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Jerry Cotton - 0574 - Teufel mit blutigen Rosen

Jerry Cotton - 0574 - Teufel mit blutigen Rosen

Titel: Jerry Cotton - 0574 - Teufel mit blutigen Rosen
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Preston setzte sich an seinen Schreibtisch. Penny Warden, seine rothaarige Sekretärin, stürmte in das Privatbüro. »Sheila Ardworth möchte Sie sprechen, Sir!« stieß sie hervor.
    Preston lächelte dünn. Er hatte es nie verstanden, wieso manche Menschen so leicht ihre Fassung verlieren. So aufgeregt hatte er Penny noch nie gesehen. Ihr erging es wie den meisten Leuten dieser Stadt: Der Name Ardworth enthielt in ihren Augen mehr Glanz und Gloria als der des Präsidenten.
    Kein Wunder! Die Ardworths besaßen fast die Hälfte aller Häuser, Fabriken und Banken dieser Stadt, in gewissem Sinne sogar die Menschen, die darin arbeiteten oder wohnten. Sie waren den Ardworths durch Kredite verpflichtet. Sie mußten bleiben und ihre Schulden abtragen. Unentwegt fuhren sie weiter auf dem Teufelskarussell, das die mächtige Familie Ardworth für sie errichtet hatte.
    »Ich lasse bitten«, sagte Preston kühl.
    Sheila Ardworth betrat sein Office. Preston erhob sich. Er beeilte sich nicht dabei.
    Er hatte als junger Mann ein paar Stunden Schauspielunterricht genommen und verstand sich darauf, dramatische Akzente selbst dort zu setzen, wo kein Wort gesprochen wurde. Er war sechs Fuß groß und von athletischem Wuchs. Er wußte, wie er wirkte, wenn er sich langsam zu seiner vollen Höhe emporschraubte.
    Sheila Ardworth blieb mitten im Office stehen. Preston registrierte mit Genugtuung, wie sich ihre schönen graugrünen Augen weiteten. Sie blieben zwar kühl, aber er spürte, daß Sheila Ardworth überrascht war. Angenehm überrascht.
    Sie hatte vermutlich erwartet, einen hemdsärmeligen Burschen vorzufinden, einen Anwalt, von dem jeder wußte, daß er aus den Slums stammte — und nun erblickte sie einen fabelhaft aussehenden Burschen von zweiunddreißig Jahren, dessen maßgeschneiderte Kleidung ohne Makel war.
    Er ging um seinen Schreibtisch herum und rückte der Besucherin höflich den bequemen Armlehnstuhl vor seinem Schreibtisch zurecht. Sheila setzte sich.
    Preston unterdrückte das plötzliche Beben innerer Erregung, das seinen Körper zu erfassen drohte. Sheilas Parfüm war herbsüß. Es entsprach ihrem Typ. Prestons Blick streifte das blonde Haar des Girls. Sheila trug es in Pferdeschwanzmanier; es war im Nacken verknotet und fiel ihr bis auf die Schultern. War es weizenblond? Oder goldblond? Preston entschied sich für Messing, obwohl Messing so ungefähr das letzte war, was zu den Ardworths paßte.
    Er setzte sich der Besucherin gegenüber und bot ihr eine Zigarette an. Er hatte es nicht eilig. Im Gegenteil. Nach so vielen Monaten des Bangens, Wartens und Höffens war er entschlossen, jede Sekunde dieses ersten Zusammentreffens voll auszukosten.
    Sheila schüttelte ihren Kopf und holte ein weißgoldenes Zigarettenetui aus ihrer Handtasche. Natürlich, sie rauchte ihre eigene Marke, längliche Dinger von babyblauer Farbe, mit Goldmundstück und den Initialen SA.
    Er gab ihr Feuer. Sheila Ardworth inhalierte tief und blickte ihm in die Augen. Ihm war es plötzlich unbehaglich zumute. Es war schwer, die Untiefen dieser kühlen grünen Augen voll auszuloten.
    Preston wußte, daß Sheila eine Universitätsausbildung besaß. Es hieß, daß sie ungewöhnlich klug und scharfsinnig sei — im Gegensatz zu ihrer Schwester Patricia, die sich mit einem Collegebesuch begnügt hatte.
    Hör endlich auf, an Patricia zu denken, befahl er sich. Sie ist tot!
    »Sie können sich vermutlich denken, weshalb ich zu Ihnen gekommen bin?« fragte ihn die Besucherin. Ihre Stimme faszinierte ihn. Es war eine Stimme mit sinnlichem Ausstrahlungsvermögen, dunkel, modulationsfähig und aufregend.
    »Nein«, log er.
    »Es ist wegen Patricia«, sagte das Girl. »Wie Sie wissen, wurde sie vor einem Jahr ermordet.«
    Er nickte. »Die Stadt spricht noch heute darüber«, meinte er teilnahmsvoll.
    »Verwundert Sie das? Der Mörder wurde noch immer nicht gefaßt«, sagte Sheila Ardworth.
    Preston hatte plötzlich Mühe, seine Gesichtsmuskeln unter Kontrolle zu halten. Am liebsten hätte er der Besucherin breit und höhnisch ins Gesicht gegrinst. Am liebsten hätte er dem Girl entgegengeschleudert: Ich war es, der Patricia tötete! Ich habe sie umgebracht! Ich bin der Mörder deiner Schwester!
    Aber er war kein Narr, der törichten Impulsen nachgab. Er wußte, was er wollte. So war es immer gewesen. Er hatte seinen Weg nach oben gemacht, langsam, aber stetig, und jetzt war er ein Anwalt mit einem eigenen Büro in der Hauptstraße, ein Mann, von dem jeder

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