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Klassenfahrt zur Hexenburg

Klassenfahrt zur Hexenburg

Titel: Klassenfahrt zur Hexenburg
Autoren: Stefan Wolf
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sicher!“
    „Ja, nicht! Das glaubst du
auch.“
    Tim spürte: Seine Freundin
brauchte Trost. Aber nicht nur mit Worten. Trost wirkt viel besser, wenn man
sich dabei in die Augen sieht und an den Händen halten kann. Außerdem schätzt
es Tim überaus, wenn Gaby ihren Kopf schutzsuchend an seine Schulter legt.
    „Pfote, in 20 Minuten bin ich
bei dir. Klößchen kommt natürlich mit und ich sage auch Karl Bescheid.“
     
    *
     
    Als Margot Glockner kurz vor
Mitternacht aus dem Unfall-Krankenhaus nach Hause zurückkehrte — erschöpft,
aber auch beruhigt, denn die Operation war gut verlaufen — , fand sie eine hellerleuchtete
Wohnung vor. Und TKKG waren vollständig versammelt.
    „Das ist wahre Freundschaft“,
lächelte sie und berichtete dann.
    Ihrem Mann, dem Kommissar und
väterlichen Freund der Jungs, ging es angesichts der Umstände schon wieder
recht gut. Der Steckschuss hatte zwar eine tiefe Wunde verursacht, aber keinen
Knochen verletzt. Dennoch — Emil Glockner würde drei Wochen im Krankenhaus
bleiben müssen, und damit war die Pfingst-Ferien-Reise an die französische
Mittelmeerküste — nämlich nach Chicvillage — natürlich geplatzt, wegen höherer
Gewalt.
    Aber auf solchen Pipifax,
dachte Tim, kommt’s überhaupt nicht an. Wichtig ist jetzt nur die Gesundheit
von Gabys Vater — und nichts sonst!
    „Wissen Sie, Frau Glockner“,
fragte der TKKG-Häuptling, „wie es passiert ist?“
    Sie nickte und strich sich eine
blonde Strähne aus der Stirn.
    „Von Ulrich Döllner weiß ich’s,
einem Kollegen. Mein Mann konnte noch nichts erzählen. Es war während einer
Razzia am frühen Abend. Einem Tip aus der Unterwelt zufolge wollte man in der
Auerstall-Straße einen gewissen Paul Ossinsky überrumpeln. Der wird seit langem
steckbrieflich gesucht. Ein Drogen-Dealer größten Ausmaßes ist das. Er hat
seine Verbindungen in ganz Europa, aber vor allem in Südfrankreich. Jedenfalls
befand er sich mit zwei seiner Komplizen in der Wohnung. Über die beiden andern
ist noch nichts bekannt, aber sie sind offenbar äußerst gefährlich. Jedenfalls
haben sie sofort geschossen: durch die geschlossene Wohnungstür. Emil stand
natürlich nicht davor, sondern im Schutz der Wand. Aber ein Geschoss ist als
sogenannter Querschläger vom metallischen Treppengeländer abgeprallt und meinem
Mann in die Schulter gedrungen.“
    TKKG pressten die Lippen
zusammen. Jeder stellte sich vor, was für ein Schmerz das ist, wenn ein
verformtes Geschoss eine tiefe Wunde in die Schulter reißt.
    „Die Verbrecher wurden
gefasst?“, fragte Tim.
    Margot schüttelte den Kopf.
„Leider nicht. Die sind an der Rückfront durchs Fenster gesprungen und —
entkommen. Nach Ossinsky wird natürlich verstärkt gefahndet. Aber Ulrich
Döllner hat da wenig Hoffnung. Er vermutet, dass die drei längst außer Landes
sind. Der internationale Haftbefehl besteht ja schon lange und hat trotzdem
nichts gebracht.“
    Darauf sagte Tim nichts. Ein
Gefühl, das er hasst, füllte ihn aus. Es war nicht das Verlangen nach Rache,
sondern nach Gerechtigkeit. Ein Verbrecher hatte Gabys Vater schwer verletzt,
hätte ihn sogar tödlich treffen können — blieb aber auf freiem Fuß, würde
untertauchen und sich seiner Strafe entziehen. Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit!
So was bringt Tim auf die Palme — und nicht nur ihn. Außerdem war dieser
Ossinsky eine ständige Bedrohung, eine Gefahr für die Umwelt — ganz abgesehen
davon, dass Dealer mit ihrem Drogenhandel unendliches Leid anrichten unter den
Abhängigen und jenen charakterschwachen, labilen Menschen und Jugendlichen, die
für diese tödliche Versuchung anfällig sind.
    Morgen, dachte Tim, werden wir
uns mal bei Kommissar Döllner schlau machen. Ist ja ein netter Typ und so
arglos, als wäre er Sozialarbeiter in ‘ner Pfarrei. Dem ziehen wir bestimmt ein
paar Infos aus den Zähnen, ohne dass er was merkt.

2. Das Pech nicht verdoppeln
     
    Einen Tag vor den Ferien. Also
null Konzentration bei den Schülern, dafür umso mehr Albernheiten. Nur TKKG
waren im Unterricht zurückhaltend, denn Kommissar Glockners Geschick bewegte
sie alle.
    Nachmittags wurde Gabys Vater
im Krankenhaus besucht, wo er in seinem Einzelzimmer bereits acht Blumensträuße
bewundern konnte — von Freunden und Kollegen. TKKG stellten den neunten dazu.
Gaby umarmte ihren geliebten Papi ganz vorsichtig. Die Jungs verzichteten auf
herzhaftes Händeschütteln und Glockner schaltete mit dem gesunden Arm — dem
linken — den TV

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