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Der Wunsch des Re

Der Wunsch des Re

Titel: Der Wunsch des Re
Autoren: Anke Dietrich
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Tempel«, sagte sie unvermittelt und verneigte sich leicht. Schnellen Schrittes begab sie sich zu Maiherperi, der, auf dem Wagen stehend, unweit von ihr unter einer Schatten spendenden Palme auf sie wartete. »Zurück zum Anwesen!«, befahl sie dem nubischen Leibwächter und hielt sich am Wagenkorb fest. »Und kein Wort über meine Unterhaltung mit dem Prinzen gegenüber meinem Gemahl! Hast du mich verstanden? Es würde nur seinen Zorn entfachen.«
    Am Abend erzählte sie es selbst Amunhotep, und wie erwartet verfinsterte sich seine Miene.
    »Ich hätte nicht geglaubt, dass er die Frechheit besitzt, nach Abydos zu kommen und so zu tun, als wäre nichts passiert«, zischte er. »Er hat sich damals in Theben gegen jegliche Anstandsregel verhalten, als er mich in meinem eigenen Haus der Lüge bezichtigte.« Zwischen seinen Augenbrauen hatte sich eine tiefe Falte gebildet.
    »Das ist eben Sethi«, erwiderte Meritusir und legte ihrem Mann versöhnlich die Arme um den Hals. Sie wusste, dass er dem Prinzen sein Verhalten noch immer nachtrug und konnte es irgendwie sogar verstehen, obwohl es eigentlich recht kleinlich war.
    Dann sollte er erst einmal erfahren, dass dich Sethi erpressen wollte
, meldete sich die Stimme in ihrem Innersten zu Wort, doch Meritusir ignorierte sie.
    »Er war früher einmal ein netter, freundlicher Mensch«, entgegnete derweil Amunhotep und nahm sie in den Arm. »Nie wäre ihm ein solches Verhalten in den Sinn gekommen. Die Liebe zu dir hat ihn blind gemacht. Mich würde nicht wundern, wenn er dich noch immer begehrt.«
    Meritusir seufzte leise und fasste schweren Herzens einen Entschluss. »Das tut er noch immer.«
    Verständnislos sah Amunhotep sie an. Seine Miene wurde immer düsterer. »Soll er ruhig. Du bist meine Frau. Er wird nicht wagen, dich anzurühren. Darüber wacht der Pharao.« Er sah ihr prüfend in die Augen. »Woher willst du eigentlich wissen, dass er dich noch immer liebt?«
    »Weil ich ihn heute getroffen habe. Ich kam von der Baustelle und habe mit ihm ein paar Worte gewechselt. Er erzählte mir von seiner Gemahlin und seiner Tochter, doch seine Augen blieben kalt und leer. Nach meinem Dafürhalten empfindet er überhaupt nichts für die beiden. Er spielt aller Welt nur den glücklich verheirateten Prinzen vor. Allmählich glaube ich, dass an den Gerüchten sehr viel Wahres ist, die behaupten, dass Sethi sich nur mit seinen Dienerinnen amüsiert, nicht aber mit seiner Frau. Er sah mich an, und ich konnte in seinem Gesicht wie in einer Schriftrolle lesen. Er ist noch immer in mich verliebt.« Sie zögerte und focht einen inneren Kampf mit sich aus, ob sie Amunhotep von Theben berichten sollte.
    »Solange er die Finger von dir lässt, kann er meinetwegen bis über beide Ohren in dich verliebt sein«, schimpfte Amunhotep. »Sollte er es aber wagen, dich anzurühren ...« Den Rest ließ er ungesagt, ballte aber die Fäuste.
    »Seinem Blick nach zu urteilen, würde es mich nicht wundern, wenn er alles versuchen würde, um mich in die Hände zu bekommen«, meinte Meritusir nachdenklich.
    Verwirrt starrte Amunhotep sie an. »Meinst du das im Ernst?«
    Sie nickte kaum merklich und gab sich einen Ruck. »Ich habe dir nie erzählt, was in Theben vorgefallen ist. Als dich die Prinzessin der versuchten Vergewaltigung bezichtigt hatte, musste ich mir etwas einfallen lassen, wie ich dir helfen kann. Den entscheidenden Gedanken lieferte mir damals Hekaib, wie du dich sicher erinnern wirst. Mein Problem war nur, dass ich einfach nicht zum Pharao vorgelassen wurde. Da traf ich Sethi und bat ihn, mir eine Audienz zu verschaffen. Erst lehnte er ab, doch dann ...« Sie zögerte, während Amunhotep sie nicht aus den Augen ließ.
    »Was?«, knurrte er. »Erzähle mir nicht, dass du ...«
    »Nein«, beruhigte sie ihn sofort, »ich habe mich Sethi nicht hingegeben. Er bot mir seine Hilfe an, wenn ich im Gegenzug seine Gemahlin werden würde. Ich habe abgelehnt.«
    »Er hat versucht, dich zu erpressen?«
    »Sethherchepeschef versprach sogar, Ramses von deiner Unschuld zu überzeugen, allerdings sagte er etwas, das sich mir ins Gedächtnis gebrannt hat:
Ich liebe dich, Meritusir, und würde alles für dich tun. Ich würde aber auch alles dafür tun, damit du meine Gemahlin wirst.
«
    Amunhotep sagte kein Wort. Das hatte ihm Meritusir bisher verheimlicht. Er war fassungslos.
    »Ich werde sofort mit Sethherchepeschef reden«, dröhnte er und machte sich aus ihrer Umarmung los.
    »Nein, Amunhotep.

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