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Planet des Lichts

Planet des Lichts

Titel: Planet des Lichts
Autoren: Lloyd Biggle jr
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1.
     
    Auf der Welt, die Sornor am nächsten lag, herrschte Aufstand, und auf Mestil hatte der berühmte Galaktische Zoologische Garten geschlossen werden müssen, um die Tiere vor der wütenden Bevölkerung zu schützen. Gerald fand diese Neuigkeiten irritierend – nicht weil es ihn kümmerte, was auf Sornor oder Mestil geschah, sondern weil er sich die gleichen weitschweifigen Berichte heute bereits auf drei verschiedenen Raketenflügen von Mitreisenden hatte anhören müssen.
    Aber die Antipathie der Menschheit gegenüber der Tierwelt und allem, was damit zusammenhing, schien in weite Ferne gerückt, als Gwyll aus der Unterwasserfähre stieg und in das gleißende Sonnenlicht trat, das über der Insel Zrilund lag.
    Eine lange Zickzack-Treppe führte zum Gipfel des Berges, und als Gwyll diesen erreicht hatte, blickte er sich um. Die letzten Touristen waren jetzt ebenfalls an der Treppe angekommen, und die weiße Landungsbrücke zeigte wie ein glänzender Finger zum leeren Horizont. Daneben ruhte die Fähre reglos im kristallblauen Wasser. Der Himmel war von strahlendem, tiefem Azur, die geschwungenen Kalkberge von blendendem Weiß, das unter den Strahlen der Spätnachmittagssonne schimmerte.
    Dieses Licht ließ ihn wie gebannt stehenbleiben, während die schwitzenden Touristen sich an ihm vorbeidrängten. Die Szene schrie geradezu: „Male mich!”, und neun Künstler taten das gerade. Ihre Staffeleien standen in einer Reihe auf dem Abhang jenseits des breiten, zu der Treppe führenden Kieswegs.
    Eine Hand berührte Gwylls Arm. Er blickte in das sommersprossige Gesicht eines kleinen Jungen, der mit flehender Stimme fragte: „Darf ich Sie zu den Malern führen, Sir?”
    „Ich habe schon genug Maler gesehen”, erwiderte Gwyll mürrisch. „Und ich sehe sie von hier aus auch.”
    „Aber es gibt noch viele andere”, fuhr der Junge beharrlich fort. „Auf vielen berühmten Plätzen. Beim Brunnen, bei der Pilzkirche, bei den Philpp-Bäumen … ”
    „Weißt du, wo die Bottom Farm ist?”
    Der Junge schnitt ein Gesicht.
    „Drüben am Sumpf.”
    „Wie komme ich dahin?”
    Der Junge zeigte mit dem Daumen zu dem niederen Pavillon, um den sich die Touristen versammelten.
    „Dort können Sie sich einen Wrranel-Wagen mieten. Aber beeilen Sie sich! Kein Fahrer wird Sie zur Hauptfarm bringen wollen, wenn er ganze Ladungen von Touristen in der Stadt herumführen kann.”
    Gwyll betrachtete die Wagen skeptisch. Einer nach dem anderen fuhr davon, randvoll mit Touristen. Die Wrranels waren plumpe, gehörnte Tiere, die nach drei Schritten wieder zwei rückwärts zu gehen schienen. Die ratternden Wagen schwankten hin und her, als sie über den harten Steinboden fuhren. Gwyll schauderte.
    „Wie weit ist es bis zur Bottom Farm?”
    „Sechs oder sieben Meilen.”
    „Ich möchte heute noch hinkommen, und zwar mit gesundem Magen, also werde ich keinen Wagen mieten. Willst du mich führen?”
    „Werden Sie lange brauchen? Es wird dunkel werden, bevor wir zurückkehren.”
    „Du brauchst nicht auf mich zu warten. Du sollst mir nur den Weg zeigen. Kennst du einen Mann namens Arnen Brance?”
    Der Junge schüttelte den Kopf.
    „Seine Adresse lautet Bottom Farm, und ich muß ihn heute noch sprechen.” Er holte eine Münze aus der Tasche und warf sie in die Luft. Der Junge fing sie geschickt auf. „Das ist die Anzahlung”, sagte Gwyll. „Du bekommst noch fünf, wenn du mich zur Bottom Farm führst.”
    „Ich muß aber noch Ma fragen.”
    „Tu das.”
     
    Sie machten einen weiten Bogen um die wartenden Wrranel-Wagen und die aufdringlichen Fahrer und kamen in eine enge Straße, die zwischen alten Steinbauten hindurchführte. Gwyll erkannte die Straße sofort. Er hatte sie auf unzähligen Gemälden gesehen. Einige Gemälde waren auch in Läden ausgestellt, zusammen mit anderem Krimskrams für die Touristen. Von einem besonders grausigen Gemälde des Zrilundberges wandte sich Gwyll erschauernd ab.
    „Sie haben wohl was gegen Kunst”, meinte der Junge grinsend.
    Tatsache war, daß Gwyll Kunst liebte – gute Kunst. Und weil er wußte, daß es keine großen Maler geben konnte, wenn nicht viele kleine nach Vollendung strebten, hatte er eine milde Toleranz für das Mittelmaß entwickelt. Aber es gab Maler, die er haßte.
    Die Straße machte eine scharfe Biegung und teilte sich in zwei Äste, die sich um ein Wiesenoval wanden. Reihen von Wrranel-Wagen standen dort, und überall wimmelte es von Touristen und Künstlern. Zum

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