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Jerry Cotton - 0580 - Toedliche Wetten

Jerry Cotton - 0580 - Toedliche Wetten

Titel: Jerry Cotton - 0580 - Toedliche Wetten
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Die letzte Stunde seines Lebens war angebrochen. Nur ahnte er nichts davon. Es war kurz nach ein Uhr früh in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, als sich Dan Shafford ans Steuer seines Wagens setzte, um nach Hause zu fahren. Er wirkte ein bißchen nervös, aber das war auch alles.
    Eine knappe halbe Stunde lang lenkte Shafford seinen Wagen durch die nächtlich stillen Straßen der Regierungshauptstadt. Er mußte die ganze Stadt durchqueren, um an sein Ziel zu gelangen, und wenn er auch in Eile war, so wagte er es doch nicht, die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen wesentlich zu überschreiten. Ein Mann in seiner Position konnte sich das nicht erlauben.
    Als er zwei Drittel der Strecke, hinter sich gebracht hatte, spürte er plötzlich einen scharfen Stich in seinem Magen. Unwillkürlich krümmte er sich zusammen und trat leicht auf die Bremse. Die Tachonadel fiel zurück auf vierzig. Shafford holte tief Luft und fragte sich überrascht, ob er sich etwa ein Magengeschwür zugezogen habe. Bei all dem Ärger in den letzten Wochen wäre es kein Wunder.
    Er schlug das Steuer nach links ein, wie es die Straßenführung verlangte. Rechts zog sich eine fast drei Yard hohe Mauer hin. Plötzlich fuhr Shafford zusammen, als sei ein starker Stromstoß durch seine Eingeweide gejagt worden. Ein greller, schneidender Schmerz ließ ihn laut aufstöhnen. Er neigte den Oberkörper vor. Die Mauer — verdammt… Was war nur in seinem Magen — verflucht… Er wollte ins Steuer greifen — der Schmerz, der verdammte Schmerz war ja nicht zum Aushai…
    Shafford glaubte zu schreien wie ein Wilder. In Wahrheit war es nicht mehr als ein dumpfes Röcheln. Er sah nicht mehr, daß der Wagen auf die Mauer zu raste. Er hörte das kreischende Krachen von berstendem Stahl und verbogenem Blech nicht mehr. Er wurde sich der unnatürlichen Stille nicht bewußt, die einem Unfall zu folgen pflegt. Er konnte überhaupt nichts mehr wahrnehmen. Denn Dan Shafford war tot.
    ***
    Am Montag früh trafen wir in der Bundeshauptstadt ein. Washington empfing uns mit strahlendem Frühlingswetter. Im Japanischen Garten mußten die Kirschblüten eine berauschende Farb- und Duftsymphonie von überwältigender Schönheit komponiert haben. Es war nur fraglich, ob wir dazu kommen würden, den Japanischen Garten aufzusuchen.
    Phil Decker und ich waren nicht zu unserem Vergnügen nach Washington gekommen. Unser New Yorker FBI-Chef hatte uns hergeschickt, streng dienstlich, wie man so schön sagt, aber wir wußten selbst noch nicht, was wir eigentlich hier sollten. Die Anweisungen von Mr. High — er hatte mich nachts um drei deshalb angerufen — lauteten kurz und bündig: »Nehmt das erste Flugzeug nach Washington. Ihr bezieht Zimmer in der Pension Vollmer. Einer von euch beiden wird in den nächsten Tagen als Bürobote im Innenministerium arbeiten. Er soll sich ein bißchen dumm anstellen, damit man ihn für harmlos hält. Der andere ruft die Telefonnummer NAtional 8282 an. Gute Reise und Weidmannsheil.«
    So ging das. Ich hatte den Flugplatz und meinen Freund und Berufskollegen Phil Decker angerufen, ihn zwei Stunden später abgeholt, und nun standen wir auf dem Flugplatz unserer Regierungshauptstadt, blinzelten noch ein bißchen verschlafen in den blauen Frühlingshimmel und fragten uns, was wir zehn Minuten vor sieben Uhr morgens hier schon anfangen sollten.
    »Im Innenministerium fangen sie bestimmt nicht vor neun an«, meinte Phil. »Was tun wir solange?«
    »Frühstücken«, erwiderte ich lapidar. »Und ausknobeln, wer den Bürotrottel spielen wird.«
    »Das ist doch etwas für dich«, sagte Phil liebenswürdig.
    »Na klar. Aber es wird trotzdem geknobelt, alter Junge. Gerechtigkeit muß sein. Wach endlich auf! Dein Koffer steht da hinten.«
    Wir holten unser Gepäck von der Rutsche und schleppten es ins Restaurant. Nachdem wir das Frühstück bestellt hatten, zog ich eine Münze aus der Hosentasche und fragte: »Kopf oder Adler?«
    Phil kniff die Lippen zusammen und dachte angestrengt nach. Als G-man der Bundespolizei hat man öfter einmal in eine fremde Haut zu schlüpfen, aber Bürotrottel war entschieden etwas Neues.
    »Kopf«, sagte Phil.
    Ich warf die Münze hoch. Sie klatschte in meine Handfläche zurück. Hurra, dachte ich im stillen. Es hatte geklappt: der Adler lag oben.
    »Herzlichen Glückwunsch«, sagte ich. »Bürotrottel.«
    Phil bedachte mich mit einem giftigen Blick.
    »Vielleicht machen sie aus dir einen Toilettenaufseher, einen

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