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Sternenfaust - 130 - Inferno auf Hegel III

Sternenfaust - 130 - Inferno auf Hegel III

Titel: Sternenfaust - 130 - Inferno auf Hegel III
Autoren: Anonymous
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    Lieutenant Commander Dr. Ashkono Tregarde, den seine Freunde Ash nannten, berührte mit kalten Händen den Touchscreen seines medizinischen Scanners, warf einen kurzen Blick auf die schematische Anzeige des dreidimensionalen Bildschirms und spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss, während sein Herz zu rasen begann.
    Die Zeit stand still.
    Ash schluckte und holte tief Luft.
    Vor ihm rotierte eine 3D-Darstellung des Gehirns seiner Patientin. Es war eine vom Computer kreierte Grafik, mit scharfen Konturen und in bunten Farben. Eine schematische Darstellung. Wie eine der vielen Diagramme im Maschinenraum, die den Energieverbrauch anzeigten. Doch der Vergleich passte nicht. Ganz und gar nicht. Das, was er hier sah, war nichts Künstliches. Es war das Organ eines Menschen.
    Vor ihm rotierte ein dreidimensionales Bild des Gehirns seiner Patientin. Die Grafik zeigte das Adergeflecht rot, die Medulla weiß und den Cortex grau. Das ektodermale Gewebe wurde gelb, die Gliome und Astrozytome wurden orange dargestellt.
    So weit, so gut. Ash unterdrückte einen Seufzer und versuchte erfolglos, den Kloß, der pochend in seinem Hals steckte, herunterzuschlucken.
    Leider war da noch etwas anderes. Etwas, das gar nicht gut war.
    Es war die Farbe Lila. Sie gesellte sich schimmernd und leuchtend zu den anderen Farben. Überall zog sich das giftig schimmernde Violett durch das Gehirn. Es wucherte in dem organischen Gewebe wie blauer Schimmel, der sich in einem Weichkäse ausbreitete.
    Violett – die Farbe des Todes. Sie leuchtete ihm aus fast allen Hirnlappen des Großhirns und aus den Frontal- und Temporallappen entgegen. Sogar das Kleinhirn war befallen. Befallen von etwas, das in der Fachsprache als Glioblastome bezeichnet wurde.
    Im Grunde eine Bagatelle.
    Das gibt es doch einfach nicht , dachte Ash Tregarde. Wir leben doch nicht mehr im 22. Jahrhundert. Ich lass mich doch nicht von einer Banalität besiegen!
    Zyto-Nan-Rep, das Heilmittel gegen Glioblastome, war vor fast hundert Jahren entwickelt worden. Und inzwischen konnte es jeder Hausarzt einsetzen. Wenn man ehrlich war, brauchte man dafür gar keinen Mediziner mehr. Die Behandlung war normalerweise idiotensicher. So einfach, dass man das Zyto-Nan-Rep bei Kindern bereits prophylaktisch verabreichte.
    Da stand er nun. In seinem eigenen medizinischen Untersuchungsraum, in dem er sich heimischer fühlte als seinem Privatquartier. Und er konnte sich nicht erinnern, wann er sich hier zuletzt derart hilflos vorgekommen war.
    Ash war leitender medizinischer Offizier der STERNENFAUST. Experte für Neuropsychologie und Bioinformatik. Für seine Erfolge im Bereich der Virologie hatten er und sein Forschungsteam einst den Nobelpreis gewonnen. Doch in diesem Moment empfand er die lähmende Ratlosigkeit eines Anfängers.
    Verlegen zupfte Ash Tregarde an seiner anthrazitfarbenen Star-Corps-Uniform herum und entfernte Fusseln, die gar nicht da waren. Auf seinem Rücken spürte er förmlich den hoffnungsvollen Blick seiner Patientin. Noch immer versuchte er, das Unvermeidliche hinauszuzögern.
    Denn nun war der Moment da, vor dem er sich so lange gefürchtet hatte.
    Er musste nun endlich zugeben, dass er nicht mehr weiter wusste. Dass er mit seinem Latein am Ende war.
    Ash hatte alle Ideen und Möglichkeiten ausgeschöpft. Seit vier Monaten behandelte er seine Patientin an etwas so einfachem wie einem schlichten Gehirntumor. Doch das Zyto-Nan-Rep sprang nicht an. Das Nanitenserum spürte normalerweise alle mutierten Zellen auf und verhinderte eine erneute Zellteilung. So simpel war es. In der Theorie so einfach, dass die Frage »Wie funktioniert das Zyto-Nan-Rep?« nur noch in einem Kinderquiz gestellt wurde.
    Warum stand er dann jetzt vor einem Rätsel? Fast schien es so, als wäre das mutierte Zellgewebe für das Zyto-Nan-Rep unsichtbar. Die Naniten verhielten sich so, als würden sie einem völlig gesunden Patienten verabreicht: Sie blieben untätig. Sie reagierten nicht auf die mutierten Zellen.
    Plötzlich kam sich Ash vor wie ein Arzt aus dem Zeitalter der Moderne: Er konnte den Tumor genau lokalisieren und scannen. Er erkannte alle Prozesse und biologischen Abläufe. Und doch war er vollkommen machtlos. Er konnte seine Patientin nur darüber aufklären, wie krank sie war und was genau in ihrem Körper vorging. Doch heilen konnte er sie nicht.
    Sollte er am Ende wirklich auf eine Behandlung mit Zytostatika setzen? Eine Laseroperation in Kombination mit adjuvanter Bestrahlung?

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