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London Killing - Harris, O: London Killing - Belsey Bottoms Out

London Killing - Harris, O: London Killing - Belsey Bottoms Out

Titel: London Killing - Harris, O: London Killing - Belsey Bottoms Out
Autoren: Oliver Harris
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ihm gerade noch gefehlt: ein Essex-Pärchen, das scharf auf eine Hetzjagd war. Der vordere Wagen schloss zu ihm auf. Sie nahmen ihn unter die Lupe. Zwei junge geleckte Constables. Sie schauten sich an und sprachen miteinander. Dann hob der Beamte auf dem Beifahrersitz das Funkgerät an den Mund. Sie überprüfen mein Kennzeichen, dachte Belsey. Als Nächstes würden sie eine Straßensperre anfordern.
    Belsey beschleunigte auf zweihundert.
    Seine Verfolger schlossen wieder auf. Einer der beiden versuchte ihn abzudrängen. Belsey spürte einen Stoß von der Seite. Aber Northwoods BMW war schwerer und deshalb im Vorteil. Er gab Gas und setzte sich ab . Der Tacho zeigte zweihundertzehn Stundenkilometer. Die Wirklichkeit kann mit dieser Geschwindigkeit nicht mithalten. Er war ruhig. Seine Verfolger waren wieder ein paar Hundert Meter zurückgefallen. Zu beiden Seiten der Straße gingen die Felder von Essex langsam in die von Cambridgeshire über, ebene und graue Felder mit Strommasten und Hecken. Die Cambridge Constabulary würde sich jetzt um die Straßensperre kümmern. Außerdem würden sie Luftunterstützung anfordern. Bevor der Hubschrauber in der Luft war, musste er sich etwas einfallen lassen.
    Die Abfahrt sieben rauschte undeutlich an ihm vorbei. Die Straßensperre konnten sie frühestens nach der Abfahrt neun aufbauen. Er konnte jetzt schon Maschinen im Landeanflug sehen. Sie kamen tief aus nördlicher Richtung, die Beleuchtung der Landebahn spiegelte sich in den Wolken. Die Wagen der Essex Constabulary hatten Verstärkung von einem Polizisten auf einem Motorrad bekommen. Plötzlich tauchte das Trio groß in seinem Rückspiegel auf. Belsey legte den Sicherheitsgurt an und hielt auf den Standstreifen zu. Der Wagen direkt hinter ihm stieß ihn leicht mit der Stoßstange an, und quer über alle sechs Spuren leuchtete die LED-Anzeige auf: Achtung, Straßensperre! Sofort anhalten!
    Belsey nahm den Pass aus der Brusttasche seiner Jacke und steckte ihn in die Hosentasche. Er drosselte das Tempo auf hundertvierzig, dann auf hundertzwanzig Stundenkilometer, was seine Verfolger verwirrte. Das Motorrad rauschte an ihm vorbei, der erste Wagen krachte wieder gegen seine hintere Stoßstange. Nicht weit vor ihm sah er eine Reihe blinkender Blaulichter. Noch zweihundert Meter. Belsey riss das Lenkrad nach links. Der Wagen schoss über den Standstreifen und verlor kurz den Kontakt mit dem Boden. Eine Sekunde später setzte er krachend wieder auf, kippte zur Seite und überschlug sich. Verdammt, jetzt hab ich’s verschissen, dachte er. Aber er war bei vollem Bewusstsein. Der Wagen landete schließlich wieder auf den Rädern. Das Heulen von Sirenen schwoll an und verlor sich in der Ferne. Er war am Leben.
    Er probierte den Türgriff. Die Tür ging auf, er stieg aus und stand in einem abgeernteten Feld. Er lief los. Anscheinend hatte er sich nichts gebrochen. Er kletterte über einen Elektrozaun, lief über einen Golfplatz, stieg hinter dem Clubhaus über eine Mauer und stolperte an landwirtschaftlichen Geräten und einer Scheune vorbei. Jetzt konnte er den Hubschrauber hören. Der Pilot hatte wahrscheinlich nicht bemerkt, dass er den Wagen schon verlassen hatte. Das hieß: Selbst mit einer Wärmebildkamera war es unwahrscheinlich, dass er ihn lokalisieren konnte. Ganz ruhig weitergehen, sagte er sich. Er konnte unmöglich der einzige Mensch sein, der hier unten an einem Sonntagabend herumlief. Auch wenn es ihm genauso vorkam.
    Er marschierte durch den Wassergraben neben einer un befestigten Straße und folgte den Hinweisschildern nach Bishop’s Stortford. Ein holländischer Lastwagenkonvoi fuhr an ihm vorbei. Dann nur noch im Mondlicht schwankende Felder. Zumindest bin ich aus London schon mal raus, dachte er.
    Aus vereinzelten Cottages wurden Ansammlungen blasser Reihenhäuser. Bishop’s Stortford machte sich fertig für die Nacht: Hochgestellte Tische vor Pubs und Cafés, eine Gruppe Jugendlicher am Kriegerdenkmal, ein Mann, der seinen Hund ausführte. Er hörte keine Sirenen mehr, und auch der Hubschrauber war weit entfernt. Als er durch das Dorf ging, glaubte er sich in eine andere Welt versetzt. Es roch nach Sonntagsbraten, weißem Cidre, frischem Asphalt.
    Der Flughafen tauchte als hell erleuchteter Kasten am Horizont auf. Er hatte wertvolle Zeit verloren. Er dachte über die Sicherheitsvorkehrungen an den Flugsteigen nach und darüber, dass es schon ziemlich spät war. Wer marschierte schon mitten in der Nacht ohne

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