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0983 - Die Schamanin

0983 - Die Schamanin

Titel: 0983 - Die Schamanin
Autoren: Jason Dark
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»Ich habe Sie gewarnt, Conolly, und ich warne Sie noch einmal. Diese Imelda ist nicht nur ein Phänomen, sie ist auch gefährlich. Die kann Sie fertigmachen, zerquetschen wie eine Fliege. Verstehen Sie?«
    Bill nickte. Er verdrehte dabei die Augen. Das Lamentieren kannte er.
    »Sonst noch was?«
    Ortiz, der Mann mit dem Sichelbart und der fettigen Haut, trat näher.
    »Sie ist auch tödlich, wenn man ihr falsch kommt.«
    »Sie wiederholen sich, Ortiz.« Conolly trat zurück. Er konnte den Schweißgeruch seines Gegenübers nicht länger ertragen.
    Der Dschungel glich einer Sauna. Zwar lag das Gelände in der Nähe einer Stadt, aber die schien sich aufgelöst zu haben. Natur pur umgab beide wie eine Zange aus hohen Bäumen, dichtem Unterholz, verschieden farbigen Blüten und einem Dunst, der den Lungen einiges abverlangte. Doch Bill beschwerte sich nicht. Er war wegen dieser Imelda nach Haiti gekommen, um sie zu interviewen. Ein haariger und gefährlicher Job, das hatte er schon in London gewußt, doch Bill gehörte zu den Menschen, die neugierig waren und ein Ziel nicht aus den Augen verloren.
    Den Wagen hatten sie an einer Abzweigung abgestellt und waren den schmalen Pfad gegangen, der direkt durch den Urwald führte. Es war nicht weit bis zum Haus der Imelda, zumindest hatte Ortiz das behauptet, doch bei dieser Umgebung konnten schon zehn Meter zu einer Qual werden.
    Ortiz kannte sich hier aus. Er gehörte zu den Männern, die viele Jobs annahmen, besonders gern für Fremde arbeiteten und sich diese Arbeit gut bezahlen ließen. Und auch Bill hatte sich nicht lumpen lassen. Es war teuer gewesen, um diesen Ortiz mieten zu können, zudem hatte er noch eine Gefahrenzulage verlangt und sie auch erhalten.
    »Alles klar?« erkundigte sich der Mann mit dem Sichelbart.
    »Das hört sich an, als wollen Sie mich verlassen.«
    »Stimmt. Ich gehe nicht mehr weiter.«
    »Zu feige?«
    »Nein«, erklärte Ortiz. Er grinste, obwohl kein Grund dafür vorhanden war. »Nicht zu feige.«
    »Sondern?«
    »Ich will noch länger in Ruhe leben können. Ich habe Ihnen den Weg gezeigt, und ich werde auf Sie im Auto warten. Zwei Stunden, so war es abgemacht.«
    Bill gab ihm noch einen zerknitterten Geldschein. »Hängen Sie noch eine Stunde dran.«
    »Warum?«
    »Könnte ja länger dauern.«
    »Sie haben Humor. Imelda wird Sie nicht so lange bei sich behalten wollen. Es ist überhaupt eine Frage, ob sie Sie reinläßt. Da ist sie manchmal sehr eigen.«
    »Ich werde nett sein.«
    »Denken Sie an die Warnungen.«
    »Klar.« Der Reporter hob die Hand, bevor er sich drehte und Ortiz stehenließ.
    Es war Tag. Wie ein verschwommener, weißer Ball stand die Sonne am Himmel, aber unter den Bäumen, die über dem Weg ein Dach bildeten, schien die Dämmerung ausgebrochen zu sein. Hinzu kam der Dunst die Schwaden, die behäbig über der Boden krochen. Sie waren einfach furchtbar. Sie raubten einem Menschen den Atem. Am liebsten hätte sich Bill seine Kleidung vom Körper gerissen. Es gab keine Stelle, die nicht naß war.
    Er brauchte sich nicht vorzukämpfen, aber er war vorsichtig. Aus den dichten, dunklen und grünen Wänden rechts und links konnte jeden Augenblick etwas hervorbrechen, wobei man mit einem Menschen, aber auch mit einem Tier rechnen mußte.
    Bill ging weiter. Er starrte nach vorn, schielte immer wieder gegen die grünen Wände mit den nur kleinen Lücken. Wo sie waren, sah er das Licht der Sonne wie einen hellen Schleier, der sich in der Natur verfangen hatte.
    Vögel kreischten, wenn sie von Baum zu Baum flogen. Andere Tiere huschten ebenfalls durch das Unterholz. Bill hörte sie nur, er sah sie nicht, und er hatte es auch aufgegeben, nach den Insekten zu schlagen, die ihn umtanzten.
    Er suchte sein Ziel. Manchmal wischte er sich noch mit einem Tuch über die Stirn, aber das half kaum und nicht für lange.
    Wenn das Haus der Imelda im Dschungel stand, mußte es seinen Platz auf einer Lichtung gefunden haben. Davon ging Bill aus, und ein Schauer glitt über seinen Körper, als er die Gestalt sah, die vor ihm stand und sich nicht bewegte.
    Auch Bill ging nicht weiter. Er hatte einen trockenen Hals bekommen.
    Erst Sekunden später atmete er auf und schüttelte den Kopf über sich selbst, denn die Gestalt war kein Mensch, sondern eine Statue, ein Totempfahl, wie man ihn von den Indianern im Norden der Staaten kannte. Der Kopf war jetzt deutlich zu erkennen, die Augen, der Mund und die Nase, wobei in den Augen eine weiße Farbe lag.
    Ein

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