Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Planet des Lichts

Planet des Lichts

Titel: Planet des Lichts
Autoren: Lloyd Biggle jr
Ads
wohne, die so unkünstlerisch wie nur möglich ist.”
    „Da haben Sie recht.” Langsam kaute Gwyll das Brot, das ebenso würzig wie der Tee schmeckte, und leerte den Krug.
    „Danke für die Bewirtung. Ich glaube, ich gehe lieber zurück, bevor es dunkel wird.”
    „Warten Sie doch, bis die beiden Monde in etwa einer Stunde aufsteigen.”
    Gwyll zuckte mit den Schultern.
    „Ich habe es nicht eilig. Vor morgen früh komme ich ohnehin nicht nach Nor Harbor. Warum wollen Sie mir nicht sagen, wer der Maler ist?”
    „Weil ich nicht kann”, sagte Brance langsam. „Weil ich es nicht wage. Aber wenn Sie dann wirklich Ihren Job verlieren … ” Er zögerte. „Sie sehen anständig aus. Können Sie mir schwören, daß Sie niemandem außer L. H. etwas davon sagen? Und können Sie L. H. dazu bringen, daß er das auch schwört?”
    „Ja … ”
    „Dann kommen Sie.” Er führte Gwyll aus der Hütte und zu einem Schuppen, der ein paar Schritte hinter dem Wohnhaus lag. Gwyll blinzelte, als Brance eine Kerze anzündete. Er holte eine einfache Palette und einen dicken Rahmen, über den ein Stück Leinwand gespannt war, aus dem Schuppen. „Halten Sie die Kerze”, sagte er. „Sie wollten es ja wissen, also folgen Sie mir.”
    Gwyll stolperte hinter ihm her durch das immer dichter werdende Dunkel. Vor einer Steinmauer blieben sie stehen. Die Mauer umgab einen quadratischen Hof von etwa vier Schritten Seitenlänge. Gwyll konnte im trüben Kerzenlicht nichts als Schlamm in dem Hof entdecken. Brance legte die Palette auf einen großen Stein und stellte die Staffelei davor auf. Dann trat er zurück.
    „Halten Sie die Kerze nicht so nahe!” zischte er. „Geben Sie sie mir!”
    Der Schlamm bewegte sich. Langsam bildete sich ein zitternder Klumpen aus der Masse, nahm ovale Gestalt an und schob sich an die Palette heran. Ekel erfaßte Gwyll. Sein Magen zog sich zusammen, als er den beißenden Geruch wahrnahm und er den schleimigen Körper der Kreatur sah.
    Das Wesen richtete sich vor der Staffelei auf, ein schwammiges Gebilde, durch das die Palette verschwommen sichtbar war. Und dann begann es zu malen. Eine Vielzahl kleiner langer Finger griff hierhin und dorthin, und dann erschien ein Farbklecks auf der Leinwand, dann noch einer. Die Minuten verstrichen. Als Brance die Kerze ausblies, war ein Quadratzoll der Leinwand mit Farben bedeckt.
    „Wollen Sie behaupten”, stammelte Gwyll, daß – daß dieses Ding malt?”
    „Im Dunkeln, ja. Es hat das Bild gemalt, das ich Milfro geschickt habe.” Er ergriff Gwyll sanft am Arm und führte ihn aus dem Hof. „Es kann nicht so sehen wie wir. Es empfängt Lichtstrahlen, die wir nicht wahrnehmen können. Und es malt irgendwelche Dinge, die es in dem Universum, das wir kennen, nicht gibt.”
    „Aber was ist es?” flüsterte Gwyll.
    „Die Wissenschaft hat einen unaussprechlichen Namen für dieses Wesen. Die Eingeborenen hier bezeichnen es als Sumpfschlacke. Es existiert nur auf dieser Insel, deshalb ist es verhältnismäßig unbekannt. Ich habe Photographien von dem Ding den Zoologieprofessoren in der Nor-Universität gezeigt, und keiner von ihnen hatte es jemals gesehen. Sie wollten es kaufen, um es studieren zu können. Sie boten mir eine ziemlich hohe Summe an, aber sie wußten natürlich nichts von den Malfähigkeiten der Kreatur, und sie waren beleidigt, als ich ablehnte. Sie schlugen es aus, als ich ihnen anbot, sich das Wesen anzusehen. Vielleicht ist es gut, daß sie dem nicht zustimmten. Die Eingeborenen können einige Geschichten über die Kreatur erzählen. Aber heutzutage taucht sie kaum mehr im Sumpf auf, seit das Gebiet teilweise trockengelegt und bebaut worden ist. Das Wesen hier ist das einzige, das ich jemals gesehen habe.”
    „Haben Sie noch andere Bilder?”
    „Sieben plus dem einen, das ich Milfro geschickt habe. Ich habe das Gefühl, daß sie alle zu einer Komposition gehören.”
    „Arbeitet es die ganze Nacht?”
    „Wenn es dunkel ist. Heute wird es aufhören, wenn die beiden Monde aufsteigen. Es arbeitet sehr langsam. Es dauerte acht Jahre, bis ich die acht Bilder beisammen hatte. Jedenfalls kann L. H. Sie nicht feuern, wenn Sie ihm diesen Maler nicht als Vertragspartner bringen. Und denken Sie ja an Ihren Schwur!”
    Mit einer Kerze, die ihm Brance geliehen hatte, stolperte Gwyll durch den Schlamm nach Zrilund Town zurück. Als er in der Stadt ankam, holte er sofort Harnasharn per Visiphon aus dem Bett.
    „Haben Sie ihn?” fragte er aufgeregt.
    Gwyll

Weitere Kostenlose Bücher

Morphium
Morphium von Agatha Christie
165 - Am heiligen Berg
165 - Am heiligen Berg von Stephanie Seidel
Evil - Das Böse
Evil - Das Böse von Jan Guillou