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Antonias Wille

Antonias Wille

Titel: Antonias Wille
Autoren: Petra Durst-Benning
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›Fresco‹ einladen? Dort kann ich Ihnen in aller Ruhe weitere Fragen beantworten.« Den alten Griesgram von nebenan konnte sie auch noch morgen aufsuchen!
    Der Nachmittag verlief genauso chaotisch, wie der Tag begonnen hatte: Der Kurs Aktzeichnen drohte auszufallen, weil das Modell nicht erschien, und Julie telefonierte eine halbe Stunde herum, um Ersatz aufzutreiben. Theo hatte einen Zahnarzttermin, sodass sich Julie außerdem noch um das Telefon kümmern musste. Anfragen aller Art, An- und Ummeldungen, Mütter, die wissen wollten, wann sie mit der Rückkehr ihrer Kids rechnen konnten – gegen Abend war Julies Mund vor lauter Reden dermaßen ausgetrocknet, dass ihre Zunge fast am Gaumen kleben blieb. Sie beschloss, bis zur Schließung der Schule um 21 Uhr den Anrufbeantworter einzuschalten, und wollte gerade in die Cafeteria gehen, um sich eine Diät-Cola zu holen, als sie im Türrahmen mit einem Mann zusammenprallte.
    Â»Entschuldigen Sie«, sagten beide gleichzeitig und mussten lachen.
    Was für ein gut aussehender Mann!, schoss es ihr durch den Kopf, während sie einen Schritt zurücktrat.
    Â»Kann ich Ihnen weiterhelfen? In welchem Kurs sind Sie denn angemeldet?« Sie hatte ihn noch nie hier gesehen, was aber nichts bedeutete – sie kannte längst nicht mehr jeden Kursteilnehmer persönlich.
    Â»In gar keinem. Ich möchte zu Ihnen. Mein Name ist Jan Bogner.«
    Den Namen hatte Julie an diesem Tag schon einmal gehört, doch sie wusste nicht mehr, wann und in welchem Zusammenhang.
    Â»Und wie kann ich Ihnen helfen?«
    Â»Ich bin Privatdetektiv. Ich versuche schon seit letzter Woche, Sie telefonisch zu erreichen, was mir leider nicht gelungen ist. Wenn Sie vielleicht ein paar Minuten Zeit für mich hätten …«
    Während Julie an ihrer Cola nippte, klärte der Mann sie in kurzen Worten über den Grund seines Besuches auf: Er war von einer Anwaltskanzlei in Rombach, einem kleinen Ort im Schwarzwald, ungefähr fünfzig Kilometer südöstlich von Freiburg, engagiert worden, um Julie ausfindig zu machen. Dies geschah auf Wunsch einer Mandantin der Kanzlei, einer achtzigjährigen Dame namens Antonia Fahrner, die in einem Zeitungsbericht über Julie Rilling gelesen und in ihr eine Verwandte erkannt hatte.
    Â»Frau Fahrner ist eine Kusine Ihres Vaters – ihr Vater war Helmut Fahrner, der neunzehn Jahre ältere Bruder Ihres Großvaters Gustav.«
    Julie runzelte die Stirn. »Kann sein, dass mein Vater mal etwas von einem Onkel namens Helmut erzählt hat, aber ehrlich gesagt habe ich mich nie für die alten Geschichten interessiert. Und meinen Großvater habe ich nie kennen gelernt. Er starb schon Jahre vor meiner Geburt.«
    Bogner nickte, als sage sie ihm damit nichts Neues. »Ihr Großvater hatte übrigens noch zwei weitere Geschwister:Martin und Roswitha. Beide wurden bald nach Helmut geboren, nur Gustav, Ihr Großvater, scheint ein Nachkömmling gewesen zu sein. Als er zur Welt kam, waren seine Geschwister schon aus dem Haus. Und als sein eigener Sohn – also Ihr Vater – geboren wurde, waren Helmut und die beiden anderen schon alte Leute. Von daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass Sie noch nie etwas von Antonia Fahrner gehört haben. Sie lebte zudem viele Jahrzehnte in Japan, wo sie als Lehrerin tätig war. Nach Auskunft des Anwalts, der mich beauftragt hat, ist sie erst vor zwei Jahren wieder nach Deutschland zurückgekommen. Noch ein Grund dafür, dass keine verwandtschaftlichen Kontakte existieren. Wie dem auch sei: Es ist Antonia Fahrners größter Wunsch, Sie kennen zu lernen!«, schloss der Detektiv seinen Bericht. »Aus diesem Grund bat sie die Anwaltskanzlei, den Kontakt mit Ihnen herzustellen. Was ich hiermit tue.« Er nestelte einen zusammengefalteten Zettel aus seiner Hemdentasche. »Antonia Fahrner lädt Sie herzlich nach Rombach ein. Hier ist ihre Adresse und Telefonnummer. Sie würde sich sehr freuen, wenn Sie sich so bald wie möglich melden würden, damit …«
    Â»Mich kennen lernen? Aber warum?«, unterbrach Julie ihn. »Wenn diese Antonia die Kusine meines Vaters ist, warum will sie dann nicht ihn kennen lernen?« Sie spürte, wie sich in ihrem Kopf ein aufdringliches Summen bemerkbar machte – der Vorbote einer Migräneattacke. Bevor der Privatdetektiv antworten konnte, fuhr sie fort: »Und

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