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Malloreon 5 - Seherin von Kell

Malloreon 5 - Seherin von Kell

Titel: Malloreon 5 - Seherin von Kell
Autoren: David Eddings
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Prolog
    Auszug aus Das Buch der Zeitalter, Erster Band der Malloreanischen Evangeliarien.
    D ies nun sind die Zeitalter der Menschen:
    Im Ersten Zeitalter wurde der Mensch erschaffen, und er erwachte verwundert und voll Staunen über die Welt um ihn. Und jene, die ihn gemacht hatten, begutachteten ihn und wählten aus seiner Art jene, die ihr Gefallen fanden, und verstießen und vertrieben die übrigen. Und einige begaben sich auf die Suche nach dem als UL bekannten Geist, und sie verließen uns und zogen in den Westen, und wir sahen sie nie wieder. Und einige leugneten die Götter, und sie wanderten in den fernen Norden und rangen mit Dämonen. Und einige wandten sich weltlichen Dingen zu und entschieden sich für den Osten und erbauten dort mächtige Städte.
    Wir aber verzweifelten und setzten uns auf die Erde in den Schatten der Berge von Korim, und verbittert beweinten wir unser Schicksal, daß wir erschaffen und dann verstoßen worden waren. Und es ergab sich, daß in unserem tiefen Leid eine Frau unseres Volkes von einer großen Verzückung erfaßt wurde, und es war, als würde sie von einer gewaltigen Hand geschüttelt. Und sie erhob sich von der Erde, wo sie gesessen hatte, und sie band sich ein Tuch um die Augen, um damit zu verkünden, daß sie erschaut hatte, was noch kein Sterblicher vor ihr erschaut hatte, denn wisset, sie war die erste Seherin auf der Welt. Und noch von der Vision bewegt, wandte sie sich an uns und sagte: »Höret! Ein Festmahl wurde für Jene aufgetischt, die uns erschufen, und dieses Festmahl soll Festmahl des Lebens genannt werden. Und Jene, die uns erschufen, haben erwählt, was Ihr Gefallen fand, und was Ihr Gefallen nicht fand, wurde nicht erwählt.
    Wir sind das Festmahl des Lebens, und ihr grämt euch, daß kein Festgast euch erwählt hat. Verzaget nicht, denn wisset, daß ein Gast noch nicht eingetroffen ist. Die anderen Gäste haben gespeist, doch dieses große Festmahl des Lebens wartet noch auf den Geliebten Gast, der spät kommt, und ich sage euch allen, daß Er es ist, der uns erwählen wird. So wartet auf Ihn, denn wahrlich wird Er kommen. Vergesset euren Kummer und wendet das Gesicht dem Himmel zu und der Erde, damit ihr die Zeichen lesen möget, die da geschrieben stehen, denn dies verkünde ich euch allen: sein Kommen liegt bei euch. Denn wisset, Er erwählt euch nur, wenn ihr Ihn erwählet. Und dafür wurden wir erschaffen. Erhebet euch deshalb und kauert nicht länger vergebens und töricht klagend auf der Erde herum. Widmet euch der vor euch liegenden Aufgabe und bereitet den Weg für Ihn, der wahrlich kommen wird.«
    Wir staunten sehr über diese Kunde und bedachten sie weislich. Wir befragten die Seherin, doch ihre Antworten waren rätselhaft und geheimnisvoll. So wendeten wir das Gesicht dem Himmel zu und liehen unser Ohr dem Wispern, das aus der Erde kam, auf daß wir sehen und hören und lernen würden. Und als wir denn lernten, das Buch des Himmels zu lesen und dem Wispern in den Steinen zu lauschen, wurden uns unzählige Warnungen zuteil, daß zwei Geister zu uns kommen würden und daß einer gut und der andere böse war. Lange forschten wir, doch unsere Sorge schwand nicht, denn wir vermochten nicht zu erkennen, welcher Geist der wahre ist und welcher der falsche. Denn wahrlich, das Böse ist im Buch des Himmels als Gutes verkleidet und in der Sprache der Erde ebenso, und keinem Sterblichen ist die Weisheit gegeben, zwischen ihnen zu entscheiden.
    Dies erwägend, nahmen wir Abschied von den Schatten der Berge Korims und wanderten in die Lande jenseits davon, wo wir ein Zuhause fanden. Und wir wandten uns von den Belangen der Sterblichen ab und widmeten uns ganz der Aufgabe, die vor uns lag. Unsere Hexen und Seherinnen bemühten sich um die Hilfe der Geisterwelt, unsere Nekromanten suchten Rat bei den Toten, und unsere Deuter lasen in der Erde. Doch, weh uns, niemand wußte mehr als wir.
    So kamen wir denn auf einer fruchtbaren Ebene zusammen, um einander alles, was wir erforscht hatten, kundzutun und es zusammenzufügen. Und dies ist, was wir von den Sternen, von den Steinen, aus den Herzen der Menschen und dem Denken der Geister erfahren haben: Wisset, daß vom Anbeginn der Zeit Spaltung alles entstellt hat, was da ist – denn schon im Herzen der Schöpfung entstand Spaltung. Und einige haben gesagt, das sei natürlich und wird bis zum Ende aller Tage so sein, doch dem ist nicht so. Wäre der Spaltung Ewigkeit bestimmt, so müßte der Zweck der Schöpfung

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