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Jan Fabel 05 - Walküre

Titel: Jan Fabel 05 - Walküre
Autoren: Craig Russell
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Heck der Jacht ausstreckte. Ihre Glied­maßen waren lang und geschmeidig, doch sie war nicht so ma­ger und jungenhaft schmal um die Hüften wie ihre Gefährtin. Vujacic legte Wert darauf, dass seine Frauen wie Frauen aus­sahen. Er trank einen Schluck von seinem Bier und war dankbar für die kühle Flüssigkeit an diesem heißen Tag. Vujacic hatte nicht damit gerechnet, dass es so warm sein würde. Das nord­europäische Klima gefiel ihm nicht besonders, denn er gehörte in die schwüle Mittelmeerhitze der Adria oder unter die bren­nende Sonne eines Balkansommers. Heute jedoch herrschte gu­tes Wetter, und er konnte zusehen, wie die Mädchen vom Heck des Schiffes in die Nordsee sprangen.
    Er wollte die Blondine haben. Es würde ein Teil der Ver­einbarung, eine Goodwill-Geste im Rahmen des Abkommens sein: dass er die Blondine ficken konnte. Dafür waren Frauen schließlich da. Dafür und für die Verzierung von Jachtdecks.
    »Dieses kleine Ruderboot muss dich einiges gekostet ha­ben«, sagte er zu Knudsen und fuhr mit der Hand über das rote Leder und das lackierte Teakholz der eingebauten Polsterbank. Der bosnische Serbe Vujacic unterhielt sich mit dem Dänen Knudsen auf Englisch, in der Sprache des internationalen Ge­schäfts und des organisierten Verbrechens.
    »Die Jacht ist ungefähr fünf Millionen Euro wert, aber ich habe sie zum Selbstkostenpreis bekommen«, erwiderte Knud­sen ironisch. »Habe mich mit dem Besitzer darauf geeinigt. Möchtest du wirklich keinen Champagner?«
    »Im Moment genügt mir das Bier«, antwortete Vujacic und warf erneut einen Blick über die Schulter zu den Mädchen hi­nüber. »Vielleicht später ...«
    »Ja, später kannst du dich ein bisschen entspannen, nicht, Goran? Wenn alles erledigt ist.«
    Vujacic lächelte. Er fühlte sich unbesorgt, wenn auch nicht unbesorgt genug, um auf Zlatkos Begleitung zu verzichten. Sein Leibwächter stand stumm hinter ihm, ungeschützt vor der Sonne und finster in sein Hawaiihemd hineinschwitzend. Es belustigte Vujacic, dass nun ein Kroate auf ihn aufpasste. Wie sich die Zeiten geändert hatten.
    Knudsen, ein großer, hartgesotten wirkender Däne, saß mit Vujacic in einer luxuriös ausgestatteten Nische nicht weit vom Heck der Motorjacht. Im Schatten der Markise standen unifor­mierte Mannschaftsmitglieder - weit genug entfernt, um das Gespräch nicht mithören zu können - und warteten darauf, das Mittagessen zu servieren. Vujacic atmete tief ein, als inhaliere er den von der Jacht ausgehenden Duft des Wohlstands.
    »Weißt du, Peter«, sagte er, »dies ist der Anfang einer wun­derbaren Freundschaft. Und weißt du auch, warum? Weil wir einander ergänzen. Angebot und Nachfrage. Was du brauchst, kann ich liefern. Unsere kleine Unternehmung wird die Haupt­handelsroute für große Drogenmengen nach Skandinavien und Deutschland eröffnen. Du und ich, mein Freund, werden sehr, sehr reich werden. Oder in deinem Fall noch reicher. Vielleicht werde ich mir eine Jacht wie diese zulegen ... Wenn ich auch eine zum Selbstkostenpreis bekommen kann.« Vujacic grinste zu dem blonden Mädchen hinüber. »Und vielleicht auch einen Teil des Inventars ...«
    »Sag mal, Goran«, wechselte Knudsen das Thema, »bist du sicher, dass auf deiner Seite alles in Ordnung ist? Ich meine ver­trieblich. Mir ist zu Ohren gekommen, dass du Probleme mit ein paar Konkurrenten hattest.«
    »Jetzt nicht mehr. Ich habe sämtliche Probleme gelöst, bevor wir zusammengekommen sind. Bei unserem ersten Treffen habe ich dir gesagt, dass ich die völlige Kontrolle über das Ver­triebsnetz habe. Und das ist weiterhin der Fall. Ich musste dafür sorgen, dass sich einige Leute aus dem Geschäft zurückzogen. Für immer. Leider musste ich etwas diskreter als üblich vorge­hen. Deshalb wurde die Sache ein wenig teurer als sonst.«
    »Du hast einen Fremden angeheuert?«, fragte Knudsen.
    Vujacic antwortete nicht sofort. Stattdessen schlürfte er sein Bier und musterte den hochgewachsenen Dänen, als müsse er abwägen, wie weit er ihm trauen konnte. Vujacic wusste, dass Knudsen ein vermögender Mann mit guten Beziehungen war. Alles an ihm hatte der Überprüfung standgehalten. Aber Vu­jacic hatte in Kriegen gekämpft - häufig in solchen, denen er besser ferngeblieben wäre. Und die Erfahrung hatte den Serben gelehrt, Männer in zwei klar umrissene Gruppen zu teilen: in Krieger und in die anderen. Genau wie er Frauen in diejenigen teilte, die man bumste, und in alte Weiber. Knudsen
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