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Dante Valentine 03 - Feuertaufe

Dante Valentine 03 - Feuertaufe

Titel: Dante Valentine 03 - Feuertaufe
Autoren: Lilith Saintcrow
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    Non satis est ullo, tempore longus amor Propertius
    Kriegsherr: Du siehst vor dir einen Mann, der dich mit dem Schwert durchbohren kann, ohne mit der Wimper zu zucken.
    Mönch: Du siehst vor dir einen Mann, der von diesem durchbohrt werden kann, ohne mit der Wimper zu zucken. Alte koreanische Volkssage
    Die letzte der Theorien ist die faszinierendste: Was wäre, wenn das Große Erwachen durch eine kollektive Evolution der menschlichen Spezies hervorgerufen wurde? Vor dem Großen Erwachen waren psionische Begabungen für ihre Unzuverlässigkeit berüchtigt. Das Parapsychogesetz, das es mit seiner Kodifizierung möglich gemacht hat, psionische Fähigkeiten zu trainieren, kann nicht allein für das Aufblühen psionischer Begabungen und magischer Fähigkeiten kurz vor seiner Ratifizierung verantwortlich sein – ganz gleich, wie lautstark die Verfechter von Adrien Ferrinum dies behaupten.
    Eine logische Konsequenz aus der Theorie der kollektiven Evolution ist die sich hartnäckig haltende Vorstellung, dass hierfür eine andere Intelligenz verantwortlich war. Das alte Sprichwort, nach dem Dämonen im genetischen Code des Menschen herumgepfuscht haben, ist in dieser Debatte so oft aufgetaucht, dass es bereits ein Klischee ist. Aber wie Ihnen jeder Magi bestätigen wird, lässt sich die Tatsache, dass dämonische Wesen so sehr von Menschen fasziniert sind, nur daraus erklären, dass sie irgendetwas mit unserer Evolution zu tun hatten – was sie ja auch selbst behaupten.
    Denn wenn es im Umgang mit Dämonen ein Gesetz gibt, dann ist es das ihrer besitzergreifenden Natur. Eher zerstört ein Dämon ein geliebtes Objekt, als dass er ihm die Flucht erlaubt; in diesem Punkt sind sie wie die Menschheit. Es gibt ein weiteres Gesetz, das im Umgang mit Dämonen ebenso wichtig ist: Genau wie bei Loa oder Etrigandi entspricht ihre Vorstellung von Wahrheit ganz und gar nicht der menschlichen Definition. Für einen Dämon bedeutet Wahrheit vielleicht etwas, das in einem bestimmten Moment seinen Zweck erfüllt oder zur Erreichung eines bestimmten Ziels dient. Das führt uns zu dem beliebten Witz, dass Rechtsanwälte gute Magi abgeben, was sich die Autorin dieses Artikels durchaus vorstellen kann.
    Tatsächlich könnte man postulieren, dass wir in Bezug auf Eifersucht und Falschheit entweder von dämonischen Wesen gelernt haben oder dass sie sich diese Tendenzen wie eine Krankheit von uns eingefangen haben – wobei Letzteres ganz und gar unwahrscheinlich ist, wenn man bedenkt, dass sie die weit ältere Rasse sind …
    Aus: Theorie und Dämonologie -
    Eine Magi-Fibel von Adrienne Spocarelli

1
     
     
    „Es ist für dich“, sagte Japhrimel bescheiden. Ganz kurz flackerten feurig-grüne, eckige Runenmuster in seinen Augen, ehe sie wieder ihre fast-menschliche dunkle Farbe annahmen.
    Blinzelnd nahm ich ihm das Päckchen ab. Es war schwer, in blauen Satin eingeschlagen und mit einem breiten weißen Seidenband umwickelt, das zu einer Schleife gebunden war. Ich schob das große Buch mit dem Ledereinband beiseite und kratzte mich unter meiner Mähne am Nacken. Ich hatte so lange gelesen und mich so ausgiebig mit Kryptoanalyse beschäftigt, dass mir schon ganz schummrig vor Augen war. Der weiße Marmor hinter Japhrimel verschwamm zunehmend. Eine Sekunde lang nahm sein Gesicht einen merkwürdigen Ausdruck an.
    Dann sah ich wieder klar und sog seinen Zimt- und Bernsteinmoschus-Geruch ein. Das Mal an meiner Schulter brannte, seit er das Zimmer betreten hatte, und der vertraute süße Schmerz nahm mir die Luft zum Atmen. Abgesehen von dem Lichtkreis der antiken Messinglampe mit dem grünen Plasilica-Schirm war es im Zimmer finster. „Noch ein Geschenk?“, krächzte ich. Mein wunder Rachen war immer noch nicht ganz verheilt. Doch die Heiserkeit kümmerte mich nicht weiter, solange ich mit Japhrimel allein war. Die Tätowierung auf meiner Wange wand sich, mein Smaragd spie zur Begrüßung einen einzelnen Funken.
    „Allerdings.“ Japhrimel strich mir mit zwei Fingern über das Gesicht und schickte langsame, gleichmäßige Wellen flüssigen Feuers meinen Rücken hinab. Sein langer dunkler Mantel mit dem hohen Kragen bewegte sich leicht, als er sich aufrichtete. Nur widerwillig schienen sich seine Finger von meiner Wange lösen zu wollen. „Für die schönste Nekromantin der Welt.“
    Ich musste lachen. Mit Schmeichelei erreicht man alles, oder? „Ich finde ja, dass Gabe hübscher ist, aber du darfst ruhig bei deiner Meinung bleiben.“ Ich

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