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Im Schloss der schlafenden Vampire

Im Schloss der schlafenden Vampire

Titel: Im Schloss der schlafenden Vampire
Autoren: Stefan Wolf
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Zeitungen lagen herum und ein Ferkel hatte
den linken Türsitz vollgekrümelt. Gaby belegte einen Fensterplatz und stellte
ihren Rucksack ab. Er enthielt Wäsche zum Wechseln, die hellen Stretchjeans,
die neue blaue Regenjacke, einen Pullover — falls die drei Abende kühl wurden —
, Kulturbeutel und Schlafanzug. Außerdem einen dicken Schreibblock mit zwei
Kugelschreibern.
    Meine Arbeitsutensilien!,
dachte Gaby. Bin ja nicht zum Vergnügen dort. Nein, ich werde mitforschen. An
den kleinen Vampiren.
    13.56 Uhr
    Offenbar würde der Zug nicht
ganz leer bleiben. Ein paar Leute schlurften vorbei, schleppten Gepäck — oder
auch nicht — und stiegen weiter vorn ein.
    Gaby hörte die Geräusche von
draußen. Das Fenster war handbreit zum Lüften geöffnet. Hm! So eine
Bahnhofshalle klingt wirklich, als wären nur Verrückte unterwegs. Fast so
schlimm wie ein Fußballstadion, wenn Hooligans Zoff machen. Gaby spitzte die
Öhrchen. Dann wurden ihre Kornblumenaugen riesengroß und rund.
    „Wir steigen hinten ein,
Amigos“, sagte Tim. „Und arbeiten uns durch die Abteile nach vorn.“
    „Ist die beste Methode“,
pflichtete Karl bei. „Dann kann uns Pfote nicht entgehen.“
    „Vielleicht ist sie noch gar
nicht da“, meinte Klößchen.
    „Gaby ist absolut pünktlich“,
entgegnete Tim. „Sie kommt lieber zu früh als zu spät. Ist auch immer rechtzeitig
fertig, wenn ich sie zum Kino abhole und überhaupt. Sowas kannst du dir suchen.
Generell sind Mädchen eher unpünktlich — wird behauptet.“
    Gaby federte hoch von ihrem
Sitz und war schon an der Tür, als die Jungs — Tim voran — in den Gang traten,
allesamt mit Rucksäcken bebuckelt.
    „Hier bin ich!“, rief sie und
war fast wütend über die Erleichterung in ihrer Stimme.
    Grinsend schloss Tim seine
Freundin in die Arme. Bussi-Bussi. Von hinten her meinte Klößchen: „Das war
aber eine kurze Suche. Denn die beginnt man ja meistens am falschen Ende.“
    Gaby zog Tim ins Abteil, die
anderen folgten.
    „Also, ich bin... ich bin...“,
sie sah in die grinsenden Gesichter, „total überrascht. Wusste ja gar nicht,
dass ihr auch verreist. Wohin geht es denn?“
    Tim rieb seine Nase an der
seiner Freundin. „Aber Pfote! Wohin wohl?!“
    Klößchen schob sich vor und
machte den Clown. „Verzeihung, Lady, ist dies der Sonderflug der Lufthansa nach
London — oder etwa die Kleinbahn nach Prinzenruh?“
    „Ihr seid unmöglich!“ Gaby ließ
sich auf ihren Sitz fallen. „Dieses Wochenende — das war ausgemacht — arbeitet
ihr als freiwillige Helfer bei der Müllsammlung im Stadtwald und ich verschaffe
mir brandneues Material für meine Halbjahresarbeit in Bio, Abteilung schlafende
Vampire — auch Fledermäuse genannt.“
    „Im Stadtwald braucht man uns
nicht.“ Tim hatte seinen Rucksack auf die Gepäckablage gestellt und setzte sich
jetzt dicht neben Gaby. „300 Helfer haben sich gemeldet. Da müsste man noch
Müll extra auskippen, damit sie alle was zum Einsammeln haben. Außerdem...“ Er
stockte und rollte seinen Kaugummi in die andere Backe.
    „Außerdem?“ Gabys Blauaugen
leuchteten ihn an.
    „Ist natürlich Blödsinn! Aber
ich hatte plötzlich Muffe — dass es eigentlich besser wäre, wenn du in diesem
Spukgemäuer mit dieser Julia nicht ganz allein rum turnst.“
    „Wir sind nicht allein.“ Gaby
spürte Herzklopfen. „Der Schlossverwalter ist auch da.“
    „Ziemlich karge Belegung für 80
Zimmer, viel Dachboden, schaurige Keller und Nebengebäude.“
    Karl und Klößchen nickten. Karl
sagte todernst: „Im Spätsommer — also jetzt — beenden manche Arten von
Schlossgespenstern ihren überlangen Winterschlaf, werden nachtaktiv, sind
hungrig und erpicht auf junge Mädchen als Grillfleisch. Tim wurde richtig
übellaunig bei dem Gedanken, nicht in deiner Nähe zu sein.“
    Gabys Augen strahlten. Aber
ihre Miene war cool wie eine tiefgefrorene Forelle.
    „Also, Jungs! Ich finde es ja
riesig nett von euch. Aber unnötig. Vielleicht braucht euch der Stadtwald
nötiger als ich. Mit Gespenstern komme ich gut aus. Angst kenne ich überhaupt
nicht — wie ihr wisst. Iiiiiiiich würde auch ganz allein in dem Schloss die
Nächte verbringen und — schlafen wie ein Baby.“

    „Aha!“, sagte Karl.
    „Hört, hört!“, meinte Klößchen.
    Tief und prüfend blickte Tim in
Gabys Augen. Sie schwindelt, stellte er fest. Im letzten Moment sind ihr wohl
doch Bedenken gekommen. Aber nun ist alles vereinbart und Umkehr wäre Schande.
Vereint sieht die

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