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Heimkehr am Morgen (German Edition)

Heimkehr am Morgen (German Edition)

Titel: Heimkehr am Morgen (German Edition)
Autoren: Alexis Harrington
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Schreibtisch die Hand entgegen. »Schön, dass Sie wieder da sind, Frau Doktor.«
    Als sie einschlug, bereute sie bereits ihre Entscheidung. »Aber nur vorübergehend, Mr. Cookson. Nur vorübergehend.« Sie stand auf. »Und Sie sehen nach Ed? Ich habe ihn in der Praxis gelassen.«
    »Sicher, sicher, ich muss nur noch ein bisschen von diesem Papierkram hier erledigen.« Er tippte auf die Papierstapel. Jessica hätte nie gedacht, dass die Verwaltung einer Kleinstadt so zeitaufwändig war.

Kapitel 2
    Cole Braddock hielt den Huf der Stute zwischen seinen Knien und nagelte ihr Hufeisen ordentlich an. Zwar hatte Jeremy, der Junge, der ihm nach der Schule zur Hand ging, bereits damit angefangen, aber Cole musste es noch einmal neu machen. Der Junge lernte schließlich noch, und da blieben Fehler nicht aus. Normalerweise hätte Cole Jeremy seinen Schnitzer selbst ausbügeln lassen, aber er hatte ihn nach Hause geschickt, weil seine Mutter krank war.
    Ein paar Spatzen, die aufgereiht in den Dachsparren saßen, begannen zu tschilpen und flattern. Roscoe, Coles schwarzweißer Hütehund, kommentierte es mit einem Jaulen und ließ sich dann auf seine vier Buchstaben nieder, um der weiteren Dinge zu harren.
    Amy hatte Cole angebettelt, mit ihr und Jess im Hotel zu essen, und jetzt wusste er nicht, wie er sich da wieder herauswinden sollte. Wie sie ihn angesehen hatte mit ihren grünen Augen mit den langen Wimpern, wie sie an seinen Lippen gehangen hatte, da war er einfach weich geworden. Dabei war ein Essen mit Jess und ihr das Letzte, was er wollte. Warum war Jess Layton zurückgekommen? Mit jedem Aufprall des Hammers auf den Nagel fragte er sich:
Warum?
Er hatte natürlich damit gerechnet, dass sie ihre Schwester besuchen würde, aber verdammt …
    Das Wiedersehen mit Jess hatte einen Cocktail an Gefühlen in ihm ausgelöst, von denen das stärkte Wut war. Sie war immer noch so schön, dass sie die Blicke der Männer auf sich zog. Und doch wirkte sie zerbrechlicher als früher, vielleicht ein bisschen erschöpft. Einen Augenblick fragte er sich, wie es ihr wohl ergangen war. Dann dachte er an alles, was zwischen ihnen passiert war, und wieder packte ihn die Wut. Verdrossen drosch er auf den Nagel ein, bis das Pferd sich schnaubend beschwerte, den Kopf zur Seite neigte und ihn mit einem vorwurfsvollen Blick bedachte.
    Er starrte in das braune Pferdeauge und holte tief Luft. Wirklich, er benahm sich wie ein Idiot. »Tut mir leid, Molly«, murmelte er, den Mund voller Nägel.
    War er nicht ein Glückspilz? Bald würde er sich mit Amy verloben, einer wundervollen Frau, einer Frau, die alle Eigenschaften besaß, die sich ein Mann von einer Ehefrau wünschen konnte. Hübsch, sanftmütig, von bezaubernder Unschuld, eine gute Köchin und erwartungsfreudige Mutter.
    Alle liebten Amy.
    Sie ließ ihn nicht zappeln oder strapazierte seine Geduld bis aufs Äußerste, bevor sie ihn vom Haken nahm und wieder ins Wasser warf wie Jess. Sie zu heiraten war definitiv ein kluger Plan.
    Nach der Hochzeit hätte er dann all die guten Dinge im Leben wie Riley – na ja, bis auf die Tatsache, dass er kein Soldat war. Dieses Thema war ein Streitpunkt zwischen den Brüdern. Cole hatte sich nach der Kriegserklärung Amerikas an Deutschland sofort freiwillig melden wollen. Er hatte nach Frankreich gehen und seinen Beitrag zum Sturz des deutschen Kaisers leisten wollen. Aber Riley, der zwei Jahre älter war als er und schon immer bekommen hatte, was er wollte, war ihm zuvorgekommen.
    Und wie Pop es liebte, mit seinem Soldatensohn anzugeben.
    Cole nahm einen weiteren Nagel aus dem Mund und steckte ihn in Mollys Hufeisen. Er konnte Pops rostige Stimme hören, wie er sich unaufhörlich über Rileys Heldentaten ausließ, von denen viele reine Fantasieprodukte waren. Aber das wussten die alten Knaben in Tilly’s Soda Fountain ja nicht, oder vielleicht war esihnen egal, jedenfalls ritt Pop, sofern seine steifen Gelenke es zuließen, dass er ein Pferd sattelte und aufstieg, gern hinüber zu Tilly’s, um Whiskey aus einem Limonadenglas zu trinken und den Jungs Geschichten von Corporal Riley Braddock zu erzählen. Zwei Jahre, nachdem man in Oregon die Prohibition eingeführt hatte, wurde bei Tilly’s nach wie vor Alkohol verkauft, nur wurde er jetzt anders serviert.
    Pferde an die Alliierten und die amerikanische Armee zu liefern war im Gegensatz dazu keine Glanztat, für die einem bei Tilly’s ein Drink spendiert wurde. Aber es war eine große Aufgabe, und

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