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Ich habe Jakobs Arsch geküsst: Von Pilgern und Bettwanzen: 800 Kilometer unterwegs auf dem Jakobsweg

Ich habe Jakobs Arsch geküsst: Von Pilgern und Bettwanzen: 800 Kilometer unterwegs auf dem Jakobsweg

Titel: Ich habe Jakobs Arsch geküsst: Von Pilgern und Bettwanzen: 800 Kilometer unterwegs auf dem Jakobsweg
Autoren: Peter Messner
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Vorwort von Gregor Weber: Eigentlich hätte ich ja mitgehen sollen. Wirklich. Peter hatte mich dazu eingeladen, den Weg mit ihm zu gehen, ein Stück davon oder auch ganz. Und das, obwohl wir uns noch nicht lange kannten. Vermutlich haben ihm die Umstände unseres Kennenlernens genügend Vertrauen eingeflößt - wir sind uns als Wehrübende begegnet.
    Bei der Bundeswehr wird viel zu Fuß gegangen, oft auch mit schweren Rücksäcken, man wird mit Leuten zusammengeworfen, die man sich nicht aussuchen kann und trägt zweckmäßige, aber nicht übermäßig attraktive Kleidung. Und ein Großteil des umgebenden Personals, wie auch man selbst, konfrontiert sich im Laufe der Dienstverrichtungen häufig mit Sinnfragen. Im Grund also Jakobsweg pur.
    Leider standen meiner Teilnahme an Peters Unternehmen eine Menge beruflicher Termine im Wege, doch ich dachte häufig an ihn und daran, wie schade es ist, dass ich die Gelegenheit nicht nutzen konnte, mich mit gebotener Skepsis - daran mangelt es Peter nämlich nie - aber dennoch offenem Geist - auch darüber verfügt er in mehr als ausreichendem Maß - dem Phänomen „Pilgern“ und der beschwerlichen Freude des Weges auszusetzen.
    Wie froh bin ich also, dass er dieses Buch geschrieben hat. So kann ich in aller heimischen Gemütlichkeit den Weg mit ihm doch noch gehen. Dabei das Bier trinken, an das er beim Pilgernuntertags sicher oft seufzend gedacht hat und die Reise, vor allem aber die Menschen, denen er begegnet ist oder denen er sich wohl manchmal auch ausgesetzt fühlte, durch seinen sehr besonderen Blick sehen. Miterleben, wie der freundliche Spötter, der er sein kann, immer wieder freiwillig und froh die Distanz verliert, weil er weiß, dass man einen solchen Weg mit so vielen Menschen und ihren Träumen nicht unberührt wandern darf.
    Und wer weiß, vielleicht mache ich mich dann doch auch mal selbst auf den Weg…
    (Gregor Weber ist als Autor und Schauspieler mit seinen Rollen als Saarländischer Tatort-Kommissar oder auch als Sohn Stefan aus der Comedy-Serie „Familie Heinz Becker“ bekannt. Zuletzt schrieb er den Bestseller „Kochen ist Krieg“ und den Krimi „Feindberührung“.)

Ich habe jetzt Freunde in Kanada. Was uns verbindet, ist ein langer, gemeinsamer Weg. Wir sind uns in Nordspanien buchstäblich über den Weg gelaufen - und wir haben Jakobs Arsch geküsst.
    Doch Schritt für Schritt: Eines Tages im Spätsommer stehe ich mit einem Rucksack und einem Schlapphut als Pilger verkleidet in Südfrankreich rum.
    Noch ahne ich nur, was sich mir außer 800 Kilometern in den kommenden Wochen alles in den Weg stellen würde. Es werden schon bald existenzielle Fragen aufgeworfen: Kann man den Camino eigentlich aus dem Weltall sehen, wie die chinesische Mauer? Und wo soll das alles hinführen?
    In dem Dörfchen St. Jean Pied de Port steht man nicht alleine rum. Hier beginnt für viele Menschen der „Französische Weg“ - der Camino Frances Richtung Santiago de Compostela. Das Dorf hat es zwar weder mit seinem Auftritt noch mit seinem Flair verdient, aber St. Jean ist einer der prominenten Startorte des Jakobsweges, der seit fast 1100 Jahren ganz ans andere Ende Spaniens führt.
    Um gleich von Anfang an keine Missverständnisse entstehen zu lassen: Ich bin noch nie gern lange zu Fuß gegangen. Ich springe weder aus intakten Flugzeugen noch träume ich davon, alle Achttausender ohne Unterwäsche zu besteigen. Nicht umsonst hat die menschliche Intelligenz sofeine Hilfsmittel wie den Verbrennungsmotor erfunden, um größere Entfernungen zurücklegen zu können. Außerdem trage ich wirklich ungern Rucksäcke. Ich bin daher nicht der Einzige, der in St. Jean in seiner Pilgerverkleidung ein wenig unecht wirkt. Zwar sind auch die sonnenverbrannten Gesichter ausgemergelter Leistungssportler zu erkennen, viele aber sind kleine, bleiche Dickerchen, die sich bewegen, als hätten sie sich gerade erst mit Mühe vom Schreibtisch zur Mittagspause erhoben. Ich möchte ihnen wie im Büro ein fröhliches „Mahlzeit“ zurufen. Ein einziger Blick genügt um zu erkennen, dass sich hier nicht jeder in das große Geschichtsbuch der Jakobspilgerei einschreiben wird.
    Die ersten potenziellen Mitpilger versuche ich schon bei meiner Anreise im Flugzeug ins mondäne französische Seebad Biarritz zu identifizieren. Wer hat rustikale Hosen mit abzippbaren Hosenbeinen und die unvermeidlichen Wanderschuhe an? Im Zug schließlich, der die Fahrgäste in eine zunehmend hügelige Landschaft am

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