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Die Morde des Herrn ABC

Die Morde des Herrn ABC

Titel: Die Morde des Herrn ABC
Autoren: Agatha Christie
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Ohne diesen Brief hätte ich mein Geld auf Ascher als Täter gesetzt.»
    «Wissen Sie irgendetwas über Mrs. Aschers Vergangenheit?»
    «Sie stammte aus Hampshire, ging schon als junges Mädchen nach London in Stellung, traf dort mit Ascher zusammen und heiratete ihn. Während des Krieges hatten sie es nicht leicht. 1922 verließ sie ihn endgültig. Damals lebten sie noch in London. Sie kam hierher, um aus seinem Blickfeld zu verschwinden; aber er bekam heraus, wohin sie gezogen war, und folgte ihr, um sie hier dauernd um Geld anzugehen…»
    Ein Constable trat ein.
    «Ja, Briggs, was ist los?»
    «Wir haben Ascher, Sir.»
    «Gut. Führen Sie ihn herein. Wo ist er gefunden worden?»
    «Er hatte sich in einem Güterwagen auf dem Bahnhof versteckt.»
    «Tatsächlich? Also, herein mit ihm!»
    Franz Ascher war zweifellos eine Elendsfigur und wirkte abstoßend. Er stammelte verworren, war unterwürfig und im nächsten Augenblick anmaßend und frech. Seine trüben Augen huschten verschlagen von einem Gesicht zum anderen.
    «Was wollen Sie von mir? Ich habe nichts getan. Es ist eine Affenschande und eine Gemeinheit, dass man mich hierher bringt! Ihr Schweine! Dazu habt ihr kein Recht!» Plötzlich änderte er seinen Ton. «Nein, nein, so habe ich es nicht gemeint – Sie werden einem armen, alten Mann doch nichts antun, nicht wahr? Sie werden nicht hart zu ihm sein. Alle Leute sind hart und böse mit dem armen, alten Franz. Armer, alter Franz!»
    Mr. Ascher fing an zu weinen.
    «Schluss damit, Ascher», sagte der Inspektor. «Nehmen Sie sich zusammen. Ich habe keinerlei Anklage gegen Sie erhoben – noch nicht. Und Sie sind nicht verpflichtet auszusagen, wenn Sie nicht wollen. Andererseits, wenn Sie nichts mit dem Mord an Ihrer Frau zu tun haben…»
    Ascher unterbrach ihn mit einem gellenden Aufschrei.
    «Ich habe sie nicht getötet! Ich habe es nicht getan! Es ist eine Lüge! Ihr alle seid gottverdammte englische Schweine – alle gegen mich. Ich habe sie nicht umgebracht – ich nicht!»
    «Sie haben aber ziemlich oft damit gedroht, Ascher.»
    «Nein! Aber nein! Das verstehen Sie nicht. Das war doch nur ein Scherz – ein Spaß zwischen Alice und mir. Sie wusste das.»
    «Eine seltsame Art von Scherz! Wollen Sie mir sagen, wo Sie gestern Abend waren, Ascher?»
    «Ja, natürlich – alles will ich Ihnen sagen. Ich habe Alice nicht einmal gesehen. Ich war mit Freunden, mit sehr guten Freunden zuerst in den ‹Seven Stars›, dann im ‹Red Dog› und dann…»
    Er sprach so schnell, dass er sich dauernd verhaspelte.
    «Dick Willows – er war bei mir – und der alte Curdie und George – und Platt und noch viele andere. Ich sage Ihnen, dass ich Alice nie auch nur in die Nähe gekommen bin. Ach Gott! Es ist wahr, was ich Ihnen sage!»
    Er begann wieder zu schreien. Der Inspektor nickte seinem Untergebenen zu.
    «Führen Sie ihn ab. Untersuchungshaft.»
    «Ich weiß nicht, was ich davon halten soll», sagte er, als der unappetitliche, zitternde alte Mann mit dem verschlagenen Blick abgeführt worden war. «Wenn ich den Brief nicht gesehen hätte, würde ich jetzt behaupten, er sei der Täter.»
    «Was ist mit den Leuten, die er vorhin erwähnte?»
    «Eine üble Bande. Nicht einer von ihnen würde vor einem Meineid zurückschrecken. Ich zweifle nicht daran, dass er den größten Teil des Abends tatsächlich mit ihnen verbracht hat. Jetzt hängt alles davon ab, ob er zwischen halb sechs und sechs Uhr in der Nähe des Ladens gesehen worden ist.»
    Poirot schüttelte nachdenklich den Kopf.
    «Sind Sie ganz sicher, dass nichts aus dem Geschäft gestohlen wurde?»
    Der Inspektor zuckte die Achseln. «Das kommt darauf an. Vielleicht sind ein, zwei Päckchen Zigaretten mitgenommen worden; aber dafür würde doch kein Mensch einen Mord begehen!»
    «Und wurde auch nichts – wie soll ich sagen? –, wurde nichts in das Geschäft hineingetragen? Ich meine, war nichts dort, was Sie seltsam fanden, irgendetwas nicht dorthin Gehörendes?»
    «Ein Fahrplan lag dort», antwortete der Inspektor. «Ein Fahrplan?»
    «Ja. Er lag aufgeschlagen, mit dem Rücken nach oben, auf dem Ladentisch. Es sah aus, als hätte jemand die Züge ab Andover studiert – entweder die alte Frau oder ein Kunde.»
    «Ein Fahrplan, wie sie welche verkaufte?»
    Der Inspektor schüttelte den Kopf.
    «Sie verkaufte nur die billigen Lokalfahrpläne. Dieser hier war eine große Ausgabe – ein Kursbuch sozusagen.»
    Poirots Augen begannen plötzlich zu funkeln. Er

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