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Im Schloss der schlafenden Vampire

Im Schloss der schlafenden Vampire

Titel: Im Schloss der schlafenden Vampire
Autoren: Stefan Wolf
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versichert. Im
Brandfalle kriegen wir Millionen. Mit meinen Drittel hätte ich ausgesorgt.“
    Carlos nickte. „Man wird einen
Verdacht haben. Und der fällt auf Sie.“
    „Deshalb brauche ich ja einen
Experten. Brandlegung darf nicht zu beweisen sein. Ihr Agent sagte, Sie könnten
das.“
    „Ja, das lässt sich machen.
Aber ich habe ein Problem. Montagmittag muss ich bereits auf Sizilien sein. Ist
ein fester Termin. Dort werde ich eine ganze Hotelanlage ausglühen.“
    „Heute ist Freitag. Reicht
Ihnen die Zeit nicht?“
    „Doch, doch. Zumal das Schloss
ja zur Zeit leer ist, nicht wahr?“
    „Äh... ja.“
    „Was heißt — äh?“
    „Der Verwalter ist dort. Edmund
Vogt. Ein gerissener Typ. Ich kann ihn nicht leiden. Aber mein Vater hatte ihm
einen langjährigen Vertrag zugestanden. Vogt konnte mit dem Alten gut umgehen.
Der war in den letzten Jahren ein bisschen senil. Konnte Falschheit nicht mehr
von echter Anhänglichkeit unterscheiden. Und Vogt hat bei ihm geschleimt —
darauf wäre ‘ne Schnecke ausgerutscht.“
    „Freie Bahn wäre mir lieber.
Können Sie Vogt weg locken?“
    „Nee. Geht nicht. Das fiele
auf.“
    „Dann muss es nachts passieren.
Einerseits so, dass Vogt sich noch retten kann. Andererseits so, dass die
Feuerwehr zu spät kommt. Ich mache das am besten mit ‘nem Kabelbrand quer
durchs Schloss. Aber aus den oberen Etagen ist dann kein Entkommen mehr. Wo
schläft Vogt?“
    „Er hat seine Wohnung im
Parterre. Allerdings sind die...“ Gregor stockte. Sein Mausegesicht zuckte
nervös.
    „Was wollten Sie sagen, Graf?“
    „Es sind noch zwei Mädchen im
Schloss.“
    „Wie bitte?“
    „Eine Studentin. Macht
Feldarbeiten über die Fledermäuse im Dachboden. Und eine Schülerin als
Assistentin. Von mir — das können Sie glauben — haben sie die Genehmigung nicht
gekriegt. Das war der Alte. Und später dann mein blöder Bruder Paul-Otto.“
    „Sind die beiden ständig dort?“
    „Vorläufig — ja. Und ich
glaube, sie wohnen im Dachgeschoss.“
    Carlos zerrte an seiner
Unterlippe und bohrte gleichzeitig im linken Ohr. „Da muss ich mir was
einfallen lassen. Sollte es schiefgehen — ist das dann Schicksal, nicht wahr?
Und von uns nicht gewollt.“
    „Ich weiß von nichts. Ich
bezahle Sie, Teckenburg. Das Schloss soll niederbrennen. Samt Nebengebäuden.
Alles soll zu Asche werden. Aber Personen sollen nicht zu Schaden kommen. Nein,
das will ich nicht. Sogar die Fledermäuse sollen vorher rausfliegen.“
    Verdammter Heuchler!, dachte
Carlos. Dir geht’s doch nur um die Knete. — Er grinste und sein Blick war so
stechend, dass sich der Graf wie am Spieß fühlte.
    „Kann ich Sie notfalls
telefonisch erreichen, Teckenburg?“, fragte er.
    Der Profi-Brandstifter nickte.
„Prinzenruh hat einen schönen Campingplatz — gleich neben der Jugendherberge.
Dort ist immer Betrieb. Ich habe einen Wohnwagen. Damit falle ich nicht auf.
Erreichen können Sie mich über meine Handy-Nummer.“
    Serbendung-Lauchtingen schrieb
sie sich auf.

6. Bastians
heißer Tipp
     
    Prinzenruh als Dorf, dachte
Tim, ist schief. In anderen Dörfern steht die Kirche in der Mitte, hier fast am
Rande.
    Er teilte diese Erkenntnis
seinen Freunden mit. Karl und Klößchen pflichteten bei. Die drei waren durchs
Dorf gesockt, wo kaum was los war — sieht man ab von einigen Alten, die auf
Holzbänken vor dem Haus saßen. Jetzt standen die Jungs vor der Jugendherberge —
und der sah man an, was es ehemals gewesen war: ein Gasthaus.
    Über dem Eingang konnte Tim den
verblichenen Schriftzug ,Zur Linde’ entziffern. Aber das war lange her und das
Schild ‚Jugendherberge Prinzenruh’ neu.
    „Hm!“, meinte Karl und rückte
an seiner Nickelbrille. „Man kann wohl davon ausgehen, dass es hier keine
20-Betten-Räume gibt. Sondern Doppel- und Vierbett-Zimmer. Ein ehemaliges
Gasthaus schreibt das geradezu vor. Haben wir alle unsere Mitgliedskarte
dabei?“

    Jeder besaß die
DJH-Mitgliedskarte — die vom Deutschen Jugendherbergswerk, was sich allemal
empfiehlt. Der Jahresbeitrag von nur 32 DM öffnet die Türen zu allen Herbergen
in Deutschland, Europa und weiter Welt. Natürlich kostet die Übernachtung dann
noch — je nach Standard und Land — zwischen 15 und 40 DM. Wer ohne Karte
anreist, zahlt sechs Mark mehr.
    Tim vermutete hier eher den
niedrigsten Satz und fand das auch bestätigt, als sich die drei bei dem
freundlichen Herbergsvater erkundigten, einem älteren Herrn mit Namen Sigurd
Gastfrey. Er hatte noch

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