb so ausdruckslos wie immer. Die riesigen, kindlich wirkenden Kulleraugen im leicht gelblichen Gesicht schauten scheinbar ins Leere, als wolle der Blick irgendwo im Kosmos verschwinden. »Soll das ein Scherz sein? Wir haben Besseres zu tun, findest du nicht?« Der ausgemergelte Körper des Zwergandroiden reckte sich.
    Besseres? Was meinte er damit? Saedelaere wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, als die

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