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London Killing - Harris, O: London Killing - Belsey Bottoms Out

London Killing - Harris, O: London Killing - Belsey Bottoms Out

Titel: London Killing - Harris, O: London Killing - Belsey Bottoms Out
Autoren: Oliver Harris
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Dann wäre er wieder allmächtig. Vielleicht aber gehörten Devereux und sein Charme für immer der Vergangenheit an.
    »Weiß ich nicht«, sagte Belsey. Er dachte an den Abschiedsbrief, an den Pass in Jessicas Garderobenschrank in dem Fit nessstudio. »Sicher, warum nicht?« Er zog die Rolex aus seiner Jackentasche. »Wollen Sie die mitnehmen? Da sind immer noch die Fotos drauf.« Ridpath schaute die Uhr einen Augenblick an und nahm sie dann.
    »Warten Sie noch einen Moment.« Ridpath ging nach oben. Belsey sah in der Küche das immer noch schmutzige Geschirr und auf den Regalen die Auszeichnungen, die Ridpath bekommen hatte: … für die gewissenhafte und kluge Erfüllung seiner Pflichten …
    Der Inspector kam mit einem dicken A4-Kuvert wieder die Treppe herunter.
    »Was haben Sie da?«, fragte Belsey.
    »Das da drin erklärt alles.«
    Belsey nahm den Umschlag. Er lag schwer in seiner Hand.
    »Was gibt’s da zu erklären?«
    »Für den Fall, dass Sie Ärger bekommen.«
    Sie verließen zusammen das Haus. Belsey sah ihn zum letzten Mal seine Haustür abschließen. Er rechnete damit, dass Ridpath sich noch einmal umdrehen und voller Selbstmitleid einen letzten Blick auf sein Haus werfen würde. Aber er stieg einfach in seinen Wagen, ließ den Motor an und fuhr ohne ein Wort des Abschieds davon. Richtung Willesden Lane. Ins Exil.

65
    Belsey ging nicht sofort. Er blieb noch ein bisschen. Er setzte sich auf das Gartenmäuerchen gegenüber und schaute einfach das Haus an. Es kam ihm jetzt sehr klein vor, geduckt, als ob der ganze Planet durchhing. Ihm war schwindlig. Er hatte einen langen Tag hinter sich. Er betrachtete das Haus, sah zum Himmel hinauf und hielt nach Sternen Ausschau. Schließlich fiel sein Blick auf das Kuvert in seinen Händen. Wollte er überhaupt eine Erklärung? Er riss das Kuvert auf und zog ein Bündel Geldscheine mit Bankbanderole heraus. Dann das nächste. Das Kuvert war voller druckfrischer Fünfziger und Zwanziger. Belsey kniete sich auf den Boden und baute an dem Mäuerchen fein säuberlich kleine Geldstapel auf. Er musste sich zusammenreißen, damit er nicht zu lachen oder zu weinen anfing. Zwölf Stapel. Er schätzte achtzigtausend, vielleicht neunzigtausend. Nicht schlecht, dachte er. Er stopfte sich ein paar Bündel in die Taschen, den Rest wieder in das Kuvert und setzte sich schwer atmend auf den Boden.
    Nicht schlecht, dachte er wieder. Und dann, einen Augenblick später: Das ist ein Anfang.
    Das musste gefeiert werden. Er nahm sich ein Taxi zum Dorchester Hotel und ging in die Bar. Es ging lebhaft zu. Überall hingen Spiegel, die polierten Tische waren besetzt, eilfertige Kellner wuselten herum. An der langen geschwungenen Bar saßen Männer und Frauen, die alle sehr berühmt aussahen. Belsey bestellte eine Flasche Krug Grande Cuvée. Er betrachtete die Deckenbeleuchtung, die Glasskulpturen, den Samt. Nie zuvor hatte er so teuren Champagner getrunken. Aber es war kein Getränk, das man allein genießen sollte. Als er die Flasche halb ausgetrunken hatte, streifte er die Banderole von einem Geldbündel und nahm ein Taxi über den Fluss zum Wishing Well.
    »Die nächste Runde auf mich«, rief er, als er das Pub betrat.
    »Nick!«
    Die berüchtigte Sonntagabendrunde des Wishing Well hieß ihn herzlich willkommen.
    »Was hab ich jetzt wieder verbrochen, Officer?« Er steckte freundschaftliche Schläge ein und antwortete mit angetäuschten Haken. Er gab noch weitere Runden aus, und mit jeder wurde es voller im Well.
    »Was feiern wir, Nick?«
    Die Männer zückten ihre Handys und verbreiteten die Kunde, dass eine Party im Gange war. Belsey bestellte die zwei Flaschen Cava, die schon so lange hinter der Bar verstaubten, wie er Gast im Well war. Er trank jede Menge Sambuca und ein paar Bier. Schließlich ging er nach draußen zu einer Telefonzelle.
    Er rief im St. Thomas’ Hospital an. Charlotte Kelson war schon entlassen worden. Mehr wollten sie ihm nicht sagen. Belsey versuchte es auf ihrem Handy, aber sie ging nicht ran. Er stand in der Telefonzelle und überlegte, ob er zu ihr nach Hause fahren sollte.
    Er fuhr ins Lorenzo’s.
    »Nicky, auch mal wieder da?«
    »Nicky, was darf’s sein?«
    Er kam gerade rechtzeitig zum chaotischen Endspurt einer Geburtstagsparty oder eines Junggesellinnenabschieds. Ein stockbesoffener DJ legte auf, und Frauen, die nicht danach aussahen, als hätte man sie extra dafür angeheuert, tanzten auf den Tischen. Der Boden war klebrig. Der Wirt banda gierte

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