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Ciao Mayer

Ciao Mayer

Titel: Ciao Mayer
Autoren: Hans-Jürgen Schlamp
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Spieler angelangt. Statussymbole, klar, das wusste schließlich jeder. Aber in der Klarheit, in der Roberto fortfuhr, war es für Massimo plötzlich völlig neu. Die teuren Karossen demonstrierten nämlich nicht nur nach außen, den Fans, den Nachbarn, den Eltern, was für ein toller Hecht der Besitzer augenscheinlich war. Auch innerhalb des Spielerkaders, referierte Roberto, hatten die Autos die Funktion von Duftmarken. Sie kennzeichneten den Platz des einzelnen in einem komplizierten Geflecht. Ein Ferrari war für einen Topspieler okay, aber niemandem wäre es eingefallen, einen Ferrari zu fahren, der den des Roma-Superhelden Francesco Totti übertrumpft hätte. Und weil die Rangordnung eng mit dem Geld verbunden war, das ein Spieler verdiente, und der Siebenundzwanzigjährige im allgemeinen mehr bekam als der Neunzehnjährige, galt generell, dass die älteren Spieler die teureren Schlitten fuhren, ob protzig oder edel, jedenfalls teurer. Und sie parkten auch weiter vorne. Der kleine Motti war in dem Alpha-Rüden-Spiel noch ganz unten gewesen. Natürlich hatte er, für einen Achtzehnjährigen, toll verdient. Aber im Gehaltsgefüge des römischen Spitzenclubs lag er noch weit unten.
    „So“, Roberto setzte nach der etwas umständlichen, langatmigen Erklärung eine verschwörerische Miene auf und rückte näher an Massimo heran, „und eines Tages tauchte das Kerlchen in einem Lotus Elan auf. Alle waren baff, manche haben ihn danach gefragt, und er hat gesagt, das wäre die Karre von einem Freund. Gut, mag ja sein, nur, Massimo, hast du Freunde, die dir einen Lotus Elan leihen?“
    Massimo fühlte sich von der Frage überrumpelt. Was sollte er jetzt sagen? Natürlich kannte er niemanden mit einem Lotus Elan, jedenfalls nicht so, dass der ihm das Auto geliehen hätte. Er wusste ja nicht einmal genau, wie so ein Lotus aussah. Aber andererseits…
    „Warum soll er nicht reiche Freunde gehabt haben oder Bekannte mit viel Geld", fragte Massimo mehr um die Stille zu beenden, „ich meine, er galt doch als Hoffnungsträger oder?"
    Roberto rieb sich über die Bartstoppeln am Kinn, ganz zart rieselten ein paar Schuppen herunter. „Nun ja, Massimo“, er setzte langsam, nachdenklich neu an, „vielleicht hab’ ich es nicht deutlich genug gemacht, was ich meine. Es ist einmal das Geld und es ist zum andern der Rang im Rudel, ja? Und der Motti hat eines Tages nicht nur signalisiert: ‚Ich hab’ viel Schotter oder Freunde mit Schotter’, sondern er hat auch klargemacht, dass er einen höheren Platz beansprucht, dass er sich nicht mehr unterordnet, sondern kess und herausfordernd kundtut, durch das Auto: ‚Hey, seht her, ich bin aufgestiegen!’ So, und da kommt meine Frage: Wodurch ist er aufgestiegen, was ist passiert? Hat er plötzlich mehr Geld? Ist er Teil einer Seilschaft, die sich mehr Spielraum im Team verschafft? Oder außerhalb?“
    Massimo sah ihn ratlos an. „Ja und, was war nun der Grund?“ Roberto hob die Achseln. „Das weiß ich eben nicht. Aber er kam von da an fast immer mit sehr ausgefallenen Autos, oberhalb seiner Einkommensklasse, Porsche, Maserati, so in der Art. Es gab natürlich viel Gemunkel über Nebengeschäfte, aber...“
    Er machte eine kleine Pause, trank den letzten Schluck aus der kleinen Espressotasse und hob beide Hände, was wohl Ratlosigkeit signalisieren sollte.
    Massimo war damit nicht zufrieden. „Was denn für Nebengeschäfte?“, fragte er ungeduldig. „Roberto, du weißt doch mehr.“
    Der schüttelte den Kopf. „Nein wirklich, ich weiß nichts Konkretes. Es gab einfach nur Gerüchte, der Junge habe was am Laufen, aber mehr als Klatsch war das nicht. Ich hab’ doch schon gesagt, die jungen Spieler, die etwas enger mit Motti zusammen waren, die hätten uns Alten das kaum auf die Nase gebunden. Bei jedem von denen läuft doch irgendwas. Der eine redet hinterm Rücken des Vereinsvorstandes mit einem anderen Club, der andere kassiert bei ’nem Discobesitzer dafür, dass er sich regelmäßig in dessen Laden zeigt.“
    „Und mit Wettabsprachen? Hatte damit einer zu tun, Motti vielleicht?“
    Wieder schüttelte Roberto den Kopf. „Ich würde es dir sagen, wenn ich wirklich etwas wüsste. Aber was soll ich dir alten Klatsch erzählen, der vermutlich vorne und hinten nicht stimmt. Klar ist nur, er hatte plötzlich viel Geld, entweder mit irgendwas verdient oder dank neuer Freunde. So, und da kann man sich natürlich fragen...“
    Er brach ab, als eine junge Frau an ihren Tisch

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