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Die Bibel nach Biff

Die Bibel nach Biff

Titel: Die Bibel nach Biff
Autoren: Christopher Moore
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Zweiter Teil, wo man eben noch dachte, man könne unbehelligt sündigen?«
    »Es ist ein Evangelium.«
    »Ein Evangelium, nach so langer Zeit? Wer?«
    »Levi, den man Biff nennt.«
    Raziel ließ seinen Lappen fallen und stand auf. »Das muss ein Missverständnis sein.«
    »Es kommt direkt vom Sohn.«
    »Aus gutem Grund wird Biff in den anderen Büchern nicht erwähnt. Er ist ein absolutes ...«
    »Sag es nicht.«
    »Aber er ist so ein Arschloch.«
    »Da redest du und wunderst dich, dass du Pfuhldienst schiebst.«
    »Wieso jetzt, nach so langer Zeit? Vier Evangelien haben doch bis jetzt genügt, und wieso er?«
    »Weil es nach Erdbewohnerzeit eine Art Jubiläum der Geburt des Sohnes gibt, und er das Gefühl hat, es sei an der Zeit, die ganze Geschichte zu erzählen.«
    Raziel ließ den Kopf hängen. »Ich sollte packen.« »Die Gabe der Zungen«, mahnte Stephan.
    »Unbedingt. Damit ich mir den Schwachsinn in tausend Sprachen anhören kann.«
    »Immer auch die guten Seiten sehen, Raziel. Und bring mir etwas Schokolade mit.«
    »Schokolade?«
    »Ein Erdensnack. Du wirst sie mögen. Satan hat sie erfunden.«
    »Teufelsfraß?«
    »Man kann nicht immer nur Oblaten knabbern, mein Freund.«
    Mitternacht. Der Engel stand auf einem kahlen Hügel am Rande der heiligen Stadt Jerusalem. Er hob die Arme in die Höhe, und trockener Wind ließ seine weiße Robe flattern.
    »Erhebe dich, Levi, den man Biff nennt.«
    Ein Wirbelwind baute sich vor ihm auf, sammelte am Hang Staub zu einer Säule, die menschliche Gestalt annahm.
    »Erhebe dich, Biff. Deine Zeit ist gekommen.«
    Wütend peitschte der Wind, und der Engel hob den Ärmel seiner Robe vors Gesicht.
    »Erhebe dich, Biff, und wandle unter den Lebenden.«
    Langsam ließ der Wirbel nach, bis nur noch eine Staubsäule in Menschengestalt am Hang aufragte. Augenblicklich war es auf dem Hügel wieder still. Der Engel zog ein Gefäß mit Gold aus seinem Beutel und streute dessen Inhalt über die Säule. Der Staub wurde fortgespült, und ein schlammbespritzter, nackter Mann stand prustend und spuckend im Licht der Sterne.
    »Willkommen unter den Lebenden«, sagte der Engel.
    Der Mann zwinkerte, dann hielt er sich die Hand vor Augen, als erwartete er, hindurchsehen zu können.
    »Ich lebe«, sagte er in einer Sprache, die er nie zuvor gehört hatte.
    »Ja«, sagte der Engel.
    »Was sind diese Laute, diese Worte?«
    »Man hat dir die Gabe der Zungen gewährt.«
    »Die Gabe der Zungen hatte ich schon immer. Da kannst du alle Mädchen fragen, mit denen ich zusammen war. Was sind das für Worte?«
    »Sprachen. Man hat dir die Gabe der Sprachen gewährt, wie allen Aposteln.«
    »Dann ist Sein Reich gekommen.«
    »Ja.«
    »Und wann?«
    »Vor zweitausend Jahren.«
    »Du nichtsnutzige Pfeife von einem Blindgänger«, sagte Levi, den man Biff nannte, und schlug dem Engel ins Gesicht. »Du bist spät dran.«
    Der Engel kam wieder auf die Beine und tastete vorsichtig an seiner Lippe herum. »Spricht man so mit dem Boten des Herrn?«
    »Ist mir eben gegeben«, sagte Biff.

TEIL EINS

    Der Junge

    Gott ist ein Komödiant, der vor einem Publikum spielt, das sich nicht zu lachen traut.
    VOLTAIRE

1

    Ihr glaubt, ihr wisst, wie die Geschichte endet, aber das stimmt nicht. Vertraut mir, ich war dabei. Ich weiß Bescheid.

    Als ich dem Mann, der die Welt retten würde, zum ersten Mal begegnete, saß er am großen Brunnen in Nazareth, und eine Eidechse hing aus seinem Mund. Nur Schwanz und Hinterbeine waren noch zu sehen, Kopf und Vorderbeine steckten halb in seinem Rachen. Er war sechs, wie ich, und sein Bart noch nicht ganz ausgebildet, so dass er den Bildern, die ihr von ihm kennt, nicht eben ähnlich sah. Seine Augen waren wie dunkler Honig, und sie lächelten unter einer Mähne blauschwarzer Locken hervor, von denen sein Gesicht umrahmt war. Ein Licht - älter als Moses - sprach aus diesen Augen.
    »Unrein! Unrein!«, rief ich und deutete auf den Jungen, damit meine Mutter wusste, dass ich das Gesetz kannte, doch weder sie noch die anderen Mütter, die ihre Krüge am Brunnen füllten, beachteten mich.
    Der Junge nahm das Tier aus dem Mund und gab es seinem jüngeren Bruder, der neben ihm im Sand saß. Der Kleine spielte eine Weile mit der Echse, ärgerte sie, bis sie ihren kleinen Kopf reckte, als wollte sie beißen, dann hob er einen Stein auf und schlug dem Tier den Schädel ein. Ungläubig stieß er das tote Ding im Sand herum, und als er sicher war, dass es sich nicht mehr vom Fleck rühren
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