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Im Schloss der schlafenden Vampire

Im Schloss der schlafenden Vampire

Titel: Im Schloss der schlafenden Vampire
Autoren: Stefan Wolf
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immer im Gürtel
trug.
    Der Mond war hinter Wolken
hervor gekommen. Tim sah den Kerl genau und begriff, was der vorhatte.
    Aber dazu kam es nicht mehr,
denn der TKKG-Häuptling stand nur eine Armlänge entfernt.
     
    *
     
    Tim beugte sich über den
Bewusstlosen, nahm die Pistole an sich und setzte gerade zu einer
selbstgebastelten Erklärung an. Aha! Also ein Einbrecher. Deshalb der
Schlossplan. Deshalb das Herumstreunen hier und...
    Weitere Überlegung unterblieb.
Denn ein ohrenbetäubender Knall im Ostflügel ließ Tim zusammenfahren. Einen
Moment später loderten Flammen hinter den rückseitigen Fenstern. Hier, dort und
dort und dort... Himmel! Der ganze Ostflügel war feuergefüllt. Jetzt wurde ein
Fenster der Verwalterwohnung aufgerissen und Edmund Vogt kletterte ins Freie,
wobei er unentwegt schrie.
    „Es brennt! Das Schloss brennt!
Feuer! Wie konnte das...“ Er sah Tim und rannte herbei. „Heh! Hast du
gezündelt? Warst du das?“
    „Werden Sie nicht komisch,
Mann!“ Tim wies auf Teckenburg. „Vermutlich war der das. Hier! Nehmen Sie mein
Handy und rufen Sie die Feuerwehr. Die Pistole gehört dem Typ. Halten Sie ihn
damit in Schach, falls er aufwacht. Aber ich glaube, das wird so schnell nicht
passieren. Ich muss nach den Kindern suchen, nach Lena und Tina. Oder wissen
Sie, wo die sind?“
    „Ich... ich weiß überhaupt
nichts.“
    Vonwegen!, dachte Tim.
Mitwisser und Beihelfer! Aber davon sage ich noch nichts. Sonst macht der
Mistkerl die Biege und tut nicht, was ich ihm auftrage.
    Tim wandte sich zum Moor. Über
den versteppten Boden rannte er in die Dunkelheit. Doch die Lichtverhältnisse
änderten sich jäh. Denn das alte Gemäuer schien wie Zunder zu brennen. Der
ganze Ostflügel wurde zur Lohe — und diese lodernde Fackel sandte ihr rot
glühendes Licht weit in die Nacht hinaus und wies Tim den Weg.
    „Lena! Tina!“ Er rief aus
voller Lunge. „Wo seid ihr?“
    Dabei drang er weiter vor und
war jetzt im Moor.
    Waren dort Stimmen?
Kinderstimmen weit vor ihm?
    Er blieb stehen und lauschte.
    „Lena! Tina!“
    Hinter ihm prasselten Flammen.
In der Ferne tönten Sirenen — eine, noch eine, die dritte, immer mehr. Da war
wohl eine Gemeinschaftsübung aller Feuerwehren des Bezirks in der Nähe gewesen
und aus dem Katastrophentraining wurde im Handumdrehen Ernst.
    Ist dem alten Kasten zu
wünschen, dachte Tim, schon allein wegen der Fledermäuse, die ja nicht so
leicht zu behausen sind wie Waldmäuse oder Raupen.
    Er horchte nach vorn und jetzt
hörte er’s: die Angst belegte Stimme eines kleinen Mädchens.
    „Hiiiiiiiilfe! Hiiiiiiiilfe!
Tina... inkt.“
    Ob ,ertrinkt’ oder ,versinkt’
konnte er nicht verstehen, aber das war auch nicht wichtig. Gefahr! Höchste
Eisenbahn! Er spurtete, sprang über Wasserlachen und dunkle Stellen, die nach
Sumpf aussahen, und war dankbar für den Schein des Feuers.
    Einen Moment muss es noch
brennen, dachte er grimmig. Sonst sehe ich hier nichts.
    Dann — nah vor ihm eine
Bewegung. Und Lenas Stimmchen: „Tina halt dich fest! Zu Hiiiiiiiilfe!“
    „Bin schon da!“

    Tim sprang neben Lena. Sie
kniete im riedartigen Gras, hatte einen langen Stock ausgestreckt und hielt ihn
über einen dunklen Tümpel, dessen fauliger Schlamm nicht viel dicker als Wasser
war.
    Tina zappelte darin und kämpfte
um ihr Leben, stumm vor Entsetzen, eingesunken schon in den tückischen
Untergrund bis an die Hüften. Der Sumpf schmatzte und gurgelte wie ein
Ungeheuer, das kleine Kinder frisst. Tina hielt sich verzweifelt am Ende des
Stockes fest, aber Lena hätte nicht die Kraft gehabt, ihre Schwester
herauszuziehen.
    Tim sah sofort: Dort links
reichte fester, jedenfalls gut bebüschelter Boden ziemlich dicht zu Tina heran
— eine nur halb so große Distanz wie von hier.
    Er sprang hin, war schon
bäuchlings, dachte keine Sekunde an seinen cremegelben Sommerblouson, schob
sich vor in die Pampe und streckte einen Arm aus.
    „Gib mir die Hand, Tina!“
    Kinderaugen, weit vor
Todesangst, sahen ihn an. Tinas Hände klammerten sich an dem Stock fest, der in
diesem Moment zerbrach. Tim erwischte die Kleine an der Schulter, ließ den
Zweig los, an dem er sich festhielt, und platschte sofort mit ganzem Oberkörper
und Gesicht in das unerwünschte Moorbad.
    Immerhin hatte er mit der
anderen Hand auch Tinas Arm gefasst. Rückwärts robbend zog er die Sechsjährige
aus dem Sumpf.
    Sie verlor beide Schuhe und
auch die Strümpfe. Dann hing sie in Tims Armen und begann herzzerreißend

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