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Ich und er und null Verkehr

Ich und er und null Verkehr

Titel: Ich und er und null Verkehr
Autoren: Kim Schneyder
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Ich
    Elke Heidenreich: »Frau Wilding, zuallererst muss ich mich
bedanken, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben. Ich nehme an, bei Ihrem
vollen Terminkalender war es gar nicht leicht, uns unterzubringen.«
    Ich: »Tja, was soll ich sagen, Frau Heidenreich: Es war natürlich
nicht einfach, aber für Sie habe ich ein paar andere, weniger wichtige Termine
zurückgestellt.«
    Elke Heidenreich (geschmeichelt errötend): »Dieses Kompliment nehme
ich dankend an. Doch nun zu Ihrem Buch: Hätten Sie vor Erscheinen damit
gerechnet, dass es ein derartiger Erfolg werden würde?«
    Ich (werfe mein Haar zurück und lächle bescheiden): »Nun, vor
Erscheinen eines Buches kann man natürlich nie genau sagen, wie gut es sich
dann tatsächlich verkaufen wird, aber so viel will ich doch verraten: Ich hatte
eine Vorahnung.«
    Elke Heidenreich: »Im Gegensatz zu so manchem Verleger. Wie man
hört, gab es tatsächlich einige Verlage, die Ihr Buch abgelehnt haben. Ist das
zu fassen?« (Lacht.)
    Ich (ebenfalls lachend): »Sollte man gar nicht glauben, was? Aber
gut, ich habe das Manuskript auch nur einigen ausgesuchten Verlagen angeboten,
und da dürften einige ein bisschen geschlafen haben.«
    Elke Heidenreich: »Ein bisschen geschlafen ist gut! Die haben sich
die größte Buchsensation der letzten Jahrzehnte durch die Lappen gehen lassen.«
    Ich (gespielt verlegen): »Och, jetzt übertreiben Sie aber, Frau
Heidenreich.«
    Elke Heidenreich (aufgeregt in ihren Unterlagen blätternd): »Ich
übertreibe? Sie haben mittlerweile die Auflagen von Dan Brown und Joanne Rowling
übertroffen, und Experten gehen davon aus, dass Ihr Buch in absehbarer Zeit
sogar die Bibel überholen wird.«
    Ich (mit einer lässigen Handbewegung): »Das mag schon stimmen, aber
das war mir gar nicht wichtig. Mir ging es einzig und allein darum, ein gutes
Buch zu schreiben, um den Menschen …« (ich suche scheinbar nach den richtigen
Worten) »… Freude zu bereiten und um eine Botschaft zu vermitteln, die sie auf
ihrem Lebensweg begleiten soll. Wenn ich das erreicht habe, bin ich schon
zufrieden.«
    Elke Heidenreich (sichtlich verblüfft): »Nicht zu fassen! Wie kann
eine Frau mit Ihrem Erfolg nur so bescheiden bleiben … noch dazu, wenn sie so umwerfend gut aussieht?«
    Ich (wieder mit bescheidenem Lächeln): »Tja, äh …«
    Plötzlich schnipst eine Hand vor meiner Nase herum.
    Â»Erde an Sandra, Erde an Sandra! Hallo, bist du noch da?« Die Hand
gehört meiner Freundin Susi. »Träumst wohl schon vom großen Bestseller, was?«
Sie mustert mich grinsend.
    Â»Ich, äh … nein, natürlich nicht. Wie kommst du überhaupt darauf?«
    Â»Weil du strahlst wie ein Honigkuchenpferd, die ganze Zeit schon«,
stellt sie fest.
    Womit sie recht haben dürfte. Ich schwebe tatsächlich auf Wolke
sieben. Als ich den Brief vom Beckstein-Verlag mit zitternden Händen las,
machte mein Herz einen dreifachen Salto vor Freude.
    Ein Verlag interessiert sich für mein Buch! Und nicht etwa irgendein
Verlag, sondern einer von den ganz großen. Und mir hat auch keine Sekretärin
geantwortet oder ein einfacher Lektor, sondern der Chef höchstpersönlich.
    Dr. Steffen Baumann, Verlegerische
Geschäftsführung.
    Was auch immer »verlegerische Geschäftsführung« bedeuten mag, aber
jedenfalls einer von den großen Bossen.
    Ich habe Ihren Textausschnitt mit Interesse
gelesen und würde nun gerne mehr sehen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie
mir den ganzen Text einmal unverbindlich zukommen ließen. Gerne würde ich auch
ein bisschen mehr zu Ihrer Person erfahren.
    Nun, das kann er haben, und zwar umgehend. Nachdem ich den ersten
freudigen Schock überwunden hatte, setzte ich gleich eine ganze Reihe von
Aktivitäten in Gang. Als Erstes rief ich alle meine Verwandten, Freunde und
Bekannten an, um ihnen von der fantastischen Nachricht zu erzählen. Dann packte
ich etwa die Hälfte meiner Kleider ein und fuhr schnurstracks hierher in Susis
Wohnung, wo ich bis vor einem Jahr gewohnt habe und wo sich noch immer mein
Büro befindet. (Okay, Büro ist vielleicht ein bisschen übertrieben. In Wahrheit
habe ich bloß den Computer in meinem alten Zimmer stehen gelassen, weil Susi
den Platz ohnehin nicht benötigt.)
    Susi ist nämlich ein wesentlicher Teil meiner Planung. Sie hat

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