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Blumen fuer die Toten - Ein Fall fuer Commissario Mariani

Titel: Blumen fuer die Toten - Ein Fall fuer Commissario Mariani
Autoren: Maria Masella Birgitta Hoepken
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KAPITEL 1

Freitag
    Ein reines Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.
    Mein Ruhekissen ist hart, und so sind auch meine Tage.
    Die Nachricht steht in roten Buchstaben auf der Tafel in der Küche.
    IM ARBEITSZIMMER LIEGT EIN PÄCKCHEN FÜR DICH.
    Ohne Gruß und Unterschrift.
    Ich setze einen Espresso auf, und als er durchzulaufen beginnt, gehe ich hinüber, um nachzuschauen. Neugierig bin ich nicht, denn ich erwarte kein Päckchen und noch viel weniger einen Gruß von meiner Frau.
    Hin und wieder treffen wir uns und wahren dann förmliche Distanz wie zwei Unbekannte. Mittlerweile weiß jeder von uns, was er vom anderen zu erwarten hat. Doch da ist noch Manu.
    DOTT. ANTONIO MARIANI, dann die Adresse, mit Schreibmaschine auf einen hübschen Aufkleber geschrieben. Wieder so ein Versandhandel, der versucht, etwas an den Mann zu bringen.
    Ich trage das Päckchen in die Küche und mache es auf. In der Zwischenzeit brodelt mein Espresso. Eine zweite Verpackung aus Seidenpapier. Erst einmal eine Tasse Kaffee eingießen, dann entferne ich die dünne Papierschicht. Ein Buch kommt zum Vorschein: Eine Privatsache von Beppe Fenoglio, erschienen bei Garzanti. Keine der neueren Ausgaben, 5 das sieht sogar jemand wie ich, der nichts von Büchern versteht. Dafür kenne ich mich bei anderen Dingen aus. Ich hole eine Spaghettizange aus der Schublade, damit ich das Päckchen umdrehen kann, ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen und ohne eventuelle Spuren zu verwischen. Davon verstehe ich nämlich etwas.
    Beim Umdrehen rutscht mir das Buch weg, schlägt auf, und etwas fällt auf den Küchentisch. Eine weiße, angewelkte Blüte und ein durchsichtiges Plastiktütchen. Ich lege das Buch zur Seite und schaue genauer hin.
    Mit einem Schlag sieht die Sache ganz anders aus.
    Fluchend renne ich zum Telefon. Während ich warte, dass man mir Anselmi an den Apparat holt, lege ich den Hörer zur Seite und greife nach der Tasse - der Kaffee ist zwar bereits kalt, aber vielleicht macht er mich ein bisschen munterer. Ich habe weniger als fünf Stunden geschlafen und hatte kein sanftes Ruhekissen.
    »Anselmi? Ich bin’s, Mariani.«
    »Anselmi am Apparat, Commissario. Es gibt nichts Neues im Fall …«
    »Ich rufe nicht deswegen an. Schicken Sie mir die Spurensicherung, und zwar sofort.«
    »Wohin denn, Commissario?«
    »Zu mir, Anselmi, zu mir nach Hause. Muss ich Ihnen vielleicht noch die Adresse diktieren?«
    »Nein, nein. Geht in Ordnung, Commissario. Ist denn was passiert?«
    »Schicken Sie mir die Spurensicherung.« Ich zögere einen Augenblick, doch Aufschieben ist zwecklos, also frage ich: »Ist Dottor Serra schon da?«
    »Ja, Commissario, seit etwa einer halben Stunde.«
    »Wenn er frei ist, müsste ich ihn sprechen.« Während ich das sage, frage ich mich, warum ich mir das antue. »Nein, lassen Sie, Anselmi, ich spreche mit ihm, wenn ich im Büro bin.« Ich lege auf.
    Dann schenke ich mir noch eine Tasse Kaffee ein und wende mich wieder dem Tisch zu.
    Das Buch wurde sorgfältig ausgehöhlt, so dass es als Behältnis dienen kann. Eine weiße Blüte, eine wunderschöne weiße Blüte. Was für eine Sorte das wohl ist? Ich kenne Rosen, Nelken, Margeriten und noch ein paar andere. Ein Plastiktütchen mit einem rotbraunen, vertrockneten, möglicherweise klebrigen Ding. Das scheint mir die fehlende Fingerkuppe der im Corso Torino erstickten Frau zu sein, obgleich ich doch nichts mit dem Fall zu tun habe.
    Warum ist das Päckchen dann an mich adressiert?
    Das Wichtigste ist jetzt aber, dass die Spurensicherung es so bald wie möglich wegschafft. Mir bleibt nichts weiter übrig, als zu hoffen, dass sie bald eintrifft, und in der Zwischenzeit zu duschen und mich anzuziehen, damit ich dann sofort in die Questura fahren kann.
    Im Büro angekommen, teilt man mir mit: »Vicequestore Serra will, dass Sie gleich zu ihm kommen.«
    Also setze ich mich in Bewegung. Im Flur stoße ich auf Leandri, der mit dem Fall Gualtieri befasst ist. Hoffentlich hat man mich nur gerufen, um einen Bericht aus erster Hand zu bekommen. Pustekuchen: Sie drehen mir den Fall an.
    Ich hasse es, eine Ermittlung zu übernehmen, die ein anderer schon begonnen hat. »Damit lassen wir uns aber auf das Spiel des Päckchenversenders ein.« Sinnloser Einwand.
    »Wir können uns hier nicht mit Details aufhalten, Mariani. Es ist nur wichtig, dass der Fall bald und gründlich aufgeklärt wird.«
    »Dann lasse ich mal die ganzen Unterlagen zu Anselmi bringen.« So einfach entledigt sich Leandri also

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