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Das Buch der Schatten - Böse Mächte: Band 6 (German Edition)

Das Buch der Schatten - Böse Mächte: Band 6 (German Edition)

Titel: Das Buch der Schatten - Böse Mächte: Band 6 (German Edition)
Autoren: Cate Tiernan
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Stimme.
    Er tat mir furchtbar leid. Sein Bruder war mit fünfzehn gestorben, umgebracht von einem dunklen Geist, einem taibhs. Und sein Vater und seine Mutter waren vor zehn Jahren verschwunden. Sie versteckten sich vor der dunklen Welle, einer Wolke des Bösen und der Vernichtung, die viele Hexenzirkel ausgelöscht hatte, darunter auch den meiner leiblichen Eltern. Ich wusste, dass Hunter eine jüngere Schwester hatte, und mir ging durch den Sinn, dass er sicher ständig Angst um sie hatte.
    Dann sah ich ihn an und bemerkte, dass er den Blick fest auf mich gerichtet hatte, und meine Haut kribbelte, als wäre die Luft plötzlich elektrisch geladen.
    Einen Augenblick später lösten wir alle die Hände voneinander und es war vorbei. Einige würden vermutlich noch bleiben, um sich zu unterhalten, doch mir war seltsam ungesellig zumute, und so holte ich meinen Mantel. Die Ereignisse der vergangenen Woche hatten mich mehr erschüttert, als ich zugeben mochte. Seit gestern hatten wir offiziell Winterferien, und ich war unglaublich erleichtert, endlich viele freie Stunden in Aussicht zu haben, um auch nur ansatzweise die vielen Veränderungen meines Lebens in den letzten drei Monaten zu verarbeiten.
    » Robbie?«, fragte ich und unterbrach damit sein Gespräch mit Bree. Sie schmiegten sich eng aneinander, und ich glaubte zu hören, dass Robbie schmeichelnd auf Bree einredete und sie sich scherzhaft widersetzte.
    » Oh, hey, Morgan«, sagte Robbie und blickte zögerlich auf, und dann war Hunters Stimme dicht an meinem Ohr, und ein Schauder lief mir über den Rücken, als er sagte: » Kann ich dich heimbringen?«
    Ich sah die Erleichterung in Robbies Miene und nickte. » Ja. Danke.«
    Hunter zog seine Lederjacke und seine Mütze an und ich folgte ihm hinaus in die Dunkelheit.

2
    Schleuderkurs
    7. August 1968, San Francisco
    Ich habe Patricks Sachen zusammengepackt. Letzte Woche haben wir einen Gedenkgottesdienst für ihn gefeiert– alle Mitglieder von Catspaw waren da und einige Leute von Waterwind. Ich kann nicht glauben, dass er von uns gegangen ist. Manchmal bin ich davon überzeugt, dass er gar nicht fort ist, dass er gleich die Treppe hochkommt, dass er mich gleich ruft und durch die Tür tritt, ein neues Buch in der Hand, einen neuen Fund.
    Meine Freundin Nancy hat mich gefragt, ob es mich gestört hat, dass er fast vierzig Jahre älter war als ich. Nein, nie. Er war ein schöner Mann, das Alter spielte keine Rolle. Aber vor allem hat er mich geliebt und sein Wissen mit mir geteilt, er hat mich alles lernen lassen, was ich konnte. Meine magischen Kräfte sind jetzt zehnmal stärker als zu dem Zeitpunkt, da wir uns kennengelernt haben.
    Und jetzt ist er fort. Das Haus gehört mir, all seine Besitztümer sind mein. Ich sehe seine Bücher durch und stoße auf viele, von denen ich gar nicht wusste, dass er sie besaß. Bücher, die Hunderte von Jahren alt sind und die ich nicht einmal entziffern kann. Bücher, die in Chiffre geschrieben sind. Mit magischen Sprüchen belegte Bücher, die ich nicht öffnen kann. Bei denen werde ich Stella um Hilfe bitten. Seit sie Catspaw leitet, ist mein Vertrauen in sie immer weiter gewachsen.
    Seit Patrick nicht mehr hier ist und mich ablenkt, werden mir so viele Dinge klarer. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, er hat manchmal schwarze Magie gewirkt. Ich glaube, einige von den Leuten, die hergekommen sind, haben mit der Dunkelheit gearbeitet. Damals habe ich sie kaum beachtet. Jetzt glaube ich, dass Patrick mich öfter mal mit einem magischen Spruch belegt hat, damit ich nicht zu viele Fragen stellte. In gewisser Weise verstehe ich das, aber ich wünschte, er hätte darauf vertraut, dass ich akzeptiere, was er tut, und es nicht automatisch missbillige.
    Ein Buch habe ich aufbekommen, indem ich den Verschwiegenheitsbann mit einem magischen Gegenspruch, für den ich fast zwei Stunden brauchte, gebrochen habe. In dem Buch stieß ich auf Dinge, die Patrick mir nie gezeigt hat: magische Sprüche, um Tiere anzurufen, Sprüche, um die eigene Energie zu transferieren, Sprüche, um aus großer Ferne Veränderungen zu bewirken. Keine schwarze Magie an sich, aber trotzdem verboten; der Rat sagt, magische Sprüche, mit denen man manipulieren kann, sollten niemals leichtfertig gewirkt werden. Kein Mitglied von Catspaw würde so ein Buch anfassen, obwohl wir alle Woodbanes sind. Ich schon. Warum sollte ich nicht alles lernen, was es zu lernen gib t ? Wenn das Wissen existiert, warum sollte ich

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