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Der Preis der Liebe

Titel: Der Preis der Liebe
Autoren: Deborah Martin
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1. KAPITEL
    London August 1807
    „Ich werde zwei Wochen fort sein, vielleicht auch länger.“
    Vom Kopfende des langen Tisches aus verfolgte Marsden Griffith Knighton, wie sich unter seinen Angestellten Unruhe ausbreitete. Damit hatte er gerechnet. Als Griffith die Knighton Handelsgesellschaft das letzte Mal so lange sich selbst überlassen hatte, hatte er eine Zweigstelle in Kalkutta eröffnet, wodurch sich die Firmengewinne verdreifacht hatten - und zwei seiner Konkurrenten in den Ruin gestürzt worden waren.
    Selbst Daniel Brennan, sein im Allgemeinen durch nichts zu erschütternder Vermögensberater, richtete sich auf seinem Stuhl auf. Daniel nahm mittlerweile kaum noch an solchen Besprechungen teil, da er sich ausschließlich um Griffith’ umfangreiche private Angelegenheiten kümmerte, aber an diesem Tag hatte Griffith einen zwingenden Grund, auf seiner Anwesenheit zu bestehen.
    „Werden Sie wie üblich Mr. Brennan die Leitung übertragen, Sir?“ erkundigte sich ein junger Händler.
    „Nein. Er wird mich begleiten.“ Als Daniel ihn fassungslos anstarrte, konnte er nur mit Mühe ein Schmunzeln unterdrücken. Daniel gehörte der Firma schon seit jenen Tagen an, als sie erste Gewinne mit geschmuggelten Waren erzielt hatten, daher war es schwer, ihn aus der Fassung zu bringen. „Mr. Harrison wird mich vertreten.“
    Der ältere Händler strahlte über diesen Vertrauensbeweis. „Wohin soll es denn dieses Mal gehen, Mr. Knighton? Nach Frankreich? Oder Indien?“ Seine Augen funkelten erwartungsvoll. „Vielleicht sogar nach China?“
    Griffith lachte leise. „Nach Warwickshire. Das ist keine Geschäftsreise. Ich habe Familie dort.“
    „Familie?“ stammelte Harrison.
    Griffith konnte die Gedanken seines Gegenübers förmlich lesen. Aber er ist ein Bastard! Außer seiner bedauernswerten Mutter kann er doch gar keine Familie haben, die mit ihm etwas zu tun haben will!
    „Jawohl, Familie“, wiederholte Griffith befriedigt. „Es handelt sich um eine wichtige Privatangelegenheit.“ Er hielt kurz inne und sprach dann mit dieser energischen Stimme weiter, die keinen weiteren Einwand mehr zuließ. „Nur noch eins - verlieren Sie kein Wort über diese Sache, nicht einmal meiner Mutter gegenüber. Für Sie bin ich in Frankreich oder China, haben Sie mich verstanden?“ Gemurmelte Zustimmung erfolgte. „Gut. Sie können jetzt gehen. Daniel, auf ein Wort, ja?“
    Die Angestellten verließen sofort den Raum, da sie wussten, dass er keine Zeit mit überflüssigem Geplauder vergeudete. Außerdem, so vermutete Griffith spöttisch, können sie es wohl kaum erwarten, sich in Spekulationen über die verblüffende Neuigkeit zu ergehen, dass ich „Familie“ habe. Vor einigen Jahren hätte er sich noch darüber geärgert, aber er trug das Stigma, ein Bastard zu sein, nun schon so lange, dass es ihm nicht mehr wehtat. Schmerzhaft war die Situation einzig für seinen Geldbeutel, und das gedachte er nun zu ändern.
    Sobald sich der Raum geleert hatte, zog Daniel eine blonde Augenbraue hoch und ließ sich in den teuren Sessel vor Griffith’ Schreibtisch fallen. „Eine Privatangelegenheit?“
    „Dieses Mal ist es wirklich etwas Privates, ob du es glaubst oder nicht.“ Vorbei waren die Zeiten, als sie sich aller möglichen Methoden - legal oder illegal - bedient hatten, um die Knighton Handelsgesellschaft zum Erfolg zu führen. Anständigkeit lautete die Losung für die Zukunft der Firma, und ironischerweise hatte eine gewisse Anständigkeit auch in Griffith’ Vergangenheit geherrscht. Griffith ließ sich in seinem eigenen Sessel hinter dem Schreibtisch nieder. „Ich bin eingeladen worden, meinen entfernten Cousin, den Earl of Swanlea, zu besuchen. Er liegt im Sterben, und ich soll seinen Besitz, Swan Park, erben.“ Daniel schaute ihn verwirrt an. „Aber wie kannst du erben, wo du doch ...“
    „Obwohl ich ein Bastard bin? Nun, ich bin keiner. Jedenfalls nicht dem Gesetz nach.“
    Daniel konnte seine Enttäuschung nicht verbergen. Unehelicher Abstammung zu sein war das Einzige, was sie beide miteinander gemeinsam hatten, da sie sonst vom Aussehen, von der Art und von der Erziehung her völlig unterschiedlich waren. Der blonde, kräftige Daniel war erst im Armenhaus und danach in einer Schmugglerbande groß geworden. Den dunkelhaarigen, schlanken Griffith hingegen hatte man zu einem Gentleman erzogen.
    Griffith zwang sich zu einem Lächeln. „Obwohl meine legitime Abstammung noch nicht rechtskräftig festgestellt

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