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Klassenfahrt zur Hexenburg

Klassenfahrt zur Hexenburg

Titel: Klassenfahrt zur Hexenburg
Autoren: Stefan Wolf
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Großstädten sollen hier gebessert
werden. Ich bezweifle das. Die... Jugendlichen können sich frei bewegen.
Seitdem ist die Zahl der Einbrüche in unserer Gegend erheblich gestiegen. Eines
Tages wird man diesen seltsamen Versuch sicherlich beenden. Aber diesen Sommer
müssen wir damit leben.“
    Er beugte sich vor und sein Ton
wurde vertraulich. „Eigentlich sollte ich darüber nicht sprechen. Unsere Gäste
bemerken das Lager gar nicht. Es liegt ziemlich versteckt. Wer zu Haito will,
fährt selbst oder nimmt sich ein Taxi. Aber euer Weg führt an dem Lager vorbei.
Es könnte zu einer Begegnung kommen. Ich wollte euch warnen, damit ihr wisst,
mit wem ihr’s zu tun habt.“

    „Sehr freundlich von Ihnen“,
sagte Tim. „Vielen Dank. Aber wir sind da nicht ängstlich. Und wenn es
gefährlich wird, verstecke ich mich hinter Gaby.“
    Er strich über die Hornpolster
an seinen Faustknöcheln — Folgen harten Karate-Trainings. Alle lachten.
    „Zusammen“, sagte Gaby, „sind
wir manchmal sogar mutig.“
    Dann fiel Arbeit an für
Albääärrr Müllääärrr. Ein Schwarm erhitzter Damen schwirrte herein. Man hatte
Tennis gespielt und wollte jetzt rasch auf die Zimmer.
    Tim und Gaby zogen los.
    „Wird ja immer toller“, meinte
Tim. „Das Haito war Ossinskys Hauptquartier, also Verwaltungszentrale für den
Drogenhandel. Der Koch serviert gefährliche Fische. Und jugendliche Straftäter
garnieren die Szene.“
    „Heiße Gegend, dieses
Chicvillage“, nickte Gaby. „Und nicht nur wegen der Sonne. Am besten, wir
lassen alles auf uns zukommen.“

5. Mordanschlag
     
    Das Meer schwappte nur wenig.
Es war fast so ruhig wie Wasser in einem Zahnputzbecher. Sonne beglänzte es.
    Tim und Gaby marschierten durch
die Spätnachmittag-Hitze. Sie sahen weiße Yachten. Landeinwärts standen
prächtige Villen. Ab und zu flitzte ein Motorboot wie eine wütende Hornisse in
Richtung Spanien, wie Tim feststellte. Surfer hatten heute Pause. Der Wind war
zu faul.
    Gaby trug ihren luftigsten Rock
und einen Hauch von T-Shirt. Sie spürte, wie sie bräunte — sogar unter der
weißen Baseballkappe. Tim hatte anfangs ihre Hand genommen. Aber es war einfach
zu heiß für verflochtene Finger.
    „Ein Duft schwebt umher“, rief
Gaby schwärmerisch.
    „Meinst du die Abgase von der
Autobahn?“, erkundigte er sich scheinheilig.
    „Sei nicht so unromantisch! Ich
meine die Düfte der Sträucher und Stauden. Ich meine Rosmarin, Thymian,
Lavendel und Myrte.“
    „Den Fisch, den ich esse, lasse
ich in Knoblauchbutter braten“, grinste Tim. „Auch das duftet lieblich.“
    Sie boxte ihn kräftig. Aber das
wirkte kaum mehr als der Flügelschlag einer Taube. Dass er jämmerlich zu schreien
begann, war Schau. Also ein Bussi, damit er aufhörte, bevor eine
Verkehrsstreife auf sie aufmerksam wurde.
    Den Straftäter-Club sahen sie
nur von fern.
    Helle Baracken versteckten sich
hinter Stein- und Korkeichen und einem Wall immergrüner Sträucher. Der Club lag
nahe der Küsten-Autobahn, in unwirtlicher Gegend zwischen den Orten also
ausreichend abseits. Aber der Empfangschef eines noblen Hotels sieht das
natürlich anders. Da wäre auch eine Tagesmarsch-Entfernung noch zu wenig
gewesen.
    Einige dieser Jugendlichen
spielten Fußball, lustlos. Nachwuchs für die National-Mannschaft war das nicht.
„Die sind in unserem Alter“, stellte Gaby fest.
    „Da kannst du mal sehen, wie
brav wir sind. Ich werde bald 15 und habe immer noch eine blütenweiße Weste.“
    „Gib nicht an! Du hast
lediglich Glück gehabt. Wer Abenteuer erlebt wie du, steht immer mit einem Fuß
vor dem Jugendrichter.“
    „Im Gegenteil, Pfote! Unsere
Abenteuer nützen immer der Gerechtigkeit. Eingreifen und helfen — ist ja
schließlich unser Motto.“
    „Hauptsache, meine Eltern ahnen
im Moment nichts davon. Es könnte sie beunruhigen.“
    „Eltern, Pfote, sind immer
beunruhigt. Das macht sie ja so schwierig. Aber besser das als
Gleichgültigkeit. Denn das wäre lieblos. Und deine Eltern lieben dich über
alles.“
    „Ich stimme dir zu.“ Gaby
pustete gegen ihren Pony. „Jedenfalls zwinge ich bald einen gebratenen Fisch
runter. Hast du auch solchen Hunger? Natürlich nicht. Hunger hast du ja nie.“
    Wenig später erreichten sie
Haitos Fisch-Restaurant. Es lag einsam. Eine Zubringer-Straße endete hier. Der
große Parkplatz war fast leer, das Ufer felsig. Eine Klippe begrenzte das
französische Festland.
    Pinien und Aleppo-Kiefern
umstanden das betagte

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