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0789 - Amoklauf der Werschnecke

0789 - Amoklauf der Werschnecke

Titel: 0789 - Amoklauf der Werschnecke
Autoren: W.K. Giesa und Martin Kay
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Drei Meter tiefer landete er auf allen vier Tatzen. Neben ihm schlug die Schreibmaschine im Regenfass ein. Der Werwolf gab ein klagendes Heulen von sich, das vom Winde verweht wurde. Er hockte sich auf den kalten Boden, schüttelte den Kopf und dachte nach.
    Das Glühblut war vermutlich ohnehin längst kalt geworden und hätte nicht mehr geschmeckt. Die Glut im Kamin hätte nicht mehr lange vorgehalten; er musste bei Gelegenheit Kaminholz oder Menschenknochen besorgen, um wieder richtig einheizen zu können. Der Winter stand bevor und durch die dünnen Bretter der Holzhütte pfiff der kalte Wind.
    Die Schreibmaschine… sie würde im Regenfass verrosten. Er hatte ohnehin nur noch jenes letzte Blatt Papier besessen. Was sollte er darauf schon unterbringen? Es reichte nicht mal für eine Minute seines verkorksten Lebens.
    Er hatte fast alles verloren, was er besaß. Dieser verdammte Geisterjäger hatte ihn in den Ruin getrieben. Er hatte ihm den Großvater, den Vater und den großen Bruder mit seinen verdammten Silberkugeln weggeschossen. Seitdem musste Karl selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen. Etwas, worauf er sich in all den Jahrhunderten seines Lebens nie vorbereitet hatte. Entsprechend schwer fiel es ihm.
    Plötzlich witterte er Gestank. Etwas Schleimiges, übel Riechendes näherte sich ihm. Er sprang auf und ging in Abwehrstellung.
    Aber es war kein Feind. Sondern ein Ghoul. Genauer gesagt, ein Ghoulmädchen, noch ziemlich unreif.
    »Hallo, Schnuppi«, sagte die Leichenfresserin. »Bläst du Trübsal?«
    »Ich blase dir den Marsch, wenn du noch mal Schnuppi zu mir sagst!«, knurrte er. »Ich heiße Karl Schulz!«
    »Und ich bin Luzy Braun«, sagte die Stinkende. »Wie wär’s mit uns beiden? Hier draußen ist es so verdammt kalt.« Sie wirkte angetrunken.
    »Wir können ja reingehen«, sagte er und wies auf seine verfallene Hütte.
    Sie betrachtete das schattenhaft aus der Dunkelheit ragende Monumentalbauwerk aus morschem Holz angestrengt. »Hast du da drin auch-Vurguzz?«
    »Was ist das denn?«
    »Also nicht. Dann komm mit.« Entschlossen griff sie nach seiner Pfote und zog ihn hinter sich her, während sie hin und wieder stinkende Schleimflocken verlor.
    Er folgte ihr beinahe willenlos. Es war ihm ohnehin fast egal, was mit ihm geschah. Vielleicht war es sogar besser, wenn er sich freiwillig zu seinen Ahnen gesellte.
    Aber das Schicksal hatte noch etwas anderes mit ihm vor.
    Luzy, das Ghoulmädchen, entführte ihn in die geheimen Katakomben unter der Stadt. Nicht einmal Karl hatte von ihrer Existenz gewusst. Aber hier gab es eine Kneipe, in der sich allerlei Nachtwesen aufhielten: Vampire, Werwölfe, Ghouls und sogar einige echte Gespenster. Die ohnehin angeschickerte Luzy orderte Blutwein, Schnaps, Bier, alles durcheinander, und schüttete das Zeug in sich hinein. Bei seiner Mannesehre gepackt, hielt der Werwolf kräftig mit und wurde erst wieder halbwegs nüchtern, als der Wirt, ein massiger Nachtmahr, endlich Geld sehen wollte.
    »Scheh isch ausch, alsch hätt isch G-geld in mei’m P-Pelz verschdeckt?«, lallte der Werwolf.
    Luzy breitete schleimtropfende Arme aus. »Er hat mich eingeladen!«
    »Daschischgelogen!«, protestierte Karl.
    Der Nachtmahr drang in sie beide ein und berührte ihre Seelen. Entsetzt flohen der Werwolf und die Leichenfresserin, nur fort von den Albträumen, die der Nachtmahr in ihnen entfesselt hatte.
    »Ich wollte das nicht«, schluchzte Luzy. »Ich dachte, du hättest Geld! Jetzt kann ich mich da nie mehr sehen lassen!«
    Angesichts ihrer Verzweiflung verrauchte der Zorn des Werwolfs. Er begann Luzy zu trösten. Er tröstete sie sehr gut. Danach war sie überglücklich und schlief neben ihm ein.
    Nach einer Weile raffte er sich auf und tappte davon, suchte nach einem Weg aus den Katakomben. Schließlich erreichte er wieder die Oberfläche. Es dämmerte; es war an der Zeit, heimzukehren zu seiner Hütte und sich zurück zu verwandeln, ehe jemand ihn in seiner Werwolfsgestalt sah.
    Da vernahm er das metallische Klicken, mit dem der Hahn einer Pistole gespannt wurde.
    Eine Pistole, dachte er, längst wieder nüchtern. Wie niedlich.
    Er wandte sich um und sah sich einem Menschen gegenüber. Dunkel gekleidet, mit streichholzkurzen blonden Haaren und einem kantigen Gesicht, das Mut und Entschlossenheit widerspiegelte.
    »Mein Name ist Sparks«, sagte der Mensch. »Christopher Sparks. Ich bin Königlicher Geisterjäger Ihrer britannischen Majestät. Und in dieser Pistole befinden

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