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Noch einmal leben

Noch einmal leben

Titel: Noch einmal leben
Autoren: Robert Silverberg
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Vorwort
     
    Damals, im Frühjahr 1966, in der Frühzeit der psychedelischen Bewegung, predigten Timothy Leary und Richard Alpert (er war noch nicht „Baba Ram Dass“ geworden) zum ersten Mal das Hohelied des LSD. Und wie ein reißender Strom begannen die fernöstlichen Religionen sich in die Köpfe der rebellischen Jugend zu ergießen. Ich steckte zu jener Zeit noch immer in den nicht mehr vertrauenswürdigen Dreißigern und trug mein Haar immer noch ordentlich und kurz geschnitten. Aber einige Doktrinen, die auf den öffentlichen Plätzen und sonstigen Versammlungsstätten der Jugend feilgeboten wurden, riefen doch ein stärkeres Interesse in mir hervor. Und absolut unabhängig von den Herren Leary und Alpert hatte ich eines der Schlüsselwerke jener Ära entdeckt: die Evans-Wentz Übersetzung des Tibetanischen Totenbuchs. Im Zusammenhang mit meinen Forschungen zur chinesischen Geschichte war ich darauf gestoßen. (Im Sommer 1964 hatte ich ein Buch über die Chinesische Mauer geschrieben.) So gab eins das andere, und am 15. April 1966 fragte ich Lawrence Ashmead, den Herausgeber der Science Fiction-Reihe bei Doubleday, ob er einen Roman kaufen wollte, den ich ihm mit folgender Kurzbeschreibung vorstellte:
     
    „Die Handlung spielt vor dem Hintergrund einer weltweiten Kultur, in der die Wiedergeburt möglich geworden ist; und zwar nicht in einer religiös-seelischen Weise, sondern durch die Verpflanzung aufgezeichneter Persönlichkeitsdaten. Die werden nach dem Tod einer Person anderen Individuen mit technischen Hilfsmitteln eingepflanzt. Damit könnte jemand zum Beispiel die gespeicherte geistige Essenz von Maxwell Perkins mit sich herumschleppen, oder ich könnte H.G. Wells in mir tragen – vorausgesetzt, wir erhielten den Zuspruch auf unsere Anträge. Dadurch bekäme natürlich der Bursche, der das Bewußtsein von Robert Silverberg haben wollte, Silverberg plus Wells, was allerdings zu einigen komplexen Situationen fuhren könnte – besonders dann, wenn dieses Verfahren in der sechsten oder siebten Generation betrieben wird. Meine Aufzeichnungen für diese Geschichte ufern in alle möglichen Richtungen aus. Und ich glaube, aus diesem Projekt könnte etwas ganz Brauchbares werden.“
     
    Ashmead gefiel die Sache, und er bot mir einen Vertrag an. Etwas später in jenem Jahr stellte ich das Expose zusammen. Damals konnte ich schon erkennen, daß mir eine recht knifflige Sache bevorstand. Im Oktober erzählte ich Ashmead, daß ich dem Roman den Arbeitstitel To Live Again gegeben hätte, „obwohl ich noch immer mit der Idee liebäugele, ihn To Die Again zu nennen. Sie sehen also, daß das Projekt immer noch irgendwo im Versuchsstadium hängt, aber ich bin eigentlich recht optimistisch. Sie werden das Manuskript in fünf Monaten bekommen“. Ich kam mit der Arbeit jedoch schneller voran und konnte ihm schon am 21. Januar 1967 schreiben: „Nichts bleibt mehr an To Live Again zu tun, außer die entscheidenden und reihenweise vorhandenen logischen Fehler auszumerzen und die letzten ‚i-Tüpfelchen’ zu setzen. Aber das dürfte nur noch eine Frage von wenigen Tagen sein. In diesem Stadium bin ich mir aber nicht im klaren, ob ich einen Klassiker oder eine Katastrophe geschrieben habe, doch weiß ich ganz zweifelsfrei, daß es eine von beiden sein muß.“ Ein paar Tage später war das Buch wirklich fertig; der längste Roman, den ich bis dahin geschrieben hatte: an die dreihundert Manuskriptseiten und weit über fünfhunderttausend Anschläge. Insgesamt war es eine komplexe und sorgfältig durchdachte Geschichte mit einem halben Dutzend Hauptfiguren und unzähligen Nebenrollen, von denen einige das Ende des Romans nicht mehr miterleben durften.
    Aber offensichtlich war es nicht ganz so sorgfältig durchdacht, wie ich mir das vorgestellt hatte. Denn ein bis zwei Wochen später antwortete mir Ashmead voller Bedauern, daß in dem Buch einige schwere, ja sogar fatale Fehler steckten. Er beklagte unter anderem, daß eine der wichtigsten Nebenhandlungen überhaupt nicht mit dem Rest der Geschichte in Verbindung zu bringen und auch sonst allzuviel aufzufallen und unhaltbaren Kunstgriffen aufgebaut sei. Schließlich fehle es der ganzen Sache „deutlich an Action und Spannung“. Ohne größere Überarbeitung ginge es nicht, beharrte er. Daß er ein Werk mit solch ambitioniertem Rahmen ablehnen mußte, schien ihm ohne Zweifel genauso nahe zu gehen wie mir. Aber ohne Änderungen wollte er es auf keinen Fall

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