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Taylor Jackson 05 - Symbole des Bösen

Taylor Jackson 05 - Symbole des Bösen

Titel: Taylor Jackson 05 - Symbole des Bösen
Autoren: J.T. Ellison
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1. KAPITEL
    Nashville, Tennessee
31. Oktober
15:30 Uhr
    Taylor Jackson stand stramm, die Arme hinter dem Rücken, ihre blaue Uniform kratzte an den Handgelenken. Die Situation war ihr mehr als nur ein wenig peinlich. Sie hatte gebeten, dass es ohne große Zeremonie vonstattengehen würde. Ein einfaches „So, hier hast du deinen Job wieder“ hätte ihr genügt. Aber der Chief wollte davon nichts hören. Er hatte darauf bestanden, dass sie nicht nur ihren Rang als Lieutenant wiederbekam, sondern zudem in einer öffentlichen Zeremonie ausgezeichnet wurde. Ihr Gewerkschaftsvertreter war ganz begeistert und hatte auf ihren Wunsch hin die Klage gegen das Department fallen lassen, die Taylor nach ihrer unrechtmäßigen Degradierung hatte einreichen müssen. Sie war ebenfalls zufrieden. Sie hatte darum gekämpft, ihre alte Position zurückzuerhalten und fand es jetzt sehr angenehm, das alles hinter sich lassen zu können. Doch dieses Brimborium war ihr ein wenig zu viel.
    Es war ein langer Nachmittag gewesen. Taylor fühlte sich wie ein Zirkuspferd und errötete unter den übertriebenen Lobgesängen auf ihre Karriere, ihre Rolle beim Ergreifen des Dirigenten, eines Serienmörders, der zwei Frauen ermordet und eine dritte entführt hatte, bevor er mit Taylor auf den Fersen aus Nashville geflohen war. Sie hatte ihn in Italien festgenommen und die Geschichte hatte es sofort auf die Titelseiten der internationalen Zeitungen gebracht, weil ihr gleichzeitig mit ihm einer von Italiens berüchtigsten Serienmördern ins Netz gegangen war. Il Macellaio. In einer Welt, in der die neuesten Nachrichten immer nur einen Mausklick entfernt waren, hatte das Ergreifen von zwei Serienmördern so viel Aufmerksamkeit erregt, dass der Chief gezwungen gewesen war, etwas zu unternehmen.
    Taylor wurde nicht nur wieder in den Rang des Lieutenants erhoben, sie hatte auch die Leitung der Mordkommission zurück und ihr altes Team wieder um sich versammelt. Detectives Lincoln Ross und Marcus Wade waren aus dem südlichen Sektor zurückbeordert worden, und nach einer längeren Unterhaltung mit dem Chief hatte Taylor ihn davon überzeugen können, auch Renn McKenzie zu einem festenTeil des Teams zu machen. Sie hatte ihre Jungs wieder.
    Nun ja, die meisten von ihnen.
    Pete Fitzgerald war wie vom Erdboden verschwunden. Das letzte Mal hatte Taylor mit ihm gesprochen, als er mit seinem Schiff im Hafen von Barbados lag und auf Ersatzteile für seinen Motor wartete. Er hatte sie angerufen, um ihr zu sagen, dass er ihren alten Erzfeind gesehen hätte. Seitdem hatte sie nichts mehr von Fitz gehört. Sie machte sich furchtbare Sorgen und war überzeugt, dass der Pretender ihn sich geschnappt hatte – ein obszöner, grausamer Mörder, der es schaffte, in ihre Träume einzudringen und an den sie selbst in wachen Augenblicken immer wieder denken musste. Ein Mörder, den Taylor bisher nicht gefasst hatte; der eine, der davongekommen war.
    Mittlerweile machte sie sich noch größere Sorgen, da die Küstenwache letzte Woche einen Notruf vor der Küste North Carolinas auffing. Das GPS-Signal passte zu der registrierten Nummer von Fitz’ Boot. Doch trotz tagelanger Suche war nichts gefunden worden. Die Küstenwache hatte die Suche abbrechen müssen, und da kein Verbrechen geschehen war, konnte die Polizei von North Carolina sich nicht einschalten. Taylor hatte das North Carolina State Bureau of Investigation angerufen, in der Hoffnung, dass man die Sache dort anders sähe, doch bisher hatte sie noch keine Rückmeldung erhalten.
    Taylor versuchte den Gedanken an Fitz zu verdrängen, an seinen geschundenen, geschlagenen Körper, an das, was der Pretender ihm antat oder angetan hatte. Schuldgefühle übermannten sie, ließen ihr das Blut in den Adern gefrieren. Sie hatte den Pretender herausgefordert, hatte ihm gesagt, er solle doch kommen und sie holen. Doch statt ihrer hatte er sich ihren Freund geschnappt, dessen war sie sicher. Den Mann, der ihr abgesehen von Baldwin am nächsten stand. Ihren Vaterersatz. Sie war vermutlich dafür verantwortlich, dass Fitz umgebracht worden war, und dieses Wissen war nur schwer für sie zu ertragen.
    Sie schaute sich in der Menge um, ließ ihren Blick über den See aus blauen Anzügen vor sich schweifen. John Baldwin, ihr Verlobter, saß in der ersten Reihe und grinste. Sein Haar war schon wieder zu lang, die schwarzen Wellen fielen ihm in die Stirn und über die Ohren. Sie widerstand dem Drang, die Augen zu verdrehen; das würde

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