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Nick Stone - 02 - Doppeltes Spiel

Nick Stone - 02 - Doppeltes Spiel

Titel: Nick Stone - 02 - Doppeltes Spiel
Autoren: Andy McNab
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    OKTOBER 1995
    Montag, 16. Oktober 1995
    Die Syrer fackeln nicht lange, wenn sie glauben, dass jemand ihren Luftraum verletzt. Innerhalb weniger Minuten nach dem Überfliegen der Grenze wird man von drei Abfangjägern begleitet, die so nahe herankommen, dass man ihren Piloten zuwinken kann. Aber die winken nicht zurück; sie sind da, um den Eindringling zu identifizieren, und wenn ihnen nicht gefällt, was sie sehen, schießen sie ihn mit ihren Luft-LuftRaketen ab.
    Dieses Verfahren wird natürlich nicht angewendet, wenn Verkehrsflugzeuge befreundeter Staaten auf den Radarschirmen der syrischen Luftabwehr erscheinen - deshalb hatte unser Viererteam sich für diese spezielle Infiltrationsmethode entschieden. Hätte Damaskus geahnt, was an Bord unserer Maschine der British Airways auf dem Linienflug von Delhi nach London passieren würde, wäre die Boeing 747 von syrischen Jägern abgefangen worden, sobald sie Saudi-Arabien verließ.
    Ich drehte und wendete mich, versuchte eine bequemere Position zu finden und beneidete alle die Leute, die oben hinter den Piloten saßen und vermutlich bei ihrem fünften Gin Tonic waren, sich den zweiten Film reinzogen und dabei ihre dritte Portion Bœuf en croûte mampften.
    Reg 1 hockte vor mir. Mit seiner Größe von einem Meter neunzig und dem Körperbau eines Schwergewichtlers empfand er die räumliche Enge hier unten bestimmt als noch qualvoller. Lockiges schwarzes Haar, das an den Schläfen grau zu werden begann, quoll unter seinem Springerhelm hervor. Bevor er 1993 das SAS-Regiment verlassen hatte, war er wie ich für Geheimdiensteinsätze ausgewählt worden - auch für solche, die der US-Kongress niemals genehmigt hätte. Ich hatte im Regiment ähnliche Einsätze mitgemacht, aber dies war mein erster in meinem neuen Status als K. Da wir wussten, wie riskant diese Sache werden würde, hätte keiner von uns darauf gewettet, dass wir gute Chancen hatten, an weiteren Einsätzen teilnehmen zu können.
    Ich blickte im Halbdunkel zu Sarah hinüber, die rechts von mir saß. Sie hielt ihre Augen geschlossen, aber selbst bei diesem schwachen Licht war zu erkennen, dass sie nicht gerade glücklich wirkte. Vielleicht machte ihr das Fliegen ohne kostenlosen Champagner einfach keinen Spaß.
    Ich hatte Sarah längere Zeit nicht mehr gesehen, aber das Einzige, was sich an ihr verändert hatte, war ihre Frisur. Ihr Haar war wie früher sehr glatt, fast südostasiatisch, allerdings nicht schwarz, sondern dunkelbraun. Sie hatte es immer ziemlich kurz getragen, aber vor diesem Einsatz hatte sie sich für einen Pagenschnitt mit Stirnfransen entschieden. Sie hatte markante, klar definierte Gesichtszüge, große braune Augen über hohen Wangenknochen, eine etwas zu große Nase und einen Mund, dessen Ausdruck fast immer zu ernst war. Sarah würde im Alter keine Probleme mit Lachfältchen haben. Ihr Lächeln war warm und freundlich, wenn es echt war, aber meistens schien sie nur so zu tun, als lächle sie. Aber gerade wenn man das dachte, fand sie irgendetwas Merkwürdiges amüsant und lächelte plötzlich strahlend. In solchen Augenblicken war sie noch schöner - vielleicht fast zu schön. Das war in unserem Beruf manchmal gefährlich, weil jeder Mann sie zweimal ansehen musste, aber mit ihren fünfunddreißig Jahren hatte sie gelernt, ihre Schönheit auch im Dienst zu ihrem Vorteil auszunutzen. Das machte Sarah zu einem noch gefährlicheren Weibsbild, als die meisten Leute ohnehin annahmen.
    Die Rumrutscherei hatte keinen Zweck, ich fand einfach keine bequeme Stellung mehr. Wir waren seit fast fünfzehn Stunden an Bord des Flugzeugs, und mir taten alle Knochen weh. Ich drehte mich auf die linke Seite, aber das war auch nicht besser. Ich konnte Reg 2 nicht sehen, aber ich wusste, dass er irgendwo im Halbdunkel links von mir hockte. Von Reg 1 war er leicht zu unterscheiden, weil er eine Handbreit kleiner war und dunkelblondes Kraushaar hatte, das wie Drahtwolle aussah. Außer ihren Nummern wusste ich nur, dass die beiden genau wie ich vor ungefähr drei Wochen beschnitten worden waren und wie ich in Tel Aviv gekaufte Unterwäsche trugen. Und mehr wollte ich weder über sie noch über Reg 3 bis 6 wissen, die bereits im Land waren - auch wenn einer von ihnen mein alter Freund Glen war.
    Ich drehte mich nochmals um und sah wieder zu Sarah hinüber. Sie rieb sich die Augen wie ein müdes Kind mit beiden Fäusten. Ich versuchte einzuschlafen; nachdem ich ungefähr eine halbe Stunde gedöst hatte, trat
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