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Klassenfahrt zur Hexenburg

Klassenfahrt zur Hexenburg

Titel: Klassenfahrt zur Hexenburg
Autoren: Stefan Wolf
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Natursteingebäude.

    „Noch keine Speisezeit“, sagte
Tim. „Im südlichen Europa isst man später. Hoffentlich kriegen wir was. Ich
könnte ohnmächtig werden.“
    „Aber fall mir nicht auf die
Füße!“, gebot sie. „Denk an meine empfindlichen Zehen.“
    „Hühneraugen! Ich weiß!“
    Dann musste er sich schleunigst
in Sicherheit bringen, indem er zum Eingang rannte.
    Das Restaurant hatte geöffnet.
Es war schattig und rustikal eingerichtet. Eine Handvoll Gäste verteilte sich
an die Tische. Gegessen wurde noch nicht. Aber dem Wein sprach man zu.
    Sie suchten sich einen Platz in
der Nische. Die Serviererin hatte ihren Dienst gerade erst angetreten, war noch
frisch und daher gut gelaunt. Sie brachte die Speisekarte.
    Während Gaby ihre Mütze auf die
Bank neben sich legte, stand Tim noch mal auf, um sich die Hände zu waschen.
Sie fühlten sich klebrig an. Das war keine Voraussetzung für ein behagliches
Fischessen.
    „Bin gleich wieder da.“
    Gaby nickte und suchte die
Karte nach Fugu ab. Der Giftfisch war auf der letzten Seite aufgeführt — mit
der Anmerkung: nur auf Bestellung.
    Tim ging an einem Tisch vorbei,
auf dem ein Bierglas stand. Es war gefüllt, die Flasche daneben leer. Der
Schaum fiel in sich zusammen. Aber der Gast war nicht da.
    Tim öffnete eine Tür mit
entsprechender Aufschrift. Ein weißgetünchter Flur führte tiefer ins Haus,
unter anderm zu den Toiletten. Fenster wiesen auf einen Innenhof. Der Flur
machte eine rechtwinklige Biegung.
    Tim schlich nicht absichtlich.
Aber hinter der Biegung wurde sein lautloser Turnschuhschritt nicht gehört.
Sonst hätte sich der Typ nicht benommen, als wäre er allein.
    SSSttt-Cliiick...
    Die Schnappmesserklinge rastete
ein. Kein Zweifel! Da spielte jemand mit seinem Meucheldolch. Tim verharrte.
    Zweimal wiederholte sich das
Geräusch. Eine raue Kehle entließ ein Räuspern.
    Tim riskierte ein Auge und
spähte um die Ecke.
    Der Typ mochte 16 sein oder 17.
Er war groß, hielt sich aber krumm und hatte eine Zigarette im Mundwinkel
festgeklebt. Trotz seiner Jugend erinnerte das Gesicht an einen alten
Gänsegeier und die Haare hingen ihm fettig auf den Kragen.
    Er hielt ein gewaltiges
Schnappmesser in der Hand, einen Taschensäbel mit Metzgerklinge. Auf Knopfdruck
verschwand sie im Griff. Der Geiertyp hatte jetzt genügend geprobt, war
zufrieden, schob das Messer in die Hosentasche und stiefelte den Flur entlang,
aber nicht zur Herrentoilette, sondern zu einer Tür mit der Aufschrift PRIVAT.
    Ohne anzuklopfen stieß er sie
auf. Tim hörte einen erstaunten Ruf und sah, dass es sich um ein Büro handelte.
Dann kickte der Geiertyp mit schiefgelatschtem Absatz die Tür hinter sich zu.
Aber sie fiel nicht ins Schloss, sondern lehnte sich nur an den Rahmen.
    Tim stand bereits dort,
einsatzbereit wie die Feuerwehr. Wollte der Geiertyp was mit dem Messer
anstellen?
    Tim zögerte noch mit dem
Nachsetzen, horchte stattdessen, was — wie sich gleich erwies — richtig war.
    „Was... wollen du?“, fragte
eine quäkige Männerstimme, die garantiert einem Ausländer aus Fernost gehörte.
Haito?
    „Ich werde ganz langsam
sprechen“, sagte der Geiertyp. „Damit du alles verstehst, Schlitzauge.“
    „Was du wollen?“
    „Halt die Luft an, Haito. Dann
hörst du’s. Also schön der Reihe nach. Für heute Abend 22 Uhr hat ein gewisser
Jean Leluc, der Aufseher aus unserem Club, bei dir einen Platz bestellt. Für
sich allein, weil er immer allein sein will, wenn er frisst. Stimmt’s?“
    „Stimmt. Jaja, Monsieur Leluc
guter Gast.“
    „Dein guter Gast will Fugu
essen, nicht wahr?“
    „Will besten Fugu essen. Ich
bereiten nachher.“
    „Schön, schön, Haito. Du
bereiten nachher. Aber du bereiten so, dass Fisch voller Gift und Leluc
sterben. Kapiert?“
    Der Koch und Restaurantbesitzer
lachte in schrillen Tönen. „Ich nie Fehler machen. Mein Fugu nie giftig.
Monsieur Leluc schon immer gegessen. Niemals gestorben. Niemals tot. Fugu
gesund für ihm.“
    „Aber diesmal wird er sterben.
Verstehst du! Wir wollen, dass er krepiert, der verdammte Hund. Wir hassen ihn.
Seit Wochen zerbrechen wir uns den Kopf, wie wir ihn umbringen können. Jetzt
haben wir die Lösung. Du wirst ihm die Fahrkarte ins Jenseits verpassen. Dann
ist die Sache ein Unfall und keiner wird zur Rechenschaft gezogen. Das bisschen
Geschäftsschädigung wirst du verkraften. Kannst ja wieder Tintenfisch braten
oder Sardinen einpökeln.“
    „Nein, nein! Ich nicht machen.“

    Jetzt kommt’s,

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