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Die Gerüchteköchin

Die Gerüchteköchin

Titel: Die Gerüchteköchin
Autoren: Jennifer Crusie
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Maddie. »Jetzt jedenfalls.« Sie umklammerte den Messergriff, bis ihre Knöchel weiß hervortraten, und knabberte ein kleines Stück an einer Ecke des Schokoladenkuchens ab. Es war hart und eisig, aber es war Schokolade. Sie lutschte darauf herum, ließ es dank ihrer kochenden Wut schmelzen und schluckte es dann mit einem leichten Würgen hinunter. Immer mit der Ruhe, ermahnte sie sich und sog Luft durch die Nase ein.
    »Sind deine Allergien wieder schlimmer geworden?« wollte ihre Mutter wissen.
    »Nein.«
    »Trotzdem solltest du eine Benadryl nehmen, nur für alle Fälle. Du hörst dich verschnupft an. Ich will dich auch nicht aufhalten, ich wollte dir nur mitteilen, dass du jeden Moment Besuch bekommen wirst.«
    »Du machst Witze.« Maddie nagte eine weitere Schokoladenecke ab.
    »Von Sheriff Henleys Neffen, mit dem du zur HighSchool gegangen bist.«
    »Neffen?« Die Neuigkeit brauchte einen Moment, um zu sinken, bevor Maddie das Messer mit dem ganzen Schokoladenkuchen fallen ließ. C.L. Sturgis. Er war ihr erster Fehler gewesen. Wäre sie Jungfrau geblieben, wäre nichts vor alldem passiert. Sie versuchte, Desinteresse zu heucheln während sie auf dem dunkelblauen Teppich nach dem Messer tastete. »Ich kann mich nicht mehr erinnern.«
    Ihre Mutter konnte dies sehr wohl, aber das war nicht weiter ungewöhnlich. Das Gedächtnis ihrer Mutter war eine natürliche Datenbank aller Vorkommnisse, wenn jemand in der Stadt Mist gebaut hatte, und somit hatte sie unweigerlich eine Datei für C.L. angelegt. Und bald würde ihre bereits recht ansehnliche Datei über Maddie zweifellos an Umfang zunehmen.
    »Ich habe ihn zufällig vor der Polizeistation getroffen«, fuhr ihre Mutter fort. »Er war auf der Suche nach Brent, und ich habe ihm gesagt, dass zumindest du heute Nachmittag zu Hause bist. Also meinte er, er würde es dann bei dir versuchen.«
    Vielen Dank , Mutter. Wo war der verdammte Schokoladenkuchen?
    »Ach, und Maddie, es war mir so peinlich.« Sie senkte ihre Stimme. »Ich konnte mich nicht an seinen Namen erinnern. Ich wusste zwar, dass er kein Henley ist, weil er der Sohn von Annas Schwester ist, aber es fiel mir beim besten Willen nicht ein, wie er heißt. Er besuchte eine Klasse unter dir. Und er hatte immer Schwierigkeiten wegen Schlägereien und rücksichtslosem Fahren, weißt du noch?«
    »Schwach.« Maddie steckte den Kopf zwischen die Knie, um nachdenken zu können, und fand das Messer mit dem von den Flusen des Teppichs leicht verschmutzten Schokoladenkuchen auf dem Boden vor ihren Füßen. C.L. war also wieder in der Stadt?
    Maddie griff nach dem Messer und richtete sich wieder auf, um herumlaufen zu können. Gütiger Gott, erst gestern hatte sie gedacht, dass ihr Leben langweilig und leer sei. Gut, wünschen wir uns gestern zurück. Ihre Haut begann zu kribbeln, und ihre Atmung nahm wieder seltsame Züge an. Sie versuchte, sich darauf zu konzentrieren, die Flusen von dem Kuchen zu entfernen, was sich allerdings einhändig während des Herumlaufens als schwierig erwies.
    Ihre Mutter redete noch immer. »Er hat Sheila Bankhead geheiratet und ist fortgezogen, aber dann hat sie ihn verlassen und bis auf das letzte Hemd ausgezogen. Weißt du das nicht mehr? Vielleicht ist er zurückgekommen, weil sie demnächst wieder heiraten wird. Wie war noch sein Name? Irgend etwas Merkwürdiges.«
    Maddie klemmte den Hörer auf ihre Schulter, während sie die letzten Fussel von dem Schokoladenkuchen abwischte und ihre Mutter eine Liste falscher Namen herunterratterte. Als ihrer Mutter die Luft ausging, gab Maddie ihr den richtigen. »C.L. Sturgis.«
    »Ja, das ist er! Dieser Sturgis-Junge. Er müsste eigentlich jeden Moment da sein.« Unvermittelt änderte sich der Tonfall ihrer Mutter. »Aber wie kommt es, dass du dich an seinen Namen erinnerst?«
    »Zufallstreffer.« Wie könnte sie ihn vergessen. Gut, zur Hölle mit C.L. Sturgis. Zur Hölle mit allen Männern. Und vor allem zur Hölle mit Brent. Sie begann erneut hin und her zu laufen, während sie Stückchen von dem auftauenden Schokoladenkuchen abknabberte.
    »Nun, wie auch immer, Sheila heiratet jetzt Stan Sawyer.« Ihre Mutter seufzte. »Er ist zwar dümmer als Bohnenstroh, aber wahrscheinlich hat sie es auf sein Geld und nicht auf sein Hirn abgesehen. Schließlich hat er gerade erst von seiner Tante das ganze Geld der Becknells geerbt. Krebs, wie furchtbar. Aber wenigstens ist Sheila besser als diese Beth, mit der er ausgegangen ist.«
    Maddie hielt inne, als

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