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Diplomat Im Abseits

Titel: Diplomat Im Abseits
Autoren: Georg R. Kristan
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    Eingereist war sie mit der Swirna-Airlines als »Frauenwunder aus Südostasien«. Während des Fluges in der Business-Class hatte sich eine Stewardeß auffallend sorgfältig um sie gekümmert. Zwischen den beiden schien ein Vertrauensverhältnis zu bestehen, das eine längere Bekanntschaft vermuten ließ.
    Die Stewardeß hatte dafür gesorgt, daß Subin Tairong auf einem der Sessel in der vorderen Sitzreihe Platz nehmen konnte. Diese Reihe wurde für das Kabinenpersonal freigehalten, wenn die Maschine nicht voll ausgebucht war.
    Während des vierzehnstündigen Fluges von Bangkok nach Hamburg hatte Subin immer wieder in den Hochglanzprospekten geblättert, die Hamburg von seiner schönsten Seite zeigen: Rathaus, Alster, Jungfernstieg, St. Michaelskirche, die Vielfalt des Hafens mit seinen Überseeschiffen und die Reize der Elbchaussee mit den Patrizierhäusern hinter gesicherten Vorgärten. Ihr fiel es schwer, sich vorzustellen, daß dort in Klein-Flottbeck in einer Villa am Jenischpark ein wohlhabender Mann auf sie wartete, der sie heiraten wollte.
    Subin Tairong wußte, daß sie in diese Verbindung mit einem Europäer nichts anderes einbringen konnte als ihre exotische Schönheit, ihre Sanftmut, ihre Geduld und den Willen zur Liebe. Sie ahnte, daß sie der Typ war, von dem die Männer träumen, die mit den Sex-Jumbos anreisen, um in Manila, Bangkok, Pattaya oder einem der anderen Frauenmärkte Südostasiens die Ware Liebe zu kaufen.
    Subins tiefbraune Augen hatten die Form, die mit dem Begriff »mandelförmig« in ein viel zu abgegriffenes Klischee gepreßt war. Die zarten, leicht geschwungenen Augenbrauen betonten ein fein geschnittenes Gesicht, das von einer dunklen Kurzhaarfrisur gerahmt wurde. Subin war zierlich und wirkte mit ihrem schüchternen Lächeln geheimnisvoll und schutzbedürftig. In dem kimonoartig geschnittenen Kleid zeichneten sich kleine, aber feste Brüste herausfordernd ab.
    Subin Tairong dachte an zu Hause. Ihre durch den frühen Tod des Vaters verarmte Mutter mit noch drei jüngeren Kindern hatte ihren ganzen Verdienst aus dem kleinen Seidenwarengeschäft hergegeben und hohe Kredite aufgenommen, um ihrer Ältesten bei einem obskuren Lehrer eine Ausbildung in deutscher Sprache und europäischer Lebensart zu ermöglichen. Ängstlich hatte sie darüber gewacht, daß Subin den Strolchen Bangkoks nicht zu nahe kam, so daß sie als Jungfrau in Europa einen Mann finden konnte. – Nun war die Tochter achtzehn Jahre alt und auf dem Weg in die unendlich ferne Welt zu Reichtum und Glück.
    Subins Lehrer hatte schon manchem Mädchen den Sprung in das versprochene Paradies ermöglicht; er arbeitete mit einer Stewardeß der Swirna-Airlines zusammen, die in der ganzen Welt gute Beziehungen zu den besseren Kreisen der Gesellschaft hatte. Viele der von ihr vermittelten Mädchen schickten regelmäßig höhere Beträge an ihre Eltern und Geschwister. Auch Subin würde Geld schicken; sie würde helfen, die Schulden der Mutter abzutragen, für die Geschwister zu sorgen, und sie würde auch die Flug- und Betreuungskosten aufbringen, die ihr die Stewardeß vorgestreckt hatte.
    Als die Boeing 747 in Hamburg-Fuhlsbüttel gelandet war, blieb Subin zurück, bis die anderen Fluggäste ausgestiegen waren. Sie war voller Erwartung und fühlte sich ein wenig unsicher. Die freundliche Stewardeß holte das Handgepäck aus der Ablage und lächelte ihr zu. Nachdem sie am Gepäckband den Koffer in Empfang genommen hatte, geleitete sie ihren Schützling zum Parkplatz, wo ein sehr selbstbewußt wirkender Herr mittleren Alters in einem tadellos gepflegten schwarzen BMW wartete. Dieser Mann mit dunklem Haar, glatt rasiert, athletisch gebaut, trug eine große Sonnenbrille, die er auch zur Begrüßung nicht abnahm.
    Als er Subin mit der Stewardeß sah, hatte er noch schnell einen Blick in den Katalog geworfen, in dem die von seiner Agentur »Felicidad« vermittelten Frauen aus Übersee mit vielversprechenden Farbfotos abgebildet waren. Die nicht sehr detaillierten Angaben zur Person mündeten in der Feststellung, daß die angebotenen Thailänderinnen, Philippinas und Indonesierinnen dem deutschen Mann in Liebe und Ehe mehr, besseres und anderes bieten konnten als die heimischen Gewächse. Ihr Wert lag zwischen fünftausend und zwanzigtausend Mark. Eine Art Rückgaberecht bei Nichtbewährung oder gegenseitiger Abneigung gehörte bei der Agentur zu den Geschäftsgrundlagen. Paolo Muskitus, der in Anlehnung an seinen

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